Fondsbesteuerung Das kassiert der Fiskus

Fondsbesteuerung Das kassiert der Fiskus

Brigitte Watermann
von Brigitte Watermann
23.10.2016
Auf einen Blick

  • Ausländische Fondsgesellschaften stehen nicht unter der Fuchtel des deutschen Fiskus und damit auch nich tin der Pflicht, die sterpflichtigen Beiträge deutscher Anleger abzuführen.
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Die Grundregel der Abgeltungsteuer ist in einem Satz erklärt: Pauschal 25 Prozent Steuern auf Zinsen, Dividenden und Kursgewinne, plus Solidaritätszuschlag und etwaige Kirchensteuer. Rund 8,26 Milliarden Euro spülte die Steuer 2015 dem deutschen Fiskus in die Kasse, ein Zuwachs von 5,7 Prozent zum Vorjahr.

Doch bei der Versteuerung steckt der Teufel wie so oft im Detail. Vor allem Fondsanleger mit thesaurierenden Auslandsfonds im Depot (zu erkennen in aller Regel an einer ausländischen ISIN) sollten genau hinschauen, wenn Sie ihre Steuererklärungen machen. Das gilt selbst dann, wenn Sie ihre Papiere bei einer Bank im Inland verwahren. Denn Sie müssen in aller Regel – Abgeltungsteuer hin oder her – die Anlage KAP zur Steuerklärung ausfüllen.

Denn anders als die inländischen Fondsgesellschaften stehen die ausländischen Anbieter nicht unter Kuratel des deutschen Fiskus und damit auch nicht in der Pflicht, die steuerpflichtigen Erträge ihrer deutschen Anleger abzuführen. Daher wurden die Anleger selbst verpflichtet, die thesaurierten Erträge jährlich anzugeben.
 

Das ist laut Fonds-Verband BVI nur dann nicht erforderlich, wenn die Kapitaleinkünfte zum Beispiel klar unter dem Sparer-Pauschbetrag von 801 Euro für Ledige (1.602 Euro bei Verheirateten) liegen oder die Einkommensgrenzen für die Veranlagung nicht überschritten werden. Um Nachfragen des Finanzamts aber zu vermeiden, empfiehlt der BVI, zum Beispiel in einem Anschreiben zur Steuererklärung auf diesen Umstand hinzuweisen.

Biallo-Tipp: Die allermeisten Fondsgesellschaften halten alle Steuerdaten zu ihren Fonds für geplagte Anleger auf ihrer Website bereit.


ISIN des Fonds entscheidend

Ob es sich um einen in Deutschland oder im Ausland aufgelegten Investmentfonds handelt, lässt sich am einfachsten an der internationalen Wertpapierkennnummer ISIN ablesen, denn sie beginnt mit einem Länderkürzel – für Deutschland lautet es DE, für Luxemburg, wo sehr viele Fonds aufgelegt werden, lautet es LU.

 Beim Fonds-Verkauf droht Doppelbesteuerung

Noch wegen einer weiteren steuerlichen Finesse müssen Inhaber thesaurierender Auslandsfonds auf der Hut sein - und zwar dann, wenn sie ihre Anteile mal verkaufen wollen. Dann droht nämlich eine Doppelbesteuerung. Die inländische Depotbank behält beim Verkauf auf den gesamten aufgelaufenen Wertzuwachs seit Kauf die 25-prozentige Abgeltungsteuer ein - auch dann, wenn der Anleger stets korrekt jedes Jahr die thesaurierten Zins- und Dividendenerträge in der Steuererklärung angegeben hat.

"Bei Haltedauer über mehrere Jahre kann dies bei Veräußerung von Fondsanteilen zu hohen Steuerabzügen führen", schreibt der BVI in der aktuellen Steuerbroschüre. Um diese Doppelbesteuerung zu vermeiden, müssen Anleger daher in der Steuererklärung des Verkaufsjahres diese überhöhten Steuerabzüge zurückfordern und nachweisen, dass in den Vorjahren die Fondserträge bereits versteuert wurden.

Biallo-Tipp:Es ist also unbedingt anzuraten, die Steuererklärungen und Bankabrechnungen über die Haltedauer des Fonds aufzubewahren - viel Papierkram über eine lange Haltedauer, doch wer hier nicht aufpasst, zahlt sonst doppelt. Und das will schließlich niemand.

Doch nur weil sie mehr Mühe bei der Steuererklärung machen, sollten Anleger nicht einfach versucht sein, thesaurierende Auslandsfonds aus dem Depot zu werfen – vor allem dann nicht, wenn man seine Anteile an thesaurierenden Auslandsfonds vor dem Start der Abgeltungsteuer gekauft hat - vorausgesetzt natürlich, der Fonds ist weiterhin ein aussichtsreiches Investment.

Der Grund: Bei Fonds, die die jährlichen Erträge aus Zinsen und Dividenden ausschütten, fällt zum Zeitpunkt der Ausschüttung der Anteilspreis; entscheidet sich der Anleger für eine Wiederanlage der Ausschüttung, entsteht dadurch mit der Zeit ein steuerlicher Neubestand an Fondsanteilen. Das hat zur Folge, dass Gewinne aus dem Verkauf dieser Anteile in der Zukunft der 25-prozentigen Abgeltungssteuer unterliegen.

Bei thesaurierenden Fonds dagegen verbleiben die Erträge im Bestand und erhöhen dauerhaft den Anteilspreis. Hat man die Anteile vor Start der Abgeltungssteuer 2009 erworben, bleibt also steuerlich betrachtet alles Altbestand - beim Verkauf fällt keine Steuer auf den Gewinn an. Steigt man dagegen heute ein, ist dieser Unterschied nicht mehr relevant.

Gut zu wissen: Ab 2018 soll die Fondsbesteuerung neu geregelt werden. Dann soll es für Anleger mit thesaurierenden Auslandsfonds einfacher werden. Denn die inländische Depotbank soll sich künftig um die Versteuerung der laufenden Erträge kümmern, so dass die jährliche Pflicht zur Angabe in der Steuererklärung entfällt. Auch beim Anteilsverkauf übernimmt sie dann die erforderliche Gegenrechnung, um die Doppelbesteuerung zu vermeiden. Bis dahin gelten aber noch die alten Regeln.

Biallo-Tipp:Der Fondsverband BVI hält auf seiner Website unter www.bvi.de eine umfangreiche Broschüre mit Infos zur Besteuerung von Fonds bereit.

Grundregeln der Abgeltungsteuer im Überblick


Der Steuersatz
beträgt auf alle Dividenden, Kursgewinne und Zinserträge pauschal 25 Prozent. Der Solidaritätszuschlag und eventuell die Kirchensteuer kommen allerdings noch obendrauf. Ist der persönliche Steuersatz geringer als 25 Prozent, wird dieser angesetzt. Der Fiskus prüft automatisch im Rahmen der Steuererklärung, ob in solchen Fällen zu viel Steuern einbehalten wurden.

Die Altfallregelung gilt für Wertpapiere, die spätestens bis Ende 2008 gekauft wurden. Wenn der Anleger diese Papiere länger als ein Jahr gehalten hat, darf er Kursgewinne auch in Zukunft noch steuerfrei einstreichen. Die Abgeltungsteuer auf Kursgewinne greift grundsätzlich bei allen Aktien, Fonds und Anleihen, die seit 2009 im Depot liegen. Dabei spielt es keine Rolle, wie lange ein Anleger die Papiere hält. Für einzelne Wertpapiere wie Zertifikate gab es Ausnahmen und andere Übergangsfristen.

Der Sparerpauschbetrag beläuft sich für jeden Anleger pro Kalenderjahr auf 801 Euro (für Verheiratete: 1602 Euro). Nicht mehr nur Dividenden und Zinsen werden darauf angerechnet, sondern auch Kursgewinne. Erst wenn ein Anleger mehr als 801 Euro an Erträgen eingestrichen hat, führt die Bank Abgeltungsteuer ab.

Die Werbungskosten sind für den Fiskus komplett durch den Sparerpauschbetrag abgedeckt. Kosten, zum Beispiel für den Besuch einer Hauptversammlung oder Fachliteratur zur Geldanlage, lassen sich nicht mehr gesondert abrechnen. Bankspesen und Nebenkosten für den An- und Verkauf von Papieren wirken sich weiter steuermindernd aus.

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Für meine Leser bin ich stets auf der Suche nach neuen Angebots- und Konditionen-Trends bei Direkt- und Filialbanken. Denn mein Ziel ist es, dass Anleger wohl durchdachte Entscheidungen treffen können, welchen Anbietern sie ihr Vertrauen schenken. Außerdem schreibe ich seit vielen Jahren zu den Themen Vermögensaufbau und Altersvorsorge, aber auch Anlegerschutzrecht und Steuern. Private Geldanleger und ihre Bedürfnisse stehen dabei für mich immer im Fokus.  

In München und Washington, D.C., habe ich Diplom-Journalistik und Diplom-Volkswirtschaftslehre studiert, außerdem meine Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München absolviert. Nach meinem Berufseinstieg als Redakteurin beim Anlegermagazin Börse Online arbeitete ich von 1998 bis 2000 als Investor Relations Managerin bei der HypoVereinsbank. 2000 kehrte ich als Ressortleiterin zu Börse Online zurück und verantwortete dort bis 2009 die Bereiche “Geld und Vorsorge” sowie die Portrait- und Interviewstrecke “Börsianer und Anleger”. In dieser Zeit habe ich mehrere renommierte Journalistenpreise gewonnen.  

Seit 2009 schreibe ich für biallo.de, aber auch für Capital, Euro am Sonntag, Euro und weiterhin für Börse Online sowie für andere bekannte überregionale Wirtschaftsmedien. Gemeinsam mit früheren Börse Online-Kollegen betreibe ich den börsentäglichen Blog finanzjournalisten.blogspot.com. Daneben bin ich als Referentin für Wirtschaftsjournalismus an der Deutschen Journalistenschule München sowie als Moderatorin von Podiumsdiskussionen tätig.

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