Richtig heizen Thermostate und andere Tricks

von Verena Fahrion
22.10.2010
Auf einen Blick
Ein neuer Energiespartipp lautet: Programmierbare Thermostate für Heizkörper verwenden. Was nutzen sie wirklich – und welche sinnvollen Alternativen gibt es?
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Thermostate: Programmierbar oder herkömmlich?

Ein herkömmlicher Heizungsthermostat funktioniert über eine Flüssigkeit im Innern. Bei Temperaturanstieg dehnt sich diese aus und bei Absenkung zieht sie sich wieder zusammen. Dadurch bewegt sich der Ventilstift und regelt den Heißwasserdurchfluss. Wird es im Zimmer etwa durch Sonneneinstrahlung wärmer als die eingestellte Temperatur am Heizkörper, dehnt sich die Flüssigkeit aus und drosselt das Ventil. Programmierbare Thermostate funktionieren vom Prinzip gleich, anstelle der Flüssigkeit haben sie jedoch einen elektronischen Fühler. Die Ventile werden nicht mechanisch sondern über einen Elektromotor gesteuert.

Damit braucht der Programmierbare auch eine Batterie. Per Knopfdruck lassen sich verschiedene Temperatur-Zeit-Einstellungen programmieren. Jeder Tag kann anders angelegt werden. Werktags wird das Bad beispielweise um sechs Uhr aufgeheizt und am Wochenende ab acht Uhr. Ansonsten fahren die Heizkörper auf 16 Grad Mindesttemperatur herunter. Wer also nicht diszipliniert genug ist, ständig die Heizkörper rauf- und runterzuregeln, kann über programmierbare Thermostate nachdenken. Sie machen sich laut Energiesparclub in zwei bis fünf Jahren bezahlt. Die Stiftung Warentest hat 2008 sieben programmierbare Regler zwischen 20 und 120 Euro und vier herkömmliche nicht programmierbare untersucht. Von den programmierbaren schnitten ELV FHT 80B Set und die Baugleichheit von Conrad am besten ab, gefolgt von Honeywell Rondostat.

Die selben Effekte wie mit dem programmierbaren lassen sich auch mit herkömmlichen Heizungsthermostaten erzielen. Allerdings mit dem Komfort-Nachteil, die Ventile von Hand auf- und abdrehen zu müssen. Auch das warme Wohnzimmer nach der Arbeit ist bei den herkömmlichen nicht vorprogrammiert. Für die generelle Heizungsabsenkung in der Nacht allerdings sorgt weder der programmiere noch der herkömmliche Thermostat sondern zentral die Heizungsregelung. Das hießt, hier bieten die Programmierbaren keinen regeltechnischen Energie-Vorteil.

Meistens können die herkömmlichen Thermostate in einer Fünf-Zahlen-Skala geregelt werden.

Stufe 1 = 12 Grad
Stufe 2 = 16 Grad
Stufe 3 = 20 Grad
Stufe 4 = 24 Grad
Stufe 5 = 28 Grad

Übrigens: Auf Stufe fünf wird die Wohnung laut Stiftung Warentest auch nicht schneller warm. „Der Heizkörper heizt nicht stärker nur länger“. Daher empfehlen die Tester die Vorlauftemperatur am Thermostat der Heizung zu erhöhen, um schneller in der warmen Wohnung zu sitzen. Anschließend muss die Vorlauftemperatur wieder auf die wirtschaftliche Stellung zurück gestellt werden.

Ein Grad spart sechs Prozent

Unabhängig vom Thermostat gilt generell, wer die Raumtemperatur seiner Wohnung um ein Grad senkt, kann bis zu sechs Prozent der Heizkosten sparen. Man sollte also überprüfen, welche Räume gerade nicht genutzt werden und damit kühler sein können. Aber auch zu kalt dürfen die Räume nicht werden. Das hängt mit der Feuchtigkeit zusammen. Kalte Luft kann Feuchtigkeit schlechter aufnehmen als warme. Beispiel Schlafzimmer. Laut Deutsche Energie-Agentur (Dena) gibt jede Person etwa 300 Gramm Wasser pro Nacht an die Raumluft ab. Ist der Schlafraum nun kälter als 16 Grad kondensiert die Luftfeuchtigkeit und setzt sich als Wasser an Fenstern und im Raum ab. Als Folge bildet sich Schimmel. Gleiches wie für die Schlafzimmer gilt auch für nicht benutzte Zimmer: Nicht zu stark auskühlen lassen.

Es ist also nicht nur wichtig, richtig zu heizen, sondern auch richtig zu lüften, um Energiekosten zu sparen und keine Schadstoffe in den Zimmern zu haben. So sollte beim Öffnen der Fenster unbedingt das Heizkörperventil zugedreht werden, sonst fliegt die Wärme und damit Geld zum Fenster hinaus. Wichtig ist auch, die Räume je nach ihrer Funktion zu lüften. Also nach dem Duschen im Bad muss unbedingt sofort gelüftet werden, um die Feuchte so schnell wie möglich aus dem Raum zu bekommen. Und: Die Innentüren schließen.

Das gleiche gilt nach dem Kochen in der Küche. Wenn etwa unvermeidlich Wäsche in einem Zimmer getrocknet werden muss, empfiehlt die Dena sogar während dieser Zeit ein Fenster gekippt und die Heizung eingeschaltet zu lassen. Als bessere Alternative gilt, sich einen Ablufttrockner anzuschaffen.

Wird allerdings morgens das Schlafzimmer gelüftet, können die Türen zu den anderen Zimmern offen sein. Am besten, wird im gegenüberliegenden Zimmer gleichzeitig gelüftet. Dann kann die frische Luft am besten durch Wohnung oder Haus zirkulieren.

Heiz- und Lüftungstipps auf einen Blick:

  • Heizkörper ausschalten, wenn das Fenster geöffnet ist
  • Heizungsanlage nachts drosseln
  • Türen von beheizten Räumen geschlossen halten
  • Räume nicht auskühlen lassen
  • Keine Vorhänge oder andere Gegenstände vor Heizkörper stellen auch keine Heizkörperverkleidungen, sie schlucken bis zu 20 Prozent Wärme
  • Räume abhängig von ihrer Funktion (z.B. Bad, Küche) lüften
  • Beim Stoßlüften Innentüren schließen
  • Beim Durchlüften Innentüren öffnen
  • Keine Fenster dauerhaft kippen
  • Räume nur befeuchten, wenn sie wirklich trocken sind
  • Nicht zu viele „feuchte“ Zimmerpflanzen aufstellen


Zusätzliche Sparmaßnahmen:

  • Alte Fenster gut abdichten
  • Türen abdichten
  • Heizkörper regelmäßig entlüften
  • Abends Fenster und Rollläden schließen
  • Nach einer längeren Reise bei ausgekühlter Wohnung besser für eine kurze Zeit die Vorlauftemperatur an der Heizung erhöhen, statt den Heizkörper voll aufzudrehen.

Wer all diese Maßnahmen beachtet, kann sich einen programmierbaren Heizkörperthermostat sparen. Wer aber sparen und gleichzeitig nicht auf den Komfort eines angenehm warmen Wohnzimmers abends verzichten will, kann über die programmierbaren Regler nachdenken, sofern der herkömmliche sowieso ausgetauscht werden muss.

Unser Tipp

So viel verbraucht meine Heizung

Laut Bund der Energieverbraucher braucht man je Quadratmeter Wohnfläche durchschnittlich zehn bis 20 Liter Heizöl bzw. Kubikmeter Erdgas jährlich. Hinzu kommt noch die Heizung, die zusätzlich Strom frisst. Hier geht der Verbraucherbund von 100 bis 200 Kilowattstunden pro Quadratmeter im Jahr aus. Für eine 100-Quadratmeter-Wohnung braucht man also jährlich zirka 1.000 Liter Heizöl. Die Kilowattstunde Heizöl oder Gas kostet rund vier Cent im Gegensatz zum Strom, der 16 Cent kostet. Damit kostet die Heizung der 100-Quadratmeter-Wohnung 400 Euro im Jahr, wenn mit Öl oder Gas geheizt wird.

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Verena Fahrion
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