Immobilienboom treibt Nebenkosten Käufer brauchen mehr Eigenkapital

Immobilienboom treibt Nebenkosten Käufer brauchen mehr Eigenkapital

Max Geißler
von Max Geißler
23.09.2016
Auf einen Blick

Die Preise für Immobilien steigen und steigen. Der unschöne Nebeneffekt: Auch die Nebenkosten verteuern sich. Wie halten Immobilienkäufer dagegen?

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Erwerben Sie eine Immobilie, zahlen Sie nicht nur den Objektpreis. Zusätzlich fallen Steuern, Notarkosten, Gerichtskosten und Maklergebühren an. Experten des Baukreditvermittlers Interhyp haben errechnet, dass die Nebenkosten fast 16 Prozent des eigentlichen Immobilienpreises ausmachen können.

So verursacht die Grunderwerbsteuer je nach Bundesland bis zu 6,5 Prozent Zusatzkosten, die Notar- und Gerichtskosten betragen etwa zwei Prozent und die Maklergebühr bis zu sieben Prozent.

Das Problem: Die Nebenkosten sind keine Fixkosten, sondern errechnen sich prozentual zum Kaufpreis. Für Sie als Immobilienkäufer bedeutet das: Steigt der Kaufpreis, steigen auch die Nebenkosten. Damit wird das Eigenheim immer teurer.


Beispiel: Kostet eine Immobilie 300.000 Euro, fallen bei 15 Prozent Nebenkosten zusätzlich 45.000 Euro Gebühr an. Verteuert sich das Objekt um fünf Prozent, steigen die Nebenkosten ebenfalls um fünf Prozent, und zwar auf 47.250 Euro.

Bundesländer als Kostentreiber

Doch damit nicht genug. Als Immobilienkäufer müssen Sie zudem mit gierigen Bundesländern rechnen. Die Länder dürfen nämlich die Grunderwerbsteuer seit einigen Jahren selbst festlegen und machen in Form von ständigen Erhöhungen reichlich Gebrauch davon.

Lag die Grunderwerbsteuer früher bei bundeseinheitlich 3,5 Prozent, so haben die Länder in den vergangenen Jahren einen wahren Erhöhungswettlauf angezettelt. Inzwischen berechnen das Saarland, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg 6,5 Prozent Grunderwerbsteuer. Thüringen hat den Anstieg von fünf auf 6,5 Prozent ab 1. Januar 2017 bereits beschlossen, Baden-Württemberg hat die Erhöhung gerade verschoben. „Damit hat sich die Steuerbelastung beim Immobilienkauf für viele Erwerber fast verdoppelt“, kritisiert Interhypchef Michiel Goris. Nur Bayern und Sachsen haben auf Erhöhungen verzichtet. Dort liegt die Grunderwerbsteuer nach wie vor bei 3,5 Prozent.

Eigenkapital verliert an Gewicht

Ein Anstieg der Kaufnebenkosten wirkt sich doppelt negativ auf die Baufinanzierung aus: Erstens verbrauchen höhere Nebenkosten einen größeren Teil des angesparten Eigenkapitals, dadurch steigt der Kreditanteil an der Gesamtfinanzierung. Als Folge davon verschlechtert sich zweitens das Verhältnis von Fremd- zu Eigenkapital. Unter Umständen erreicht das Eigenkapital dann nicht mehr die 60-Prozent-Grenze, bis zu der Banken gewöhnlich zinsgünstige Baudarlehen vergeben. „Im schlimmsten Fall kann sich der Zinssatz für die Baufinanzierung verteuern“, warnt Goris.

Vier Maßnahmen gegen Eigenkapital-Schwund

Mit welchen Mitteln können Sie der Entwertung Ihres Eigenkapitals und damit höheren Kreditzinsen entgegentreten?
1. Schnell handeln: Wohnen Sie in einem Bundesland, das zum Jahreswechsel erneut die Grunderwerbsteuer anheben will, dann sollten Sie noch 2016 den Eigenheimkauf unter Dach und Fach bringen.
2. Immobilienpreis drücken: Verhandeln Sie mit dem Verkäufer, ob er nicht noch ein paar Tausend Euro vom Kaufpreis nachlassen kann. Rechnen Sie außerdem teure Einbauten wie Küchen, Bäder oder die Sauna im Keller aus dem Immobilienpreis heraus. Diese Einbauten kann man separat begleichen – das senkt den Immobilienpreis und damit die Nebenkosten.
3. Immobilie ohne Makler: Kaufen Sie eine Immobilie ohne Makler, zum Beispiel von Privat oder aus öffentlicher Hand. Lässt sich der Makler nicht vermeiden, sollten Sie über die Höhe der Provision verhandeln. Häufig lassen Makler mit sich reden. Oder Sie vereinbaren eine Aufteilung der Maklergebühr zwischen Verkäufer und Käufer.
4. Erhöhen Sie Ihr Eigenkapital: Fragen Sie ihre Eltern oder Angehörige, ob sie Ihnen Geld leihen. Können Sie das geborgte Kapital zinslos zurückzahlen, sparen Sie jede Menge Zinsen, die andernfalls im Rahmen Ihrer Baufinanzierung fällig sind.
 

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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

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