Krankenkassen-Skandal "Ein Pulverfass für alle Versicherten"

Krankenkassen-Skandal "Ein Pulverfass für alle Versicherten"

Sebastian Schick
von Sebastian Schick
23.10.2016
Auf einen Blick

Krankenkassen üben massiven Druck auf Ärzte aus: Diese sollen Patienten kränker erscheinen lassen als sie sind. Für Versicherte könnte es dick kommen.

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Der Mann nimmt kein Blatt vor den Mund: Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse, räumte jüngst in einem Interview mit der ‘Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung‘ ein, dass die gesetzlichen Krankenkassen die Ärzte dazu drängen, möglichst schlimme Diagnosen auszustellen. Denn für schwerwiegendere Diagnosen bekommen die Krankenkassen mehr Geld aus dem Gesundheitsfonds.

Wertlose Policen

"Das ist ein Riesenskandal und ein Pulverfass für alle Versicherten“, sagt Rita Reichard von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen im Gespräch mit biallo.de. "Es betrifft alle Versicherungsnehmer, die bei Abschluss ihres Vertrages Gesundheitsfragen beantworten mussten - egal ob Berufsunfähigkeitsversicherung, Risikolebensversicherung oder private Krankenversicherung.“ Die Police ist womöglich nicht mal das Papier wert, die Beiträge wären dann umsonst gezahlt.

Beweislast liegt beim Versicherungsnehmer

Schließen Sie zum Beispiel eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit 25 Jahren mit bestem Gewissen ab und werden nach zehn Jahren berufsunfähig, überprüft der Versicherer den Leistungsantrag und lässt sich die Krankenakte herausgeben. Stellt sich heraus, dass Sie bei Vertragsabschluss falsche Angaben gemacht haben - dass etwa hinter den chronischen Kopfschmerzen eine Depression steckt oder die Rückenschmerzen als Bandscheibenvorfall diagnostiziert wurden -, dann wird Ihnen Vorsatz unterstellt. "Das zu beweisen, dass Sie das nicht wussten, ist praktisch unmöglich", so Reichard. "Schlimmstenfalls kann der Versicherer den Vertrag wegen Arglist anfechten oder zurücktreten. Sie haben die jahrelangen Beiträge dann umsonst bezahlt." Außerdem sei es dann nicht mehr einfach, einen neuen Vertrag bei einem anderen Versicherer abzuschließen.

Vergleichen erspart viel Ärger

Der Rat der Verbraucherschützerin: Versicherungsnehmer sollten sich bei Vertragsabschluss unbedingt die Krankenakte aushändigen lassen und vergleichen, ob die Angaben korrekt sind. Alternativ können gesetzlich Versicherte bei ihrer Krankenkasse auch eine sogenannte Patientenquittung anfordern, welche die Leistungen und Kosten ihres Arztes in den zurückliegenden 18 Monaten genau dokumentiert.

Unser Tipp

Haben Sie einen ähnlichen Fall auch schon erlebt, dass Ihnen die Diagnose Ihres Arztes spanisch vorkommt? Dann schreiben Sie uns unter redaktion@biallo.de oder nutzen Sie die unten angefügte Kommentarfunktion.

 

Biallo-Lesetipp

Verzweiflung, innere Leere, Stress und Mobbing – streikt die Psyche, ist schnell der Arbeitsplatz und damit die Existenz bedroht. Mehr dazu in unserem Beitrag: "Berufsunfähigkeitsversicherung: Wenn die Seele erkrankt"

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nach seinem Studium für das Lehramt an Gymnasien mit der Fächerkombination Deutsch/Latein/Geschichte in Würzburg und Berlin entschied sich Sebastian Schick für den Journalismus. 2005 absolvierte er die Ausbildung zum Rundfunkjournalisten an der Akademie für Neue Medien in Kulmbach.

Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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