Immobilienblase in Deutschland?

Betongold Immobilienblase in Deutschland?

Horst Biallo
von Horst Biallo
07.11.2016
Auf einen Blick

Einige Branchenexperten warnen vor einer drohenden Immobilienblase in Deutschland. Dieser Ansicht widerspricht Thomas Hein, Leiter Partnervertrieb bei der ING-Diba.

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Zwar stiegen in den vergangenen Jahren die Kaufpreise sowie die Mieten stark an, aber die Verschuldung der Haushalte war im ersten Quartal 2015 im Vergleich zu 2000 sogar rückläufig.
Und er hatte zur Beruhigung des Publikums noch ein ganz wichtiges Argument parat: „Darüber hinaus folgen die Deutschen auch beim Hauskauf dem Vorsichtsprinzip: So stieg die anfängliche Tilgung 2016 auf fast drei Prozent und die Beleihung fällt bei durchschnittlichen Werten zwischen 64,1 und 80,6 Prozent sehr vernünftig aus.“

Noch keine Zinswende in Sicht

Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING-Diba, geht nicht davon aus, dass die Zinsen bald steigen werden: „Selbst wenn die amerikanische Notenbank demnächst den Leitzins wieder erhöht, stehen wir noch lange nicht vor einer großen Zinswende. Niedrige Inflation und schwaches Wachstum im Euroraum werden auch in den kommenden Jahren die Zinsen niedrig halten.“

Auch der bevorstehende Brexit führt zu Unsicherheit. Die Folge: Weniger Investitionen und Wachstum in Großbritannien, aber auch in der EU. Die EZB habe daher gar keinen Grund, die Zinsen steigen zu lassen, zumal die Inflation sehr niedrig bleiben wird.

Darüber hinaus sei die Geldpolitik bereits an ihre Grenzen gestoßen. „Je länger diese Niedrigzinspolitik anhält, desto deutlicher werden die negativen Folgen. Anstatt allerdings die Notenbanker zu verteufeln, sollte die Politik sich an die eigene Nase fassen und mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln das Wachstum ankurbeln“, so Brzeski.

„Die Niedrigzinspolitik ist auch für uns eine riesige Herausforderung,“ meinte Katharina Herrmann, Marketing-Vorstand bei der ING-Diba. Als Direktbank könne man diese jedoch aufgrund der günstigeren Kostenstruktur viel besser meistern als Filialbanken. Wegen der niedrigeren Kosten müsse man auch weniger verdienen. Die Baufinanzierung liefe nach dem letzten Rekordjahr „wieder fantastisch“. Auch der Girokontenbereich entwickle sich bestens, nachdem immer mehr Konkurrenten hier die Gebühren erhöht haben. Offenbar wirkt das neue Zahlungskontengesetz, das den Girokonto-Wechsel erleichert.

3
 
Anbieter
Monatliche Rate
effektiver
Jahreszins
 
1.
638,33
1,34%
2.
641,67
1,36%
3.
645,00
1,40%
Betrag 200.000 €, Laufzeit 15 Jahre, Beleihung60 %

Regulatorische Maßnahmen nehmen zu

Neben der bereits umgesetzten Wohnimmobilienkreditrichtlinie erwartet die Branche zukünftig weitere regulatorische Instrumente: „Es ist nur eine Frage der Zeit, wann der Gesetzgeber weitere Anforderungen einführt, etwa eine Obergrenze für das Verhältnis der Darlehenshöhe zum Immobilienwert. Aus Vorsichtsgründen sind Regulierungsmaßnahmen durchaus nachvollziehbar“, so Thomas Hein.

„Natürlich bleiben die detaillierten Ausführungsbestimmungen noch abzuwarten, aber für die ING-Diba erwarten wir keine grundlegenden Änderungen. Wir haben bereits heute die angedachten Maßnahmen in unserem Kreditentscheidungsprozess weitestgehend berücksichtigt.“

Trotz der aktuellen Herausforderungen entwickelt sich das Geschäft mit der Immobilienfinanzierung bei der ING-Diba sehr positiv. Das Bestandsvolumen von 51 Milliarden Euro in 2010 ist bis Ende 2015 auf nahezu 65 Milliarden Euro gewachsen. Im ersten Halbjahr 2016 summierte sich das Bestandsvolumen gar auf 65,9 Milliarden Euro. „Auch auf das Gesamtjahr gerechnet liegen wir voll im Plan. Unser Immobiliengeschäft floriert“, sagt Thomas Hein.

Biallo-Lesetipp:

Baukredite sind günstig wie nie. Clevere Kreditnehmer investieren die gesparten Zinsen direkt in eine höhere Tilgung. Dennoch gibt es große regionale Unterschiede bei der Anfangstilgung. Mehr hierzu erfahren Sie in unserem Artikel: "Baufinanzierung Münchner und Hamburger zahlen am längsten".

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