Berufsunfähigkeit Riskante Vertragsklauseln vorher kennen

Fritz Himmel
von Fritz Himmel
26.04.2015
Auf einen Blick

Verträge einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) sind voller komplizierter Klauseln. Manche haben im Ernstfall für Versicherte gefährliche Auswirkungen.

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Neben den notwendigen vertraglichen Mindestanforderungen für einen guten Berufsunfähigkeitsschutz gibt es dort auch einige mehr oder weniger versteckte leistungseinschränkende Klauseln. „Ganz entscheidend sind bei diesem Versicherungsschutz die Bedingungen, denn die Auszahlung der Rente im Ernstfall ist meist an viele Vorgaben gekoppelt“, warnt daher Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Folgendes sollte nicht im Vertrag einer Berufsunfähigkeitsversicherung stehen:

Gefährliche Klauseln in der Berufsunfähigkeitsversicherung

Abstrakte Verweisung: Verbraucherschützer raten, Verträge mit einer solchen Klausel strikt zu meiden. Achten Sie darauf! Hinter diesem nicht leicht verständlichen Begriff verbirgt sich, dass ein Versicherer den betroffenen Versicherungsnehmer “abstrakt”, also ohne Bezug auf einen speziellen Beruf, auf eine andere zumutbare Tätigkeit verweisen darf. Im Klartext: Fehlt dieser Verzicht im Vertrag einer Berufsunfähigkeitsversicherung, so kann der Versicherer eine Rentenzahlung verweigern, wenn der Betroffene zwar berufsunfähig wird, aber noch in einem anderen Beruf arbeiten könnte. Dabei spielt es keine Rolle, ob dieser in dem Verweisungsberuf jemals einen Job bekommen würde – allein die abstrakte Möglichkeit genügt. Einige Versicherer haben solche Klauseln noch in ihren Verträgen, sogar zum Teil gerade bei aktuellen Einsteiger-, Basis- oder Billig-Tarifen. „In einem guten BU-Tarif sollte daher die abstrakte Verweisung ausdrücklich ausgeschlossen sein. Der Versicherer zahlt dann in jedem Fall bei mindestens 50-prozentiger Berufsunfähigkeit“, sagt Bianca Boss.

Arztanordnungs-Klausel

Sie gibt dem Versicherer das Recht, den Versicherten zur Durchführung einer ärztlichen Behandlung oder Therapie zu verpflichten. Oft wird dann auch noch der Arzt vorgeschrieben, Sie haben dann keine freie Arztwahl mehr. Die Klausel beinhaltet meist auch schwammige Formulierungen. So ist in Vertragsbedingungen von "zumutbaren" Behandlungen die Rede. Doch was hält der Versicherer für zumutbar, wenn er nicht leisten will? Faire Tarife verzichten auf die Arztanordnungsklausel bzw. haben zumutbare Anweisungen.

Prognose-Zeitraum

Voraussetzung für Leistungen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung ist die ärztliche Prognose. Einige Versicherer geben Prognose-Zeiträume „bis zu drei Jahre“ bzw. „voraussichtlich dauernd“ vor. Aus Sicht des Versicherten ist jedoch ein kurzer Prognose-Zeitraum von Vorteil, also seien Sie vorsichtig bei langen Zeitangaben bzw. diffusen Begriffen. „Der in den Versicherungsbedingungen festgelegte Prognose-Zeitraum bestimmt, für welchen Zeitraum eine Berufsunfähigkeit ärztlich prognostiziert werden muss, damit der Versicherer leisten muss“, sagt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. In guten Verträgen erkennt die Versicherung eine Berufsunfähigkeit bereits an, wenn sie ein Arzt für „voraussichtlich sechs Monate“ prognostiziert.

Top-Anbieter mit „guten“ Klauseln aussuchen

Die meisten Versicherer haben Tarife mit unterschiedlicher Qualität im Angebot. Prüfen Sie hier ganz genau und sorgfältig. Selbst Top-Anbieter wie Asstel die Hannoversche, Canada Life, Europa oder die Gothaer bieten neben ihren ausgezeichneten und empfehlenswerten Tarifen manchmal auch „abgespeckte“ Varianten ihrer Berufsunfähigkeitsversicherungen, die Sie dann nicht verwechseln sollten.

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nach dem Sprachstudium (Indologie/Anglistik) in München ging ich zuerst in die Filmbranche zu Warner Columbia und arbeitete anschließend viele Jahre als Werbeleiter in einem Fachbuchverlag in München.

Seit Gründung 1997 bin ich Mitglied bei Biallo & Team. Für das Finanzportal biallo.de bearbeite ich schwerpunktmäßig die Bereiche Telekommunikation, Altersvorsorge und Versicherungen sowie Erbrecht. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschien das Biallo-Buch „Das neue Pflichtteilsrecht“.

Darüber hinaus in dieser Zeit regelmäßige Veröffentlichungen zu Wirtschafts- und Verbraucherthemen in rund 20 Tageszeitungen, u.a. Welt am Sonntag, Münchner Merkur, Kölner Stadtanzeiger, Frankfurter Neue Presse, Westdeutsche Zeitung, Südkurier, Schwäbische Zeitung etc.

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Darüber hinaus in dieser Zeit regelmäßige Veröffentlichungen zu Wirtschafts- und Verbraucherthemen in rund 20 Tageszeitungen, u.a. Welt am Sonntag, Münchner Merkur, Kölner Stadtanzeiger, Frankfurter Neue Presse, Westdeutsche Zeitung, Südkurier, Schwäbische Zeitung etc.

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