Berufsunfähigkeitsversicherung bei Finanztest Test nicht bestanden!

Berufsunfähigkeitsversicherung bei Finanztest Test nicht bestanden!

Oliver Mest
von Oliver Mest
30.07.2015
Auf einen Blick

Die Stiftung Warentest gilt als die Instanz in Sachen Verbraucherschutz – und hat jetzt - wieder einmal - Berufsunfähigkeitsversicherungen getestet. Beim letzten Test hagelte es Kritik am Test der Stiftung Warentest - gelernt hat sie daraus offensichtlich nichts.

Artikelbewertung
Schrift

Kritikpunkt 1: Zu wenige Kriterien im Test

Die Tester haben bei der Untersuchung von Berufsunfähigkeitsversicherungen gerade einmal 12 Kriterien getestet - dabei unter anderem Selbstverständlichkeiten wie den Verzicht auf die abstrakte Verweisung oder die Option, eine garantierte Dynamik der Rente im Leistungsfall zu vereinbaren. Damit Sie mal eine Dimension der Oberflächlichkeit bekommen: Bei einer leistungsstarken Analyse durch einen kompetenten Versicherungsmakler fließen bis zu 50 Leistungsmerkmale in die Analyse ein, außerdem Bewertungsfaktoren der Versicherer wie die Leistungs- oder Prozessquote – und gerade einmal ein Viertel davon berücksichtigt Finanztest und kürt daraufhin Testsieger.

Kritikpunkt 2: Kriterien getestet – aber nicht verstanden

Die Stiftung Warentest ist der Meinung, dass der Verzicht auf eine abstrakte Verweisung wichtig ist. Das wissen auch die Versicherer und werden auf die Frage nach der abstrakten Verweisung antworten, dass die nicht möglich sei. Nun ist abstrakte Verweisung aber nicht immer gleich abstrakte Verweisung: Nach einem mehrjährigen Ausscheiden aus dem Job kann es nämlich durchaus zu Überraschungen kommen, wenn Versicherer, die laut Stiftung Warentest zu den besten Anbietern gehören, dann auf einmal doch eine abstrakte Verweisung in den Bedingungen stehen haben.

Kritikpunkt 3: Keine Relevanz-Kriterien

Ein BU-Vertrag steckt voller Regelungen – aber nicht alle sind in der Praxis gleichbedeutend. Der Test von Stiftung Warentest verrät aber leider nicht einmal, wie die wenigen Kriterien im Verhältnis zueinander gewichtet sind. Ist eine möglicherweise befristete Anerkenntnis bei Berufsunfähigkeit genauso relevant wie der Verzicht auf eine abstrakte Verweisung? Oder ist die Sechs-Monats-Prognose im Verhältnis zur garantierten Dynamik im Leistungsfall gleich bewertet? Kein Wort findet sich darüber bei der Stiftung Warentest. Und das entwertet den Test noch einmal nachhaltig wegen Intransparenz.

Kritikpunkt 4: Abfragen statt Testen

Es gibt heute moderne Software, mit der sich auch Berufsunfähigkeitsversicherungen analysieren lassen. Es gibt Experten, die das als alltägliches Handwerk aus dem Eff-Eff beherrschen. Die Stiftung Warentest aber hält es für ausreichend, einfach alle Versicherer aufzufordern, mal eben die günstigste Berufsunfähigkeitsversicherung für die genannten drei Modellfälle rauszusuchen. Aber die Frage ist ja auch: Bietet der Versicherer den Tarif in der Praxis überhaupt an? Ist es möglich, ein entsprechendes Angebot für den einen oder anderen Tarif überhaupt zu bekommen? Darüber schweigt sich Finanztest aus – der Praxisbezug des Tests ist damit gleich Null.

Kritikpunkt 5: Der Preis als Rating-Kriterium

Immer wieder suggerieren die Tests der Berliner, dass der Preis der Berufsunfähigkeitsversicherung eines der Hauptkriterien sei. So heißt es im Heft: „Wählen Sie aus der Tabelle … unter den sehr guten Angeboten die preisgünstigsten aus“. Hier muss man ganz klar sagen: Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist schon etwas anderes als eine Eismaschine. Die mag man durchaus nach dem Preis aussuchen können, aber ein solcher Ratschlag bei einer BU ist schon mehr als fahrlässig: Zum einen kann der Preis für drei Modellkunden bei Hunderten von Berufsbildern kaum ein sinnvolles Entscheidungskriterium sein – zum anderen aber kann ein günstiger Preis niemals ein schlechtes Bedingungswerk und damit einen mangelhaften Schutz einer Berufsunfähigkeitsversicherung ausgleichen. Wer auch nur einen Wink in diese Richtung gibt, der hat am Thema vorbei getestet.

Kritikpunkt 6: Die Antragsfragen

Immerhin zu 25 Prozent fließt die Bewertung der Antragsfragen in das Gesamturteil ein. Grundlage der Bewertung sind dabei die Formulierungen der Fragen im Antragsformular. Und genau da liegt die Gefahr: Ein unbedarfter Kunde wird die Fragen für maßgeblich halten, machen sie doch immerhin 25 Prozent des Testergebnisses aus. Tatsächlich aber werden in aller Regel bei Vorerkrankungen die Ärzte befragt. Und was in deren Unterlagen steht, kann schnell zum Boomerang werden, wenn das, was der Kunde für eine Erkältung hält, beim Arzt als Asthma Bronchiale hinterlegt ist. Mit einem Testurteil für die vermeintlich „sehr guten“ Antragsfragen wird der Kunde hier in einer Sicherheit gewogen, die er niemals haben wird. Eine Risikovoranfrage mit einer exakten Aufbereitung der Krankengeschichte durch den Kunden und einen Berater ist immer das einzige, was bei gesundheitlichen Vorgeschichten helfen kann. Daneben ist natürlich schleierhaft, warum Finanztest lediglich Gesundheitsfragen mit einbezieht: Fragen zum Hobby und zur Freizeit sind bei bestimmten Antragstellern viel größere Hürden und führen zur Ablehnung oder zu horrenden Risikozuschlägen.

Unser Fazit: Der Text der Berufsunfähigkeitsversicherung von Finanztest ist oberflächlich, hat in vielen Bereichen überhaupt keine Aussagekraft, verschweigt wesentliche Punkte, die praxisrelevant sind und liefert damit nicht einmal einen Anhaltspunkt für eine fundierte Entscheidung von Verbrauchern. Dieser Test hat den Test nicht bestanden!

3
Berechnungsgrundlage/Modellfall: 
Ihre Meinung ist uns wichtig
Oliver Mest
Oliver Mest
Redakteur
Jetzt Artikel bewerten
E-Mail an den Autor
Artikelbewertung
Drucken
Zur Startseite
Newsletter
Keine News mehr verpassen
Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein: