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11.07.2016 10:08

Wohnungssuche, Selbstauskunft Was ich meinem Vermieter verraten muss

von Horst Peter Wickel Autor
Vermieter wollen von neuen Mietern viel wissen. Welche Fragen Sie dabei – ehrlich oder nicht so ehrlich - beantworten müssen, erfahren Sie hier:
Wohnungssuche, Selbstauskunft Was ich meinem Vermieter verraten muss
Ehrlich währt am längsten! Aber unzulässige Fragen brauchen Mieter nicht beantworten.
Bezahlbare Wohnungen sind in deutschen Metropolen knapp geworden. Wenn Sie eine neue Wohnung suchen, verlangen Vermieter Antworten auf viele Fragen. Und irgendwie können Sie als Mieter wohl dabei jeden Vermieter verstehen. Selbstverständlich ist es ihr gutes Recht, zu wissen, wem sie ihre Immobilie, und damit ihr Vermögen, zur Nutzung überlassen. Eine rechtliche Verpflichtung, eine Selbstauskunft-Vorlage auszufüllen, gibt es zwar nicht, aber Vermieter sind auch nicht verpflichtet, Ihnen die Wohnung zu vermieten, wenn Sie eine Selbstauskunft ablehnen.

Dabei stehen natürlich Fragen nach familiären und wirtschaftlichen Belangen im Mittelpunkt. Günther Geiler, Geschäftsführer des Deutschen Mieterbunds Nürnberg und Umgebung, sagt: "Solange es sich um zulässige Fragen handelt, insbesondere also Fragen nach Einkommen oder Zahl der einziehenden Familienmitglieder, muss man korrekt antworten." Ein Mieter, der seine Zahlungskraft getäuscht hat und in Mietrückstand gerät, müsse damit rechnen, dass sein Mietvertrag wegen dieser Falschauskunft gekündigt werden kann.

Bonitätsauskünfte erst vor der Unterschrift

"Bonitätsauskünfte bei einer Auskunftsdatei wie der Schufa und Creditreform darf der Vermieter aber erst einholen, wenn der Abschluss des Mietvertrages nur noch vom positiven Ergebnis einer Bonitätsprüfung abhängt und wenn der angehende Mieter einer solchen Anfrage zugestimmt hat", erklären Datenschutzbeauftragte. Eine solche Bonitätsauskunft bei der Schufa können vom potenziellen Mieter selbstverständlich auch bereits vorher (zum Preis von rund 25 Euro) bestellt werden.

Auch Fragen zu alten Mietschulden, zu Insolvenzverfahren und Gehaltspfändungen müssen Sie ehrlich beantworten, wenn Sie eine neue Wohnung anmieten wollen. Zulässig ist auch, wenn der Vermieter nach Haustieren fragt – zumindest dann, wenn er deren Haltung untersagen kann, also in der Regel Hund und Katze. Kleintiere wie Kaninchen, Hamster oder Vögel muss der Mieter also nicht angeben.

Welche Fragen nicht erlaubt sind

Viele Vermieter und Makler geben sich mit diesen erlaubten Basis-Fragen nicht zufrieden. Gerhard Frieser, Rechtsanwalt bei Haus & Grund Nürnberg, bestätigt, dass vor dem Abschluss eines Mietvertrages vom Vermieter "oft Dinge beim Mieter abgefragt werden, die nicht unbedingt im Zusammenhang mit dem Mietverhältnis stehen und deswegen von der Rechtsprechung auch als unzulässige Fragen gewertet werden."

Dazu gehören beispielsweise Fragen zur Familienplanung, zur sexuellen Orientierung, zur Religionszugehörigkeit oder zum Bestehen einer Schwangerschaft.“ Solche Fragen können nach dem "Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz" als Indizien für eine Diskriminierung angesehen werden. Im schlimmsten Fall kann der Vermieter dann sogar schadenersatzpflichtig werden. Auf ehrliche, korrekte Antworten können und dürfen sich neugierige Vermieter ohnehin nicht verlassen, denn bei Fragen, die über Einkommen und Arbeitsplatz hinausgehen, kann der Mieter durchaus lügen.

Manche Fragen im Grenzbereich zum Privaten sind allerdings umstritten und beschäftigen immer wieder die Gerichte. Dazu gehört etwa die Frage nach dem Familienstand – vor einigen Jahren noch eine Selbstverständlichkeit. Rechtsexperten neigen jedoch immer mehr dazu, die Information, ob jemand ledig oder verheiratet ist, als Privatsache und die Frage danach als unzulässig anzusehen.

Widersprüchliche Gerichtsurteile gibt es auch zu der Frage, ob Interessenten bei Fragen zu ihrem vorherigen Mietverhältnis wahrheitsgemäße Angaben machen müssen, also zum Beispiel, wer das Mietverhältnis gekündigt hat.

Marktbeobachter sind sich einig, dass der Druck auf Wohnungssuchende, möglichst früh möglichst viele Daten von sich preiszugeben, weiter wächst. Je mehr Menschen in die Städte ziehen und je weniger bezahlbaren Wohnraum es dort gibt, desto größer wird die Konkurrenz unter den Suchenden. Und wer wird beim Kampf um die Wohnung seiner Träume dem Vermieter nicht gleich demonstrieren wollen, wie nett, solvent und zugänglich er ist?
Lese-Tipp: Verweigert die Bank Ihnen den Kredit, kann dies an falschen Schufa-Einträgen liegen. Wenn Sie Ihre Einträge von Zeit zu Zeit selbst kontrollieren, erhöhen Sie die Kreditchancen und verbessern Ihre Bonität.
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