Schmerzen allein reichen nicht aus

Berufsunfähigkeit Schmerzen allein reichen nicht aus

Sebastian Schick
von Sebastian Schick
23.11.2016
Auf einen Blick
  • Versicherte müssen Art und Herkunft der Schmerzen objektiv nachweisen.
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Mehr als drei Millionen Schmerzpatienten gibt es in Deutschland, Tendenz steigend. Volkskrankheit Nummer eins sind Rückenschmerzen. Keine andere Krankheit verursacht so viele Fehltage bei Arbeitnehmern wie das Leid mit dem Kreuz. Wird der Schmerz chronisch, droht oft der Arbeitsplatzverlust, da sich die Patienten nicht mehr in der Lage sehen, ihren Beruf auszuüben. Glücklich kann sich schätzen, wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) hat. Sollte man jedenfalls meinen.
 

Leistungsverweigerung trotz ärztlichen Attests

Dass ein ärztliches Attest oft nicht ausreicht, um Leistungen aus der BU-Versicherung zu erhalten, zeigt ein Urteil des Oberlandesgerichts Karlsruhe (Urteil vom 06.09.2016, Az. 12 U 79/16). Konkret geht es um einen Fahrer und Lageristen, bei dem starke Schulter- und Rückenschmerzen auftraten. Der behandelnde Orthopäde attestierte dem Patienten, dass dieser seinen Beruf nicht mehr ausüben könne. Daraufhin wurde dem Arbeitnehmer aus gesundheitlichen Gründen gekündigt. Als der Versicherte entsprechende Leistungen bei seiner Berufsunfähigkeitsversicherung geltend machen wollte, wurde ihm die finanzielle Unterstützung versagt. Dagegen hatte der Versicherte geklagt. Die Klage wurde in erster und zweiter Instanz abgewiesen.


Versicherte müssen Schmerzen objektiv nachweisen

Die Richter des OLG Karlsruhe begründeten ihr Urteil so: Der Kläger habe den ihm obliegenden Beweis für das Vorliegen bedingungsgemäßer Berufsunfähigkeit nicht geführt. Bedeutet nichts anderes: Der Kläger hätte beweisen müssen, dass er durch seine Schmerzen seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Das ist ihm aber nicht gelungen.

Zwar räumten die Richter ein, dass grundsätzlich auch Anspruch auf eine BU-Rente besteht, wenn sich die Ursache der Schmerzen nicht klären lässt. Allerdings hätte es dann einer dauerhaft ungünstigen Prognose bedurft. Zudem hätte der Kläger sechs Monate fortlaufend arbeitsunfähig geschrieben sein müssen, um die Prognose zu bekräftigen.


Zwei Möglichkeiten bei Berufsunfähigkeit wegen Schmerzen

Schmerzen ohne klare Ursache sind generell schwer nachzuweisen, zumal das Ausmaß der Schmerzen ja auch immer subjektiv empfunden wird. Der Versicherte wäre bei seiner Klage mit diesen zwei Varianten wohl besser gefahren: Einerseits sollte ihm der behandelnde Arzt körperliche Ursachen für die Schmerzen attestieren. Andererseits hätte der Patient auch einen psychischen oder psychosomatischen Befund als Ursache für seine Schmerzen vorlegen können.

Haben Sie einen ähnlichen Fall auch schon erlebt, dass Ihnen Leistungen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung verweigert wurden? Dann schreiben Sie uns doch unter redaktion@biallo.de oder nutzen direkt unsere Kommentarfunktion.

 

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nach seinem Studium für das Lehramt an Gymnasien mit der Fächerkombination Deutsch/Latein/Geschichte in Würzburg und Berlin entschied sich Sebastian Schick für den Journalismus. 2005 absolvierte er die Ausbildung zum Rundfunkjournalisten an der Akademie für Neue Medien in Kulmbach.

Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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