Grunderwerbsteuer Vorsicht bei separatem Kauf von Grundstück und Haus

Grunderwerbsteuer Vorsicht bei separatem Kauf von Grundstück und Haus

Max Geißler
von Max Geißler
25.10.2016
Auf einen Blick

Fallen Grundstückskauf und Hausbau nicht zusammen, wird Grunderwerbsteuer nur auf das Grundstück erhoben. Die Verträge dürfen aber nicht verflochten sein.

Artikelbewertung
Schrift

Eine solche Steuersparstrategie kann Immobilienkäufern viele tausend Euro sparen. Aber aufgepasst: Das Finanzamt prüft die Verhältnisse sehr genau. Einem Häuslebauer wurde dies jetzt zum Verhängnis. Weil die Vorplanung für das fragliche Objekt weit fortgeschritten war und der Bauunternehmer schon eine Preisliste samt Grundstückspreisen veröffentlicht hatte, forderte der Fiskus sowohl Grunderwerbsteuer für das Grundstück als auch für die Baukosten des Hauses. Die Behörde begründete ihre Entscheidung mit einem strukturierten Zusammenwirken von Grundstücksverkäufer und Bauunternehmer.

Fiskus prüft Bedingungen für Grunderwerbsteuer

Der Sachverhalt: Eine Baufirma hatte den Neubau von Reihenhäusern angeboten. Der Käufer handelte zunächst den Preis für das Grundstück mit der Grundstücksverkäuferin aus und erwarb das Bauland. Einen Tag davor schloss er aber auch den Bauvertrag mit der Baufirma ab. Im Verkaufsprospekt der Baufirma war das Reihenhaus dann bereits als „verkauft“ gekennzeichnet. Um dem Finanzamt den Wind aus den Segeln zu nehmen, wurde im Grundstücksvertrag vereinbart, dass es keinen rechtlichen Zusammenhang gebe zwischen dem Grundstückskauf und der beabsichtigten Baumaßnahme. Der Grundstückskäufer könne seinen Bauträger frei wählen. Allerdings enthielt der Vertrag bereits eine Skizze mit dem entsprechenden Bauabschnitt, welchen die Baufirma des Käufers später bebaute.

Das Finanzamt wollte es genau wissen und sendete einen Fragebogen an die Käufer. Diese gaben an, dass die Grundstücksverkäuferin das Bauland vor Abschluss des Grundstückskaufvertrages bereits der fraglichen Baufirma zur Bebauung angeboten hatte. Für das Finanzamt war damit der Fall klar: Grundstückskauf und Hausbau stehen in engem zeitlichen und vertraglichen Zusammenhang, also müsse der Käufer Grunderwerbsteuer für beide Verträge zahlen. Da sich der Käufer weigerte, zog das Finanzamt vor Gericht.

Käufer zahlt doppelte Grunderwerbsteuer

Das Finanzgericht München entschied zugunsten des Fiskus. Die Grunderwerbsteuer sei sowohl auf den Grundstückspreis als auch auf die Baukosten zu berechnen, da zwischen Kauf- und Bauvertrag ein objektiver sachlicher Zusammenhang bestehe (FG München, Urteil vom 23.7.2014, Az. 4 K 1039/2). Die Richter beriefen sich in ihrer Entscheidung auf Grundsätze aus der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH). Danach wird der objektive sachliche Zusammenhang besonders dann deutlich, wenn der Grundstückskäufer bereits bei Abschluss des Grundstücksvertrages nicht mehr frei über das "Ob" und "Wie" der Bebauung entscheiden könne. Die Richter verwiesen in diesem Zusammenhang darauf, dass der Abschluss des Bauvertrages bereits vor Genehmigung des Grundstückskaufvertrages erfolgte. Zudem habe der Grundstücksverkäufer dem Käufer vor Abschluss des Kaufvertrags in einer fast zur Baureife gediehenen Vorplanung ein bestimmtes Gebäude auf einem exakt bestimmten Grundstück zu einem beinahe feststehenden Preis angeboten und der Käufer habe diese Offerte praktisch unverändert angenommen.

Fazit: Wenn Sie Grunderwerbsteuer sparen möchten, dann sollten der Erwerb des Grundstücks und die spätere Baumaßnahme in keinem zeitlichen und vertraglichen Zusammenhang stehen. Prüfen Sie zudem vor Vertragsunterzeichnung, welche monatlichen Kosten Grundstückskauf und Hausbau verursachen. Wie viel Kreditrate eine bestimmte Finanzierungssumme verursacht, zeigt Ihnen unser Baufinanzierungsvergleich.

3
 
Anbieter
Monatliche Rate
effektiver
Jahreszins
 
1.
638,33
1,34%
2.
641,67
1,36%
3.
645,00
1,40%
Betrag 200.000 €, Laufzeit 15 Jahre, Beleihung60 %
Ihre Meinung ist uns wichtig
Max Geißler
Max Geißler
Redakteur
Jetzt Artikel bewerten
E-Mail an den Autor
Max Geißler
Max Geißler

nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

E-Mail an den Autor
Artikelbewertung
Drucken
Zur Startseite
Max Geißler
Max Geißler

nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

E-Mail an den Autor
Newsletter
Keine News mehr verpassen
Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein: