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28.08.2015 14:56

Keine Eile bei der Rente Später Renteneinstieg ist Gold wert

von Rolf Winkel Autor
973 Euro für Männer und 513 Euro für Frauen. So hoch fallen im Schnitt die gesetzlichen Nettorenten derjenigen aus, die 2014 in den Ruhestand gegangen sind. Keine berauschenden Aussichten. Wie kann man gegensteuern?
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„Möglichst spät in Rente gehen, vielleicht sogar über das reguläre Rentenalter hinaus arbeiten.“ Diesen Tipp gibt der Rentenberater Norbert Loos aus München. Er rät, zunächst Alternativen zur Rente auszuschöpfen.

Im Job bleiben

Alter ist kein Kündigungsgrund. Arbeitsverträge enden in der Regel erst mit dem regulären Rentenalter, derzeit also mit 65 Jahren und vier Monaten. Wer nicht mehr Vollzeit arbeiten möchte, kann eine Arbeitszeitverkürzung beantragen. Schwerbehinderte haben hierauf sogar einen harten Rechtsanspruch. „Der Lohn aus Teilzeitarbeit ist meist noch immer höher als die Rente“, so rechnet Loos vor. Vor allem bringt die weitere Beschäftigung später mehr Rente. Wer etwa ein Jahr lang monatlich 2.000 Euro brutto verdient, erhöht hierdurch seine spätere Monatsrente um rund 20 Euro – lebenslang.

Arbeitslosengeld (ALG) I

Älteren, die ihren Job verlieren, steht genauso wie Jüngeren Arbeitslosengeld zu. „Wer arbeitslos ist und Arbeit sucht, für den ist die Arbeitslosenversicherung zuständig – und nicht die Rentenversicherung“, sagt der Rentenberater. Ausgemustert wird man bei der Arbeitsagentur erst, wenn das reguläre Rentenalter erreicht ist. Auch die Zeit des Bezugs von ALG I erhöht die spätere Rente und vermindert Abschläge. Wer als 63-Jähriger ein (weiteres) Jahr lang ALG I bezieht und deshalb ein Jahr später in Rente geht, stockt dadurch nicht nur seine Rentenbeiträge auf – er vermeidet so auch Rentenabschläge, die sich bei ihm auf 3,6 Prozent beliefen. Unterm Strich bringt dies einem Durchschnittsverdiener ein monatliches Rentenplus von rund 60 Euro.

Krankengeld

Viele ältere Beschäftigte sind (chronisch) krank – und sehnen auch deshalb die Rente herbei. „Doch eigentlich sind sie bei der Rentenversicherung an der falschen Adresse“, erklärt Loos. Denn sie haben, genau wie Jüngere, Anspruch auf Krankengeld von der Krankenkasse – und zwar für maximal 78 Wochen für dieselbe Krankheit. Das Krankengeld ist zumeist wesentlich höher als die Rente.

Vorsicht bei Rente ab 63

Versicherte, die mindestens 45 Beitragsjahre vorweisen können, bekommen neuerdings schon ab 63 Jahren eine Rente ohne Abschläge. Das scheint vielen sehr attraktiv. „Doch niemand sollte sich unter Verweis auf diese Rente voreilig aus dem Job drängen lassen“, warnt der Rentenberater. Denn wer diese vorzeitige Rente beantragt, dem fehlen gut zwei Versicherungsjahre bis zum regulären Rentenalter. Das macht für einen Durchschnittsverdiener ein Rentenminus von gut 60 Euro aus.
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Abschläge ausgleichen

Häufig winkt zwischen 60 und 65 ein Geldzuwachs – sei es, weil eine Kapitallebensversicherung ausgezahlt oder geerbt wurde. Mit dem Geld kann man seinen Ruhestand abpolstern. Man kann es zum Beispiel nutzen, um Rentenabschläge ganz oder teilweise auszugleichen. Wer etwa eine monatliche Rentenkürzung von 100 Euro ausgleichen will, muss dafür rund 25.000 Euro in die Rentenkasse einzahlen. 80 Prozent dieses Betrags können allerdings von der Steuer abgesetzt werden. Wer ein hohes Einkommen hat, bei dem beteiligt sich damit der Fiskus mit rund 5.000 Euro an der Zahlung in die Rentenkasse. „Das Geld haben Gutverdiener mit Steuerersparnis nach gut 15 Jahren wieder heraus.“ Als Alternative kommt auch eine private Sofortrente in Frage. „Diese rechnet sich in der derzeitigen Niedrigzinsphase allerdings deutlich weniger“, so Norbert Loos. – Die besten Tarife vergleichen ist deshalb Pflicht.


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