Baukredit mit variablen Zinsen Grundsätzlich preiswerter als Festzinsdarlehen?

Baukredit mit variablen Zinsen Grundsätzlich preiswerter als Festzinsdarlehen?

Max Geißler
von Max Geißler
10.06.2016
Auf einen Blick

Günstige Bauzinsen möglichst lange festschreiben – so lautet das Credo vieler Kreditvermittler. Doch die Rechnung geht nicht immer auf. Wann empfiehlt sich welcher Kredit?

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Festverzinsliche Baudarlehen kamen Hausbesitzern in den vergangenen Jahren teuer zu stehen. Der Grund: Die Kreditzinsen sind kontinuierlich gesunken, Kredite mit Festzinsen wurden so tendenziell immer teurer. Viele Kreditnehmer glaubten, sich mit festen Zinsen gegen steigende Kreditkosten abzusichern – doch diese Annahme war falsch.

Der gewünschte Schutz vor ungünstiger Zinsentwicklung kostete unterm Strich deutlich mehr als die alternative Finanzierung über variabel verzinste Kredite. Zu diesem Ergebnis kommt eine von der Kapitalschutzvereinigung für die mittelständische Wirtschaft e.V. in Auftrag gegebene Studie.
 

Baukredit mit Festzins bis zu 69 Prozent teurer

"Der Darlehensvergleich der vergangenen 25 Jahre zeigt, dass Kreditnehmer mit der Festzinsvereinbarung beträchtlich höhere Kosten hatten, als wenn der Zinssatz variabel an die jeweils aktuelle Marktentwicklung gebunden gewesen wäre", sagt Helmut-Joachim König, Geschäftsführer der Kapitalschutzvereinigung der mittelständischen Wirtschaft. Die Entscheidung der meisten Immobilienkäufer, ihr Haus oder ihre Wohnung per Festzins zu finanzieren, machte wirtschaftlich nur selten Sinn.

Die bei fixiertem Zinssatz zwischen 1991 und 2016 entstandenen Mehrkosten sind beträchtlich: Sie belaufen sich für ein Festzinsdarlehen mit 15-jähriger Zinsbindung in der Spitze auf rund 69 Prozent der finanzierten Summe. Bei den auf zehn Jahre festgeschriebenen Baukrediten beträgt der Mehraufwand an Zinskosten bis zu 44 Prozent. "Lediglich die fünfjährige Zinsbindung ermöglichte in fünf Fällen, dass Kreditnehmer damit besser abschnitten. Im Vergleich zur variablen Verzinsung des Baudarlehens betrug der Vorteil maximal 1,25 Prozent des finanzierten Betrags", so König.
 

Kein Persilschein für variable Baufinanzierung

"Die variable Verzinsung hat sich im Vergleich zum Baukredit mit Festzins als das günstigere Angebot erwiesen", betont König. Diese Aussage sollte man allerdings nicht pauschalisieren. Sie gilt nur für den untersuchten Zeitraum. Das bessere Abschneiden variabler Baukredite in den vergangenen 25 Jahren sollte nicht zur generellen Ablehnung von Baufinanzierungen mit fester Zinsbindung führen.

Grund: Variable Baufinanzierungen hatten nur deswegen die Nase vorn, weil das Zinsniveau kontinuierlich gesunken ist, und zwar von gut acht Prozent Anfang der neunziger Jahre auf rund 1,3 Prozent heute, siehe Biallo-Baugeldindex. Die Kosten variabler Baufinanzierungen sind dadurch stetig nach unten gegangen während Baukredite mit fester Zinsdingung tendenziell gleich teuer blieben.

Mein Tipp: In der aktuellen Tiefzinsphase sollten Sie nicht davon ausgehen, dass die Kreditzinsen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weiter stetig absinken. Rein theoretisch ist das zwar möglich, aber viel Luft nach unten ist nicht mehr. Wenn Sie heute eine Baufinanzierung abschließen, sollten Sie das historische Zinstief nutzen und die Zinsen langfristig festschreiben.

Grund: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Zinsen langfristig steigen ist deutlich größer als dass sie weiter absinken. Variable Baufinanzierungen werden sich dann stetig verteuern während Festzinsdarlehen gleichbleibend günstig sind. Falls Sie dennoch auf weiter sinkende Zinsen spekulieren, dann sollten Sie ein variables Baudarlehen mit Zins-Cap vereinbaren.

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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

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