Berufsunfähigkeit Wie hoch muss die Rente eigentlich sein?

Berufsunfähigkeit Wie hoch muss die Rente eigentlich sein?

von Klaus Winter
08.10.2013
Auf einen Blick

Wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen möchte, der muss sich Gedanken über die Rentenhöhe machen. Was Sie beachten sollten.

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Kein einfaches Unterfangen, denn eine zu niedrige Rente reicht vielleicht nicht im Ernstfall – eine zu hohe ist vielleicht nicht bezahlbar. „In der Regel können zwei Drittel bis drei Viertel des Nettogehalts abgesichert werden“, so Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Und in dieser Höhe ist eine Absicherung auch empfehlenswert. Denn auch bei einer Berufsunfähigkeit bleiben die Ausgaben für Miete, Nebenkosten oder Auto und Lebensmittel weitestgehend gleich hoch: Dazu kommt, dass auch und gerade bei einer Berufsunfähigkeit die private Altersvorsorge weiter bedient werden sollte, denn die gesetzlichen Rentenansprüche sinken auch, wenn mangels Einkommen keine Beiträge mehr abgeführt werden.

Schutz langsam auf- und ausbauen

Eine Wunschrente lässt sich oft nicht finanzieren, weil sie zu teuer ist. Für diesen Fall sollte die Höhe der Berufsunfähigkeitsversicherung erst einmal etwas kleiner gewählt werden. „Der Vertrag sollte dann aber mit einer Nachversicherungsgarantie und einer Beitragsdynamik versehen sein, damit die Rente bei einem steigenden Einkommen an den eigentlichen Bedarf angepasst werden kann“, erklärt Martina Faßbender von der Gothaer. Bei einer Beitragsdynamik steigt die versicherte Rente jedes Jahr automatisch, bei einer Nachversicherungsgarantie kann die Rente auf einen Schlag deutlich erhöht werden, wenn man zum Beispiel heiratet oder Nachwuchs erwartet.

Tipp: Einige Versicherer lassen eine Erhöhung sogar ganz ohne Anlass zu. In allen Fällen aber ist entscheidend, dass die Erhöhungen ohne erneute Gesundheitsprüfung stattfinden.

Was ist im Ernstfall?

Die Nachversicherungsgarantien und die Beitragsdynamik sind aber wirkungslos, wenn erst einmal eine Berufsunfähigkeit festgestellt wurde – denn dann enden die beiden Optionen. „Für diesen Fall sollte eine Leistungsdynamik vereinbart werden“, erklärt Martina Faßbender. Damit steigt die Höhe einer einmal vereinbarten Berufsunfähigkeitsversicherung während des Rentenbezugs. Das ist vor allem dann eine wichtige Option, wenn der Versicherte in jungen Jahren dauerhaft invalide wird. Denn so wird die Rente über Jahre und Jahrzehnte jährlich angepasst!


Mini-Rente ist wirkungslos

Eine zu niedrig gewählte Berufsunfähigkeitsrente wird im Ernstfall eher zum Ärgernis. Nicht nur, dass sie kaum zum Leben reicht – sie verhindert auch staatliche Ansprüche. Denn Leistungen aus einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung werden auf staatliche Leistungen wie Hartz IV angerechnet – sie entlasten damit also vor allem den Staat. Die Rente bei Berufsunfähigkeit sollte also auf jeden Fall deutlich über dem Absicherungsniveau der Sozialkassen liegen, damit sie im Ernstfall wirklich für ein Leben oberhalb des Sozialhilfeniveaus sorgt.
 

Rente ausreichend, Beitrag zu hoch – was tun?

Auch diesen Fall gibt es: Sie haben eine ausreichende Berufsunfähigkeitsrente versichert, können den Beitrag aber vorübergehend nicht zahlen, weil sie weniger verdienen. Eine niedrigere Rente lässt sich oft mit dem Versicherer nicht vereinbaren, kündigen sollte man den Vertrag aber keinesfalls, wie Expertin Oelmann erklärt: „Bei vorübergehenden Zahlungsschwierigkeiten besteht die Möglichkeit, den Vertrag ruhend zu stellen. Im Notfall ist häufig auch eine Stundung der Beiträge möglich.“

Tipp: Kündigen sollte man den Vertrag niemals, denn es ist ungewiss, ob Sie ihn zu den aktuellen Konditionen noch einmal abschließen können.

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