Schulunfähigkeitsversicherung Ein Muss für Eltern?

von Klaus Winter
29.04.2013
Auf einen Blick

Auch Kinder können schwer krank werden oder durch einen Unfall lebenslang auf finanzielle Unterstützung angewiesen sein. Für diesen Fall gibt es Schulunfähigkeitsversicherungen. Was taugen die Policen?

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Schulunfähigkeitsversicherungen zahlen eine lebenslange monatliche Rente, wenn das versicherte Kind mindestens sechs Monate nicht in der Lage ist, die Schule zu besuchen. Ein Beispiel: Bei der Nürnberger kosten 1.000 Euro Rente für einen Fünfjährigen 34 Euro im Monat – die Rente wird bis zum 67. Lebensjahr gezahlt.
 

Schulunfähigkeit – ist das realistisch?

Das Problem: Viele Kinder gehen trotz Krankheit oder sogar einer schweren Behinderung weiter zur Schule, wie Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale NRW weiß: „So kann ein Kind, das im Rollstuhl sitzt, am Unterricht teilnehmen und damit keine Versicherungsleistung in Form einer Rente in Anspruch nehmen.“ Die Versicherung wird also nur in wirklich schweren Fällen zum Tragen kommen, bei denen der Schulbesuch ausgeschlossen ist. Gerade diese besonders schweren Fälle aber sind oft später im Leben nicht in der Lage, eine Ausbildung zu absolvieren, einen Beruf auszuüben und sich selbstständig finanziell zu unterhalten: Und gerade deshalb sind sie auf die Rente aus der Schulunfähigkeitsversicherung besonders angewiesen.

Erster Schritt zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Nach Ende der Schullaufbahn kann eine Schulunfähigkeitsversicherung oft in eine reguläre Berufsunfähigkeitsversicherung umgetauscht werden – und zwar ohne erneute Gesundheitsprüfung. Ein echter Pluspunkt, wie Verbraucherschützerin Oelmann weiß: „Aufgrund von Vorerkrankungen erhalten nicht alle Verbraucher eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Daher ist es grundsätzlich ein Pluspunkt, eine Schulunfähigkeitsversicherung später ohne erneute Gesundheitsprüfung in eine Berufsunfähigkeitsversicherung umwandeln zu können.“

Tipp: Achten Sie darauf, dass die Höhe der Berufsunfähigkeitsversicherung später mit einer Dynamik oder Nachversicherungsgarantie angepasst werden kann.

Invaliditätsschutz ein Muss

Grundsätzlich sollten Eltern ihre Kinder gegen die finanziellen Folgen von Unfällen oder Krankheiten absichern. Der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung greift nur in der Schule oder auf dem Weg dahin. Und in der Freizeit? Da hilft nur eine private Unfallversicherung. Die aber deckt krankheitsbedingte Behinderungen nicht ab – dafür müssen Eltern eine Kinderinvaliditätsversicherung abschließen. Die zahlt dann, wenn ein Unfall oder eine Krankheit zu einer Behinderung von mindestens 50 Prozent geführt hat. Das Problem der Invaliditätsversicherung und auch der Schulunfähigkeitsversicherung: Der Gesundheitszustand des Kindes wird abgefragt. Bei schweren Vorerkrankungen wird der Schutz ggf. abgelehnt. In diesem Fall rät Sven Kretzschmar von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt: „Wer keine Kinderinvaliditätsversicherung bekommt oder wem sie zu teuer ist, sollte zumindest als Basisschutz eine Unfallversicherung für das Kind abschließen.“
 

Vorsicht bei Koppelverträgen!

Abstand nehmen sollten Eltern von Verträgen, die den Vermögensaufbau des Kindes mit einem Invaliditätsschutz koppeln. Solche Verträge sind meist zu teuer, der Preisvergleich ist durch den angehängten Sparvertrag unmöglich, und in der Praxis hat sich gezeigt, dass solche Verträge oft gekündigt werden, wenn das Geld knapper ist. Dann ist nicht nur der Vermögensaufbau gestoppt, sondern auch der Risikoschutz verloren.

Tipp:
Risikovorsorge und Vermögensaufbau sollten immer getrennt abgesichert werden und gehören nicht in ein und denselben Vertrag!

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Klaus Winter
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