Berufsunfähigkeitsversicherung Vertragsende richtig wählen

von Klaus Winter
18.12.2013
Auf einen Blick

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine Muss-Versicherung: Was aber, wenn der Vertrag so gewählt wurde, dass er mit 55 oder 60 Jahren endet?

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Eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit einem Vertragsende zum 60. Geburtstag wird im Ernstfall nicht reichen. Denn Sie müssen dann sieben Jahre bis zum Eintritt in die Altersrente überbrücken – nur mit welchen Mitteln? Aus dem Ersparten ist das in aller Regel kaum zu bezahlen – besonders dann nicht, wenn das im Alter für eine Zusatzrente eingeplant ist. Eine Frührente kostet zusätzliche Rentenansprüche, sodass die Altersrente sinkt – auch das ist für viele aus finanziellen Gründen keine Option. 


Vertrag verlängern – ist das möglich?

Spätestens jetzt wird daher die Frage aktuell, ob ich meine bestehende Berufsunfähigkeitsversicherung nicht verlängern kann. Meist ist das aber nicht möglich, denn die wenigsten Verträge haben eine solche Verlängerungsoption vorgesehen. Die Alternative: Eine Kündigung des zu kurz angelegten und der Abschluss eines neuen, passenden Vertrages. Eine solche Kündigung sollte aber gut überlegt sein. Denn ein Neuabschluss der Berufsunfähigkeitsversicherung ist oft nicht ohne Weiteres möglich. „Von einer Kündigung ist in der Regel abzuraten, da ein Neuabschluss mit steigendem Alter und möglicherweise sinkender Gesundheit zu höheren Prämien führt bis hin zur Nichtversicherbarkeit bei bestimmten Vorerkrankungen“, so Dr. Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Zweiter Vertrag als Ausweg?

Eine andere Option zeigt Erik Schaarschmidt von der Verbraucherzentrale Brandenburg, „sinnvoll kann auch ein zweiter Vertrag sein, der länger läuft und aktuelle Deckungslücken schließt“. Empfehlenswert ist es, den zweiten Vertrag wieder bei der gleichen Versicherungsgesellschaft abzuschließen. Sollte es nämlich später beim Eintritt des Versicherungsfalls zu Streitigkeiten kommen, haben Sie es dann nur mit einem Vertragspartner zu tun.
 

Modell der AXA für Betroffene sinnvoll?

Die AXA hat jetzt mit der Ergänzungs-Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung eine Lösung für alle auf den Markt gebracht, deren Berufsunfähigkeitsversicherung nicht lange genug läuft. Dieser sogenannte Ergänzungsvertrag wird so abgeschlossen, dass er nahtlos an bestehenden Schutz anschließt und dann bis Endalter 67 läuft. Haben Sie also heute einen Vertrag, der bis 60 läuft, schließt die AXA mit 61 an und versichert Sie bis 67 Jahre. Ein interessantes Angebot, das aber auch seinen Preis hat, denn die letzten Jahre im Berufsleben gehören klassischerweise zu den teuersten in der Kalkulation der Berufsunfähigkeitsversicherungen.

Neue Verträge: Viele Vorteile

Wer den bestehenden Schutz aber nicht ergänzen, sondern ganz kündigen und einen neuen abschließen will, wird neben einer längeren Laufzeit mit weiteren Vorteilen belohnt: „Ältere Verträge sind häufig weniger verbraucherfreundlich als diejenigen für Neukunden“, weiß Dr. Annabel Oelmann. Dies gilt insbesondere für ältere Verträge mit einer Klausel zur abstrakten Verweisung. Bedeutet: Diese gibt dem Versicherer die Möglichkeit, die Rentenzahlung zu verweigern, wenn der Versicherte berufsunfähig wird, aber noch in einem anderen Beruf arbeiten könnte. Ganz wichtig: der bestehende Schutz sollte nicht zu früh gekündigt werden. „Erst, wenn ein vollwertiger Ersatzvertrag gefunden ist, kann über eine Beendigung des alten Vertrages nachgedacht werden“, bestätigt auch Erk Schaarschmidt von der Verbraucherzentrale Brandenburg. Ansonsten ist vielleicht der alte Schutz gekündigt, der neue wird aber nicht bestätigt.

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Klaus Winter
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