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26.06.2012 00:06

Vorzeitig in den Ruhestand Abschläge bei der Rente verhindern

von Rolf Winkel Autor
Immer noch werden viele ältere Arbeitnehmer frühzeitig aus dem Arbeitsmarkt gedrängt. Nicht wenige entscheiden sich dann für eine vorzeitige Rente. Doch das hat meist böse finanzielle Folgen. Es gibt jedoch bessere Lösungen.
Die Chemikantin Friederike Berger soll Ende des Jahres entlassen werden. Hoffnung auf eine neue Stelle macht sich die 60-Jährige nicht. Jetzt überlegt sie, ob sie sich dann aus dem Erwerbsleben verabschiedet und das vorzeitige „Altersruhegeld für Frauen“ in Anspruch nimmt. Da sie Ende 1951 geboren wurde, geht das für sie noch – für jüngere Jahrgänge nicht mehr.

Doch bei einer frühzeitigen Verrentung würde sie statt der von der Rentenversicherung ausgerechneten 1.050 Euro nur noch ca. 900 Euro monatliche Rente bekommen.
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Foto(s): Sebastian Willnow/ddp Norbert Milauer/ddp
2009 ging fast jeder zweite Neurentner vorzeitig in den Ruhestand. Im Schnitt mussten diese Vorruheständler Abschläge von 117 Euro (Männer: 127,44 / Frauen: 105,35 Euro) bei ihrer monatlichen gesetzlichen Rente hinnehmen – bis zum Lebensende. Pro Monat, den sie vorzeitig in Rente gehen, bekommen sie nämlich eine Rentenkürzung von 0,3 Prozent. Wer zwei Jahre vor seinem regulären Rentenalter in den Ruhestand  geht, muss mit einer Kürzung seiner bis dahin erworbenen gesetzlichen Rentenansprüche um 7,2 Prozent rechnen.

Ehe ältere Arbeitnehmer mit hohen Abschlägen vorzeitig in Rente gehen, sollten sie sich informieren, ob und welche Möglichkeiten es für sie gibt, den frühzeitigen Renteneintritt zu vermeiden – etwa so:

Arbeitslosengeld (ALG) I

Ältere Arbeitslose haben vielfach 24 Monate lang Anspruch auf diese Versicherungsleistung. Sie fällt oft deutlich höher aus als die Rente – und wird längstens bis zum regulären Rentenalter (derzeit: bis 65 Jahre plus einen Monat) gezahlt. Die Zeit des Bezugs von ALG I erhöht die spätere Rente und vermindert Abschläge. Wer als 63-Jähriger ein (weiteres) Jahr lang ALG I bezieht und deshalb ein Jahr später in Rente geht, stockt dadurch nicht nur seine Rentenansprüche auf, er vermeidet so auch Rentenabschläge von 3,6 Prozent.

Krankengeld

Viele ältere Beschäftigte sind (chronisch) krank – und sehnen auch deshalb den Ruhestand herbei. Doch eigentlich ist für kranke Arbeitnehmer die Kranken- und nicht die Rentenversicherung zuständig. Arbeitsunfähige Ältere haben genau wie Jüngere Anspruch auf Krankengeld – und zwar für maximal 78 Wochen. Für Kranke lohnt es sich daher meist, zunächst Krankengeld und erst später Rente zu beziehen. Denn das Krankengeld ist in der Regel deutlich höher als die Altersrente. Außerdem: Zeiten mit Krankengeld sind für die Rente fast so viel wert wie „normale“ beitragspflichtige Beschäftigungszeiten. Auch sie stocken die spätere Rente auf und reduzieren Abschläge.

Schwerbehinderten-Anerkennung


Etliche ältere Beschäftigte mit starken gesundheitlichen Handicaps haben beim Versorgungsamt noch keinen Antrag auf eine Schwerbehinderten-Anerkennung gestellt. Dabei ist gerade für sie diese Anerkennung ein Schutzschirm gegen eine mögliche Entlassung und vorzeitige Verrentung. Für Schwerbehinderte gelten sogenannte Nachteilsausgleiche und besondere Kündigungsschutz-Bestimmungen. Bevor Arbeitgeber Schwerbehinderte entlassen dürfen, müssen sie die Zustimmung des Integrationsamtes einholen. Schwerbehinderte haben außerdem auch ein besonderes Recht auf Teilzeitarbeit. Sie können jederzeit verlangen, nur noch in einem zeitlichen Umfang eingesetzt zu werden, der ihrer Behinderung angemessen ist.

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Leserkommentare
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01.07.2012 - von Otto Bullenkloster
Vorzeitig in den Ruhestand
Vorgezogenes Altersruhegeld für Frauen Seit Ende 1996 gibt es eine nach dem Geburtjahr gestaffelte Regelung: Jahrgang 1939 und älter: nur noch Frauen, die Jahrgang 1939 und älter sind, können dieses vorgezogene Altersruhegeld ohne Abschläge auf die Rente erhalten. Die Jahrgänge 1940 bis 1944 müssen länger warten, und zwar umso länger, je jünger sie sind. Ist z.B. eine Frau im März 1942 geboren, muss sie warten bis sie 62 Jahre und drei Monate alt ist. Auch sie kann mit 60 in Rente gehen, doch sie muss für jeden Monat, den sie früher in Rente gehen will, einen Rentenabschlag von 0,3% auf Dauer in Kauf nehmen. In meinem Beispiel wären das 27 Monate x 0,3% = 8,1%. Frauen ab Jahrgang 1945 bis Jahrgang 1951 müssen alle bis zum 65. Lebensjahr warten, bis sie eine Altersrente beziehen können. Doch können sie bereits mit 60 in Rente gehen, müssen dann aber einen Rentenabschlag von 18% hinnehmen (60 Monate vorzeitiger Rentenbezug x 0,3%). Für Frauen, die Jahrgang 1952 und jünger sind gibt es noch nicht einmal diese Möglichkeit mehr, mit 60 in Rente zu gehen, auch wenn Sie die hohen Abschläge in Kauf nehmen würden. Der früheste Rentenbezug ist für diese Frauen das 63. Lebensjahr - wenn sie die sog. große Wartezeit von 35 Jahren erfüllt haben (zu dieser großen Wartezeit zählen Beitragszeiten, Anrechnungszeiten und Kinderberücksichtigungszeiten). Es sind Frauen, die eine "männergleiche" Erwerbsbiographie nachweisen können. Selbstverständlich wird dann auch diese Rente gekürzt, nämlich um 7,2% (24 Monate x 0,3%). Ab 2011 kommt eine neue Rentenformel zum tragen, im Vergleich zu heute wird es bei gleichen Basisdaten weniger Rente geben. Wenn Sie genauso viel Rente bekommen wollen wie heute, müssen Sie dies privat durch eine Geldanlage bei Banken, Sparkassen oder Versicherungen absichern. Um die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu ermuntern, sich aus eigener Tasche privat abzusichern, werden Verträge zusätzlich staatlich gefördert.
23.06.2012 - von Karlson vom Dach
Vorzeitig in den Ruhestand
Danke für den netten Beitrag - aber bedenken Sie bitte die nachträgliche Rentenbesteuerung ( Freibetrag ) von jährlich - 2 % -Je später in Rente , umso weniger .steuerlicher Freibetrag - Es ist schon p. wie an der Rente gedreht und gewendet wird. Z.B meine BR schreibt mir ein Rentenalter von 65,5 vor - mein Arbeitgeber schmeißt mich mit 65 raus . Ich will einen Renten Rettungsschirm . Stärkung der Rentner Kaufkraft!
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