Die sechs häufigsten Finanzierungsfehler

Baufinanzierung Die sechs häufigsten Finanzierungsfehler

Max Geißler
von Max Geißler
16.01.2017
Auf einen Blick
  • Clevere Häuslebauer nutzen die niedrigen Zinsen für eine höhere Anfangstilgung.
  • Bei einer Anfangstilgung von drei statt einem Prozent reduziert sich die Laufzeit eines 100.000-Euro-Darlehens um mehr als die Hälfte.
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Der Kauf eines Eigenheims ist für viele Familien die größte Investition des Lebens. Die meist hohe Kreditsumme sowie die lange Laufzeit des Darlehens erfordern von Immobilienkäufern größte Sorgfalt. Neben einem sicheren finanziellen Fundament gehört eine ehrliche Kalkulation und eine strapazierfähige Finanzbasis dazu. Dabei sollte man sich nichts vormachen. Mit unehrlichen oder geschönten Angaben zu Einkommen, Ausgaben oder laufenden Kosten lässt sich keine solide und langfristig tragfähige Grundlage schaffen. Diese Fehler sollten Bauherren vermeiden:

Baufinanzierung - Fehler 1: Eigene Finanzkraft schönfärben

Am Anfang steht der Kassensturz. Ziel ist es, den finanziellen Spielraum zu ermitteln, der regelmäßig für Kreditverpflichtung, Nebenkosten und Notfallreserve zur Verfügung steht. Dabei ist wichtig, dass man neben den laufenden Zahlungsverpflichtungen wie Mieten und Beiträge zu Lebens- und Rentenversicherungen auch unregelmäßige Ausgaben nicht unter den Tisch fallen lässt. Hierbei ist beispielsweise an plötzliche Reparaturkosten zu denken, etwa für das Auto, die Waschmaschine oder den Fernseher.

Auch jährliche Beitragszahlungen, etwa für die Haftpflicht- und Hausratversicherung oder die Kfz-Steuer, sollten bedacht werden. Das Gleiche gilt für Ausgaben wie Urlaubsreisen oder Neuanschaffungen. Einmalausgaben und die Finanzreserve für den Notfall sollte man nicht zu knapp kalkulieren, damit nach dem Immobilienkauf die Haushaltskasse nicht überstrapaziert wird. Schließlich soll das Eigenheim Freude und keinen Frust bereiten. Hat man den monatlich zur Verfügung stehenden Betrag ermittelt, kann man mit unserem Baufinanzierungsrechner herausfinden, wie viel Haus man sich beim aktuellen Zinsniveau leisten kann.

Baufinanzierung - Fehler 2: Reserven für Instandhaltung vernachlässigen

Unverhofft kommt oft – so auch bei den eigenen vier Wänden. Platzt eine Rohrleitung oder geht die Heizung kaputt, kann die Reparatur mächtig ins Geld gehen. Wer dann keine Rücklagen gebildet hat, dessen Finanzkalkulation gerät ins Wanken. Eigentümer sollten daher von Anfang an eine Finanzreserve bilden, zumal mit zunehmendem Alter der Immobilie die Instandhaltungskosten steigen. Michiel Goris, Chef des Baugeldvermittlers Interhyp, empfiehlt seinen Kunden „zwei Euro monatlich pro Quadratmeter Wohnfläche zurückzulegen“.

Baufinanzierung - Fehler 3: Hausbank blind vertrauen

Immobilienkäufer sollten nicht das erstbeste Kreditangebot ihrer Hausbank akzeptieren. „Zwar sind die Zinsen derzeit niedrig und die Finanzierungskosten im langjährigen Vergleich besonders günstig, dennoch bringt ein umfassender Darlehensvergleich nochmals deutliches Sparpotential“, so der Kreditexperte.

Grund: Zum einen offerieren Filialbanken nicht immer die besten Konditionen am Markt, zum anderen gewährt die klassische Standardfinanzierung kaum individuelle Spielräume. „Kostenlose Sondertilgungen, Tilgungssatzwechsel während der Laufzeit oder die Einbeziehung von KfW-Darlehen sind nicht überall selbstverständlich“, so Goris.

Unser Baufinanzierung-Vergleich zeigt ebenfalls große Unterschiede bei den Zinskonditionen: Während etwa PSD Bank und 1822 direkt zehnjährige Finanzierungen für rund 1,5 Prozent Zinsen anbieten, ist man bei der Bausparkasse Mainz mit 2,4 Prozent Kreditzins dabei.

Baufinanzierung - Fehler 4: Anfangstilgung zu niedrig

Vor dem Zinsverfall stiegen klassische Baufinanzierungen meist mit einer Anfangstilgung von einem Prozent ein. Bei heutigem Zinsniveau würde das ohne Sondertilgungen Kreditlaufzeiten von mehr als 60 Jahren bedeuten. Damit ist es unmöglich, den Kredit bis zur Rente zu tilgen. Interhyp-Chef Goris rät daher, „den dank Niedrigzinsen erzielbaren Konditionenvorteil unbedingt in eine schnellere Schuldenfreiheit zu investieren“. Wer statt einem Prozent mit drei Prozent Anfangstilgung einsteigt, kann bei einem 100.000-Euro-Kredit die Laufzeit auf 27 Jahre mehr als halbieren. Die Zusatzkosten halten sich mit rund 165 Euro pro Monat in Grenzen.

Baufinanzierung - Fehler 5: Zinsbindung zu kurz

Viele Immobilienkäufer glauben, der optimale Hypothekenkredit habe eine Zinsbindung von zehn Jahren. Doch das stimmt nicht. Die Dauer der Zinsbindung wird vom Niveau der Hypothekenzinsen beeinflusst. Bei aktuellen Darlehenszinsen von knapp über zwei Prozent für langlaufende Finanzierungen, sollte man besser eine Zinsbindung von 15 oder 20 Jahren wählen. Schließlich ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass die Hypothekenzinsen in Zukunft steigen, außerdem besteht nach zehn Jahren Kreditlaufzeit ein Kündigungsrecht.

Baufinanzierung - Fehler 6: Keine Absicherung gegen Notfälle

Jede Immobilienfinanzierung beinhaltet Restrisiken. Wird der Hauptverdiener arbeitslos, krank oder verunglückt er gar tödlich, ist der Traum vom Eigenheim schnell vorbei, wenn kein ausreichender Risikoschutz besteht. „Bei hohen Kreditbeträgen ist die finanzielle Absicherung der Familie nicht zu vernachlässigen“, rät daher Hartmut Schwarz von der Verbraucherzentrale Bremen. Schutzmöglichkeiten bietet etwa eine Risiko- oder Kapital-Lebensversicherung sowie eine Police gegen Berufsunfähigkeit. Besonders preiswert ist die Risiko-Lebensversicherung, denn sie beinhaltet keinen Sparvorgang. Günstige Anbieter wie Ergo Direkt und Hannoversche berechnen für einen 40-jährigen Mann, der eine Todesfallsumme von 200.000 Euro über 25 Jahre versichert, nur etwa 25 Euro Monatsbeitrag. Alternativ können Kreditnehmer auch sogenannte Restschuldversicherungen bei Kreditinstituten abschließen. Diese Policen bieten zwar umfassenden Schutz, sind aber vergleichsweise teuer.

Biallo-Lesetipp

Eine Studie des renommierten Wirtschaftsprofessors Moritz Schularick kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Mit Immobilien lässt sich langfristig mehr Rendite erzielen als mit Aktien. Mehr dazu lesen Sie in unserem Artikel: "Geldanlage - Immobilien werfen mehr als Aktien."

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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

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