Exklusiv: Airbnb verschärft Wohnungsmangel Bereits 46.000 Wohnungen in Deutschland zweckentfremdet

Exklusiv: Airbnb verschärft Wohnungsmangel Bereits 46.000 Wohnungen in Deutschland zweckentfremdet

Max Geißler
von Max Geißler
03.09.2016
Auf einen Blick

In Deutschland herrscht Wohnungsmangel. Eine Ursache hierfür ist die massenhafte Vermietung von Ferienwohnungen an Touristen durch Internetvermittler wie Airbnb und Wimdu. Die Kommunen fangen an sich zu wehren.

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"Die spinnen doch", schimpft Judith E. aus Berlin "750 Euro Kaltmiete für 48 Quadratmeter in Friedrichshain - wer soll das bezahlen?" So wie Judith geht es derzeit vielen Studenten in Deutschland. Kleine Appartements sind kaum zu finden und wenn doch, dann schießen die Mietpreise durch die Decke. Und der Preisauftrieb dürfte sich in den nächsten Jahren weiter verschärfen, denn den wenigen Wohnungen stehen immer mehr Suchende gegenüber.

Laut einer Allianz-Studie wird der Fehlbestand an Wohnungen in den zehn wirtschaftlich stärksten Regionen Deutschlands bis 2030 um 940.000 Einheiten zunehmen. Verantwortlich hierfür sind der ungebrochene Zustrom in die Städte, der Trend zur Versingelung sowie die Einwanderung aus fremden Ländern.

Doch damit nicht genug. Onlineportale wie Airbnb, Wimdu und 9flats verschärfen die Situation. Die Mitwohnbörsen vermitteln mehr und mehr Privatzimmer und Appartements an Touristen und Dienstreisende. Das Geschäft brummt. Nach Informationen von Airbnb teilten letztes Jahr über 20.000 Berliner ihr Heim mit zahlenden Gästen. Die Zahl der Übernachtungen überschreitet inzwischen die Sechs-Millionen-Grenze.

Die Berliner Hotellerie ist in Alarmstimmung. Nach Ermittlungen des Immobilienentwicklers GBI entfallen bereits gut 20 Prozent aller Berliner Übernachtungen auf privat vermittelte Unterkünfte, bundesweit ist es jede elfte Städtereise. "Das Phänomen konzentriert sich besonders auf die Metropolen", sagt Stefan Brauckmann, Leiter Research bei GBI. Mehr als zehn Millionen sogenannte Graumarkt-Übernachtungen fanden allein in den vier Millionenstädten Berlin, München, Hamburg und Köln statt. Rund 46.000 Wohnungen seien bundesweit bereits zweckentfremdet.

Ferienwohnung bringt viermal mehr als Mietwohnung

Die private Vermietung ist lukrativ. Der Berliner Staatssekretär für Bau und Wohnen, Engelbert Lütke Daldrup, schätzt, dass "in den angesagten Berliner Kiezen bis zu viermal so hohe Einnahmen erzielt werden wie durch reguläre Vermietung". Airbnb sieht das naturgemäß anders. Eine Umfrage unter den eigenen Anbietern ergab, dass der typische Berliner Vermieter 1.800 Euro binnen 34 Nächten einstreicht. Außerdem seien dreiviertel aller Wohnungen an weniger als 90 Tagen im Jahr vermietet.

Judith und ihren Kommilitonen hilft das freilich wenig. Auf der Suche nach einer eigenen Bleibe finden sie immer weniger Angebote. Die meisten Privatvermieter halten ihre Wohnung nämlich ganzjährig als Ferienwohnung vor und blockieren sie so zur regulären Vermietung. "Wir gehen von bis zu 10.000 Berliner Wohnungen aus, die Airbnb dauerhaft dem Markt entzieht", schimpft Lütke Daldrup. Dadurch gehe Wohnraum für rund 20.000 Menschen verloren. Dies entspreche fast der gesamten Neubauleistung eines Jahres in Berlin.
 

Spitzel sollen illegale Ferienwohnungen aufspüren

Die Hauptstadt will die Zweckentfremdung stoppen. Bereits vor zwei Jahren wurde ein Verbot von Ferienwohnungen beschlossen, für das bis Ende April eine Übergangsfrist galt. Seit Mai 2016 wird es ernst. Seitdem benötigt jeder private Vermieter zwingend eine Sondererlaubnis für die zeitweise Vermietung seiner Immobilie. Zugleich stellte die Verwaltung 30 neue Mitarbeiter ein, die nicht genehmigte Ferienwohnungen aufspüren sollen.

Um dies zu erleichtern, wurden Airbnb & Co. verpflichtet, die Namen und Adressen der Vermieter offen zu legen. Wer illegal vermietet, dem drohen drakonische Strafen. Bis zu 100.000 Euro Bußgeld will der Senat verhängen. Airbnb hat bereits reagiert und angeblich mehr als 4.000 Objekte von seinem Portal gestrichen. Als offizielle Begründung gaben die Wohnungsvermittler an, die Unterkünfte böten "kein authentisches Reiseerlebnis".

Nicht jede Vermietung ist illegal

Eine Grauzone bleibt: Das Berliner "Zweckentfremdungsgesetz" regelt nicht eindeutig, welche Wohnung in Zukunft vermietet werden darf und welche nicht. Zudem ist unklar, ab welcher Mietdauer die Zweckentfremdung von Wohnraum beginnt. Lütke Daldrup sah sich daher kürzlich zu einer Erläuterung gezwungen: Wer mehr als die Hälfte der Zeit selbst in seiner Wohnung wohnt und zeitweise ein Zimmer vermietet, der mache nichts falsch, so der Staatssekretär.

Im Klartext: Die Plattformen sollten zu ihrer ursprünglichen Absicht des Sharings, also des Wohnungsteilens, zurückkehren. Reine Ferienwohnungen, die ganzjährig für Airbnb & Co. freigehalten werden, sind nicht mehr erlaubt.

Mache ich mich strafbar, wenn ich über Airbnb wohne?

Berliner Airbnb-Anbieter handeln illegal, wenn Sie komplette Ferienwohnungen ohne Genehmigung an Touristen vermieten. Doch was passiert mit Besuchern, die bei Routinekontrollen des Senats in einer solchen Wohnung angetroffen werden?

Machen sie sich ebenfalls strafbar? Zum Glück nicht. Die neue Gesetzesregelung betrifft nur Vermieter. Diese sollten in Zukunft allerdings doppelt auf der Hut sein! Denn nicht nur die Senatsverwaltung will illegale Vermietung stoppen, auch der Fiskus hat bereits angekündigt, Airbnb-Vermieter stärker aufs Korn zu nehmen, schließlich sind Mieteinkünfte steuerpflichtig.

Vom Mieter zum Vermieter – das rechnet sich!

Wegen der miesen Wohnungslage überlegt Judith die Seiten zu Wechseln und selbst zum Vermieter zu werden. Während der Studienzeit könnte Sie ein eigenes Appartement selbst nutzen und in den Ferien an Fremde vermieten. Nach dem Studium könnten die Mieteinkünfte ihre Haushaltskasse aufbessern.

Die Studentin hat zwar kein Geld, aber vor der Finanzierung mittels Bankkredit braucht sie sich nicht zu scheuen. Baugeld ist derzeit extrem günstig, zehnjährige Baudarlehen kosten weniger als ein Prozent Zinsen, zum Beispiel bei Santander Bank und ING-Diba. Lokale Anbieter wie die Sparda Bank Berlin oder die Mittelbrandenburgische Sparkasse sind teilweise noch günstiger. Für ein Darlehen über 100.000 Euro würde Julia keine 200 Euro im Monat bezahlen – das ist deutlich weniger, als wenn Sie ein Appartement anmieten würde.

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Max Geißler
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Max Geißler
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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

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