EU-Referendum Hätte der Brexit Einfluss auf deutsche Sparer?

EU-Referendum Welchen Einfluss hat der Brexit auf deutsche Sparer?

Thomas Brummer
von Thomas Brummer
25.06.2016
Auf einen Blick

Großbritannien hat der EU eine Absage erteilt. Hat der Brexit Auswirkungen auf deutsche Sparer und Aktionäre?

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Der 23. Juni 2016 ging in die europäischen Geschichtsbücher ein. An diesem Tag entschieden sich die Briten für den sogenannten "Brexit", der Austritt des Vereinigten Königreichs (England, Wales, Schottland und Nordirland) aus der Europäischen Union, wie es formal korrekt heißt.

Seit Wochen lieferten sich EU-Befürworter und Gegner einen erbitterten Kampf um die Wählerstimmen der rund 46 Millionen wahlberechtigten Briten. Doch nun sind die Würfel gefallen, und das Vereinigte Königreich dreht der Europäischen Staatengemeinschaft den Rücken zu.

Worauf müssen sich Aktionäre einstellen?

Großbritannien samt Nordirland können erst nach einer Übergangsphase von zwei Jahren aus der Union ausscheiden. Die Briten können also vorerst weitgehend ungestört Außenhandel betreiben, jedoch bleiben Unsicherheiten, wie die gesetzlichen Regelungen danach aussehen werden. Die Volkswirte der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) rechnen dadurch mit einer Lähmung bei den Unternehmensinvestitionen. Selbst eine Rezession sei im Vereinigten Königreich nicht mehr auszuschließen. Diese Unsicherheit hatte bereits an der deutschen Börse Auswirkungen. So rauschte jüngst der Dax binnen einer Woche von rund 10.300 auf etwa 9.500 Punkte. Als die Ergebnisse bekannt wurden, sackte er erneut heftig ab.

Was sagen jetzt Verbraucherschützer? „Für den Aktienmarkt Prognosen abzugeben, ist noch schwieriger als für den Zinsmarkt. Am meisten werden aber britische Aktien betroffen sein und solche Unternehmen, die viele Im- und Exportgeschäfte mit Großbritannien betreiben. Davon sollten sich Verbraucher aber nicht verrückt machen lassen. Denn wir raten ohnehin von kurzfristigen Spekulationsgeschäften ab. Vielmehr sollten private Anleger langfristig denken. Um Risiken zu minimieren, bieten sich hier Fonds an oder sogenannte ETFs, die wesentlich günstiger sind“, sagt Merten Larisch von der Verbraucherzentrale Bayern.

Haben Sparer oder Baukreditnehmer etwas zu befürchten?

„Was wird nach dem Brexit aus meinen Ersparnissen?“, fragt sich Sparer Martin Winkler. Verbrauchschützer Larisch beruhigt. Den Zinsmarkt in Deutschland bzw. in der Euro-Zone dürfte das Referendum auf der Insel kaum beeinflussen. „Große Veränderungen dürften wohl nicht zu erwarten sein, da Großbritannien nicht den Euro hat“, so Larisch weiter. Ähnlich sehen das auch andere Experten. "Direkt betroffen sind deutsche Sparer nicht. Allerdings gibt es natürlich eine indirekte Betroffenheit, wenn sich im Falles eines Brexits die Unsicherheit an den Märkten und in der Konjunktur festsetzt und somit die EZB gezwungen wird, den Leitzins noch länger als beabsichtigt niedrig zu halten", sagt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING-Diba. Auch bei Baukrediten gäbe es keinen Automatismus. "Wenn im Falle eines Brexits die Unsicherheit an den Märkte allerdings anhalten wird und auch die Kapitalmarktzinsen niedrig bleiben, verzögert ein möglicher Brexit starke Anstiege der Zinsen für Baukredite weiter hinaus", so Brzeski im Vorfeld der Abstimmung.

Die britische Einlagensicherung "Financial Services Compensation Scheme" (FSCS) haftet aufgrund des sinkenden Wechselkurses schon jetzt für weniger als die von der EU geforderten 100.000 Euro je Sparer. Die gesicherten 75.000 Pfund Sterling entsprechen derzeit - wechselkursbedingt - nur etwa 96.000 Euro. Daher sollten Sparer aktuell weniger als 100.000 Euro auf britischen Konten anlegen – vor allem bei längeren Laufzeiten.

Tipp: Mit Festgeld sichern Sie sich die heutigen Zinsen für einen zuvor festgelegten Zeitraum. Das heißt, selbst, wenn das Zinsniveau durch den Brexit weiter nachgeben würde, muss Ihnen die Bank den vereinbarten Zins auch in Zukunft zahlen. Wer an der Börse aktiv ist, sichert sich mit einem sogenannten Stopp-Loss-Limit ab. Damit werden Ihre Aktien bzw. Ihr Fonds automatisch verkauft, sobald eine selbstgewählte Untergrenze erreicht wird. Das begrenzt mögliche Verluste.
 

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Jahrgang 1985, schloss eine kaufmännische Ausbildung ab. Anschließend studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Universität Augsburg und war währenddessen als Werkstudent bei LV 1871 und Wealthcap (Fondsgesellschaft von Unicredit) tätig. Nach Beendigung des Studiums schrieb er für das Anlegermagazin „Der Aktionär“. Im Anschluss absolvierte er eine Hospitanz in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf.

Seit Januar 2014 ist er bei biallo.de und verfasst dort überwiegend Artikel zu Geldanlagethemen. Daneben publiziert er regelmäßig in Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier.

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Jahrgang 1985, schloss eine kaufmännische Ausbildung ab. Anschließend studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Universität Augsburg und war währenddessen als Werkstudent bei LV 1871 und Wealthcap (Fondsgesellschaft von Unicredit) tätig. Nach Beendigung des Studiums schrieb er für das Anlegermagazin „Der Aktionär“. Im Anschluss absolvierte er eine Hospitanz in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf.

Seit Januar 2014 ist er bei biallo.de und verfasst dort überwiegend Artikel zu Geldanlagethemen. Daneben publiziert er regelmäßig in Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier.

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