So erhöhen Sie Ihre Chancen auf einen Kredit

Neue Immobilienkreditrichtlinie So erhöhen Sie Ihre Chancen auf einen Kredit

Max Geißler
von Max Geißler
25.11.2016
Auf einen Blick

Für Senioren und junge Familien ist es bei vielen Banken schwieriger geworden, einen Immobilienkredit zu erhalten. Sie sollten sich optimal auf den Kreditantrag vorbereiten.

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Trotz schuldenfreiem Haus und einer Monatsrente von 750 Euro versagte die Bank einer 64-jährigen Frau aus dem Rheinland einen Kredit über 35.000 Euro für den altersgerechten Umbau ihres Eigenheims. Zur Begründung verwies die Bank auf das hohe Lebensalter der Frau. Vielen Kreditsuchenden ergeht es derzeit ähnlich. Schuld daran ist die neue Wohnimmobilienkreditrichtlinie, die seit dem Frühjahr in Kraft ist. Sie verlangt, dass bei der Kreditvergabe die individuelle Situation des Antragstellers im Fokus stehen muss und weniger vorhandene Immobilienwerte. Die Folge: Können ältere Kreditsuchende das Darlehen voraussichtlich nicht mehr zu Lebzeiten zurückzahlen, gehen sie leer aus. Neben Senioren sind auch junge Familien im Nachteil. Da Elternzeit und Erziehungspausen jetzt als Risiko bewertet werden, stehen sie der Kreditvergabe im Weg.

Viele Banken vergeben massiv weniger Kredite

Die Folgen sind gravierend. „Einzelne Sparda-Banken verzeichnen Rückgänge von bis zu 25 Prozent der Kreditzusagen“, berichtet Sparda-Chef Joachim Wuermeling. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband vermeldet für das erste Halbjahr 2016 einen Rückgang um neun Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Rheinisch-Westfälische Genossenschaftsverband (RWGV) beziffert das Minus bei seinen Mitgliedern sogar auf 15 Prozent. „Senioren werden regelrecht diskriminiert“, schimpft RWGV-Vorsitzender Ralf Barkey. Der Immobilienverband IVD bezweifelt sogar die Verfassungsmäßigkeit des Gesetzes, denn ältere Menschen würden klar benachteiligt. Inzwischen haben einige Bundesländer eine Initiative zur Reform der Richtlinie gestartet.

Bei manchen Anbietern keine Auswirkungen

Doch nicht alle Banken kritisieren die Kreditrichtlinie und vermelden einen Rückgang der Baukredite. „Wir genehmigen genauso viele Baudarlehen wie vor Inkrafttreten der Richtlinie“, sagt Thomas Hein, Baufinanzierungsmanager bei der ING-Diba. Es gebe keine Absage wegen des Gesetzes. „Wir haben schon immer weniger Gewicht auf vorhandene Sicherheiten wie den Immobilienwert gelegt als vielmehr auf stabile Einkommensverhältnisse und die langfristige Finanzierbarkeit.“ Auch die Deutsche Bank verzeichne kein Kredit-Minus, so eine Banksprecherin. Die Kunden würden stets mit Blick auf ihre Gesamtsituation beraten.

So können Verbraucher gegensteuern

Um die Finanzkraft eines Kreditnehmers herauszufinden, analysieren die Kreditinstitute dessen finanzielle Ausgangslage. Wackelt das Finanzkonzept, ist guter Rat teuer. ING-Diba-Experte Hein empfiehlt in diesem Fall, „das Eigenkapital aufzustocken“. Dazu kann man weitere Eigenmittel ansparen, seine Lebensversicherung beleihen oder Geld bei Verwandten borgen. Höheres Eigenkapital verringert den Darlehensbedarf und senkt die Kreditbelastung. Sinnvoll kann auch eine schnellere Tilgung sein. Das empfiehlt sich vor allem für ältere Darlehensnehmer, denn eine hohe Tilgungsquote verkürzt die Kreditlaufzeit. „Aufgrund der aktuellen Tiefzinsen sollten Immobilienkäufer in der Lage sein, mindestens drei Prozent Anfangstilgung zu leisten“, sagt Hein.

Schufa-Daten prüfen

Annabel Oelmann, Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen, rät Kreditnehmern „mindestens 20 bis 30 Prozent Eigenkapital in die Finanzierung einzubringen“. Im Zweifel könne man „die eigenen vier Wände eine Nummer kleiner wählen“. Dies erlaube eine geringere Kreditaufnahme. Außerdem sollte man vor dem Kreditantrag seine Schufa-Daten prüfen. Die bei der Schufa hinterlegten Informationen sind eine wichtige Basis für Banken, um die Kreditwürdigkeit eines Kunden einzuschätzen. „Jeder kann einmal im Jahr eine kostenlose Selbstauskunft einholen. Sind die Daten fehlerhaft, sollte man sie korrigieren lassen“, so die Verbraucherschützerin.

Typische Finanzierungsfehler

Auch unabhängig von den neuen gesetzlichen Regelungen sollten angehende Immobilienbesitzer typische Finanzierungsfehler vermeiden. So ist die Basis eines jeden Kredits ein ehrlicher Kassensturz: Welche Kreditrate können Sie langfristig Monat für Monat zahlen? Vergessen Sie nicht Versicherungsprämien, die nur einmal jährlich anfallen, und die Notfallreserve, zum Beispiel für eine Auto-Reparatur oder die neue Waschmaschine.

Auch für die Instandhaltung der Immobilie sind Rücklagen wichtig. Finanzexperten empfehlen zwei Euro pro Quadratmeter Wohnfläche monatlich anzusparen. Bei den aktuellen Minizinsen sollte man eine lange Zinsbindung von mindestens 15 Jahren wählen. Schließlich ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Hypothekenzinsen auf lange Sicht steigen werden.

Mein Tipp: Bei der Suche nach einem günstigen Kredit hilft unser Vergleich Baufinanzierung. Variieren Sie Zinsbindung, Anfangstilgung und Beleihungsquote, um ein für Ihre Ansprüche gutes Angebot zu finden.

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Max Geißler
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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

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