Festgeld & Fonds Lohnen Kombiprodukte?

Festgeld & Fonds Lohnen sich Kombiprodukte?

Max Geißler
von Max Geißler
14.10.2016
Auf einen Blick

Weil die Sparzinsen im Keller sind, koppeln Banken Zinsgarantien mit chancenreichen Investments. Überzeugt der Mix aus Festgeld und Fonds?

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Die Quickborner Internetbank Comdirect wirbt für das Sparprodukt Fest&Fonds. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus Festgeld und Investmentfonds, die Mindestanlagesumme beträgt 1.000 Euro. Die eine Hälfte des Geldes fließt auf ein Festgeldkonto, das über sechs Monate mit 3,5 Prozent verzinst wird, anschließend fließt das Geld zurück aufs Verrechnungskonto. Die andere Hälfte wird in Fonds ohne Haltefrist angelegt. Dazu stehen insgesamt sechs Fonds aus den Bereichen Aktien, Renten und Mischfonds bereit. „Anleger können damit konservative, ausgewogene und chancenreiche Anlagestrategien verfolgen“, sagt Henning Seeler, Fonds-Experte bei Comdirect. Die Bank gewährt jeweils 50 Prozent Rabatt auf den regulären Ausgabeaufschlag.

Stärken: hohe Zinsen, gute Fonds

Dreieinhalb Prozent Festzinsen liegen deutlich über dem aktuellen Marktzins. Sechsmonatiges Festgeld erzielt laut Biallo-Festgeldindex derzeit nur 0,28 Prozent Durchschnittszins, einjähriges Festgeld kommt im Schnitt auf 0,42 Prozent. Die Fondspalette ist mit sechs Fonds zwar recht klein, aber die Wahlmöglichkeit von drei unterschiedlichen Anlagestrategien sowie die Qualität der Fonds überzeugt. Alle Fonds sind von der renommierten Ratingagentur Morningstar mit hohen Qualitätsnoten bewertet. Sparer finden Spitzenfonds wie den Mischfonds Multiple Opportunities des bekannten Vermögensverwalters Flossbach von Storch mit einem Fünfjahresgewinn von über 60 Prozent, den Aktienfonds DWS Deutschland mit einem Gewinn von gut 120 Prozent sowie den Rentenfonds BGF Euro Bond Fund mit einem Zuwachs von rund 35 Prozent.

Schwächen: kurze Zinsgarantie, gebührenpflichtige Fonds

Verbraucherschützer kritisieren Kombiprodukte, denn Zinssparer könnten mit hohen Festzinsen in riskante Aktienfonds gelockt werden. Das kann auch beim Comdirect-Angebot passieren, allerdings besitzen Sparer die Alternative, ihr Geld in konservativ ausgerichtete Mischfonds oder schwankungsarme Rentenfonds zu investieren. Die Fondsverwahrung im Comdirect-Depot ist die ersten drei Jahre ohne Wenn und Aber gebührenfrei. Danach entfallen die monatlich geforderten 1,95 Euro, wenn ein Wertpapiersparplan betrieben oder das bankeigene Girokonto genutzt wird. Die Kaufgebühren der Fonds sind zwar um die Hälfte rabattiert, Comdirect bietet aber 20 sogenannte Top-Preis-Fonds an, die den in Fest&Fonds angebotenen Portfolios qualitativ nicht nachstehen – und das zum Nulltarif. Die überdurchschnittliche Verzinsung des Festgelds ist nur für den relativ kurzen Zeitraum von sechs Monaten garantiert, anschließend gelten reguläre Zinsen.
 

Die Angebote der Konkurrenz

Die Volkswagenbank direkt bietet mit „Kombi-Invest“ ebenfalls einen Anlagemix aus Festgeld und Fonds. Der Zinssatz beim Festgeld ist mit 2,5 Prozent zwar niedriger als bei Comdirect, dafür ist die Zinsbindung mit einem Jahr aber doppelt so lang – ein Plus für die VW Bank. Möglich sind auch Festgeld-Laufzeiten von zwei oder drei Jahren, allerdings beträgt der Zinssatz in diesem Fall nur 1,5 oder 1,25 Prozent. Die Mindestanlagesumme ist mit 5.000 Euro höher als bei Comdirect. Die Hälfte des Geldes fließt wie bei Comdirect in Topfonds unterschiedlicher Risikoausrichtung mit bis zu 50 Rabatt auf den Ausgabeaufschlag. Auch die VW Bank direkt erhebt Depotkosten – und das ab dem ersten Jahr. Jährlich 23,40 Euro lassen sich vermeiden, wenn man entweder ein Girokonto bei der VW-Bank unterhält, zwei Depottransaktionen im Jahr tätigt oder das Depotvolumen jeweils zum Monatsende mindestens 10.000 Euro beträgt.

Die Targobank offeriert mit „Rendite Plus“ eine adäquate Geldanlage aus Festgeld und Fonds. Für den festverzinsten Teil der Geldanlage steht Festgeld mit sechsmonatiger Laufzeit zur Verfügung, das sich allerdings nur mit 1,5 Prozent verzinst. Die Mindestanlage beträgt wie bei der VW Bank 5.000 Euro. Die Hälfte des Geldes muss in Fonds oder Zertifikate investiert werden. Positiv: Hierfür steht die gesamte Fondspalette der Targobank mit mehreren Tausend Fonds zur Wahl. Die Fonds können während der Festgeldlaufzeit gewechselt werden. Positiv: Die Depotführung ist ohne Wenn und Aber kostenlos. Nachteil: Der beim Fondskauf anfallende Ausgabeaufschlag muss mindestens 2,5 Prozent der Anlagesumme betragen und kann damit höher liegen als bei den vorgenannten Konkurrenzprodukten.


Fazit

Zinsfans sollten nicht einseitig auf die hohen Festgeldzinsen schielen, zumal die Zinsgarantie häufig nicht sehr lang ist. Die Kombination aus Festgeld & Fonds lohnt für Anleger, die einerseits attraktive Zinsen für ihr Erspartes suchen und zugleich höhere Chancen am Wertpapiermarkt wahrnehmen möchten. Das Fondsinvestment sollte dabei zeitlich nicht terminiert sein, damit man bei ungünstigen Fondskursen auf Besserung warten kann bzw. bei Höchstkursen kurzfristig Gewinne realisieren kann.

Biallo-Tipp:Für sicherheitsorientierte Anleger empfehlen sich schwankungsarme Rentenfonds. Berücksichtigen Sie unbedingt die Anlagekosten! Denn Ausgabeaufschläge belasten die Nettorendite des Fonds, erst bei längerer Laufzeit relativiert sich ihr Gewicht. Erzielt beispielsweise ein Aktienfonds eine Wertsteigerung von 5,5 Prozent pro Jahr, so bleibt bei einer Verkaufsgebühr von 2,5 Prozent im ersten Anlagejahr real nur eine Rendite von 3,0 Prozent übrig. Auch mögliche Depotgebühren belasten den Ertrag.

Biallo-Tipp zu Kombiprodukten:

Lohnenswert ist der Blick in unseren Kombiprodukte Vergleich. Hier finden Sie ähnliche Geldanlagemöglichkeiten. So bietet die Consorsbank das Produkt Tagesgeld & Depot: Dabei garantiert die Bank ein Jahr lang 1,5 Prozent Zinsen aufs Tagesgeld, wenn Sie Wertpapiere in ein Depot der Consorsbank übertragen. Ähnliche Offerten machen DKB und Merkur Bank.

3
 
Festgeld-Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
272,44
0,90%
 226,69
0,75%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 36 Monate
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Max Geißler
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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

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