Vorsorgen fürs Alter ist eines der wichtigsten Sparziele der Deutschen. Kein Wunder, dass die Sparquote mit über elf Prozent unverändert hoch ist. Rund 190 Euro legte jeder Bundesbürger im Jahr 2010 für später zur Seite. Neben Lebens- und Rentenversicherungen sind Bank- und Fondssparpläne beliebte Vorsorgeprodukte. Ein Grund für den hohen Zuspruch dürfte in den Renditeversprechungen der Banken liegen. Viele Geldinstitute werben mit "Extrazinsen", "Zinsboni" oder "Wachstumszinsen". So wird Anlegern beispielsweise 100 Prozent Bonuszins versprochen – doch viele wissen gar nicht, welcher Basisbetrag dem Bonus zugrunde liegt. Zahlt die Bank 100 Prozent auf die eingezahlte Jahresprämie, auf die Gesamtzinsen oder den Jahreszinsertrag? Anders als bei Ratenkrediten oder Baudarlehen müssen die Geldinstitute für Spareinlagen keinen Effektivzins angeben. So verirrt sich mancher Sparer im Dickicht der Konditionen.
Auf diese Tricks sollten Anleger achten:
- Stufenzins: Bei Sparanlagen mit Zinstreppen stellen Banken gern den höchst möglichen Endzins in den Mittelpunkt ihrer Werbung. Bei einer Geldanlage, bei der die Zinsen jedes Jahr steigen, erhält der Anleger aber nur im letzten Sparjahr den vollen Zinssatz. Die Durchschnittsrendite bemisst sich nach dem Mittel der einzelnen Zinssätze pro Jahr. Beispiel: 1. Jahr: 1,5 Prozent Zinsen; 2. Jahr: 2,0 Prozent; 3. Jahr: 2,5 Prozent; 4. Jahr 2,75 Prozent; 5. Jahr 3,0 Prozent; 6. Jahr 3,5 Prozent; 7. Jahr 5 Prozent. Die Werbung verspricht „hohe Zinsen von bis zu 5,0 Prozent“ – klingt gut denkt der Anleger und rechnet ‚Pi mal Daumen‘ mit 3,5 bis 4,0 Prozent Rendite. Weit gefehlt! Die Durchschnittsrendite liegt gerade mal bei 2,89 Prozent.
- Bonus auf Sparprämie plus niedriger Basiszins: Banksparpläne locken gern mit 50, 75 oder 100 Prozent Zinsbonus. In Wirklichkeit wird meist ein geringer Basiszins gewährt, hohe Bonuszinsen greifen erst nach vielen Sparjahren und dann auch nur auf den im letzten Sparjahr eingezahlten Anlagebetrag oder auf die zuletzt gezahlten Zinsen. Beispiel Postbank: Das Geldhaus wirbt mit einem Geldbonus von bis zu 100 Prozent auf die eingezahlte Jahresrate. Doch diesen gibt es erst nach 25 Sparjahren und dann auch nur einmal. Wer monatlich 50 Euro investiert, erhält also nach einem Vierteljahrhundert 600 Euro von der Bank geschenkt. Der jährliche Basiszins beträgt aktuell nur 0,25 Prozent. Da es im ersten Sparjahr keinen Bonus gibt, beträgt die Verzinsung des eingezahlten Geldes lediglich 0,25 Prozent. Im 2. Sparjahr spendiert die Bank 1,0 Prozent Bonus, in unserem Beispiel also sechs Euro. Damit liegt die Rendite im 2. Sparjahr nur unwesentlich über 0,25 Prozent. Im dritten Sparjahr erhält der Anleger 12 Euro Bonuszins und kassiert 3,84 Euro an Zinsen usw. Unterm Strich erzielt unser Beispielanleger nach 25 Jahren eine Endrendite vor Steuern von 2,97 Prozent. Bleibt er nur 15 Jahre bei der Stange, sinkt die Rendite auf 2,53 Prozent ab, bei zehn Sparjahren bleiben gar nur 1,95 Prozent übrig.