Geldanlage Vergleich Festgeld vorzeitig kündigen?

Geldanlage Vergleich Festgeld vorzeitig kündigen?

Max Geißler
von Max Geißler
29.08.2016
Auf einen Blick

Festgeld wird für eine fixe Laufzeit abgeschlossen, eine vorzeitige Kündigung ist nicht vorgesehen. Einige Banken handhaben das jedoch flexibel.

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Festgeld basiert auf dem Vertrauensprinzip: Der Sparer vertraut darauf, dass die Bank das Ersparte zum festgelegten Zinssatz vergütet und zum vereinbarten Termin Kapital plus Zinsen vollständig auszahlt. Die Bank vertraut darauf, dass sie mit dem Geld während der Vertragslaufzeit uneingeschränkt arbeiten kann.

Möchte der Sparer vorzeitig sein Geld zurück, entstehen der Bank Kosten und meist auch Ertragsverluste. Deshalb ist eine Kündigung von Festgeld und Sparbriefen während der Laufzeit nicht vorgesehen.

Vorzeitige Kündigung nur im Notfall

Der Gesetzgeber hat jedoch ein Schlupfloch gelassen, falls Anleger in eine Notlage geraten und dringend Geld brauchen. Nach Paragraph 314 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) besteht das Recht "aus wichtigem Grund ohne Einhaltung von Kündigungsfrist" das Geld zurückzufordern. Wichtige Gründe können beispielsweise der Tod des Kontoinhabers oder das Abrutschen in Hartz IV sein, aber auch eine drohende Insolvenz der Bank. Bei weniger eklatanten Krisenfällen muss die Bank eine Kündigung nicht akzeptieren. Enthält der Festgeld-Vertrag keine Kündigungsregel, liegt es im Ermessen der Bank, das Kapital freizugeben.

Möchten Sie über das angelegte Festgeld vorzeitig verfügen, müssen Sie eine schriftliche Kündigung bei der Bank einreichen. Gibt das Geldhaus grünes Licht, lauern allerdings Kosten und Zinsverluste. Häufig streichen Kreditinstitute bei einer vorzeitigen Kündigung die Guthabenverzinsung komplett oder gewähren nur einen Alibi-Zins. Wurden bereits Zinsen ausgezahlt, werden diese in der Regel mit den Stornokosten verrechnet. Außerdem darf das Geldhaus bei einer Kündigung Gebühren erheben, deren Höhe nicht gesetzlich geregelt ist. Hohe Zinsabschläge und üppige Stornogebühren können zu negativer Rendite und damit zu Kapitalverlust führen.

Festgeld mit Kündigungsmöglichkeit

Einzelne Banken bieten Anlegern allerdings flexible, klar definierte Ausstiegsmöglichkeiten für Festgeld und Sparbriefe. Zwar sind auch hier in der Regel Zinsabschläge in Kauf zu nehmen, aber die finanzielle Beweglichkeit lässt dies verschmerzen. Zwei Beispiele:

Festgeld von Moneyou: Die niederländische Direktbank Moneyou offeriert Festgeld mit sechsmonatiger Laufzeit zu 0,75 Prozent Zinsen und mit zwölfmonatiger Laufzeit zu 0,80 Prozent Zinsen. In beiden Fällen dürfen Sparer vorzeitig über das gesamte Anlagekapital verfügen, Teilabhebungen sind aber nicht möglich. Die festgelegte Verzinsung sinkt dann allerdings auf jeweils 0,50 Prozent.

Positiv: Die Kündigung kann bequem und schnörkellos per Internet durchgeführt werden, es fallen keine Gebühren an. Das Kapital plus Zinsen fließt nach Vertragsende an den Anleger zurück. Im Vergleich zum teilweise vollständigen Zinsverlust, den andere Banken bei einer Kündigung fordern, ist dies ein faires Angebot.

Sparbrief von Bank 11: Im Kern handelt es sich bei dem Online-Sparbrief um ein zeitlich unbegrenzt laufendes Anlagekonto, das variabel verzinst wird. Derzeit betragen die Zinsen 0,80 Prozent für ein Jahr. Im Unterschied zu klassischen Sparbriefen ist das Sparbriefkonto aber mit einer Frist von 180 Tagen kündbar. Das bedeutet, dass Sie nach einer Stornofrist von sechs Monaten wieder über ihr Geld verfügen können. Zinsänderungen kündigt Bank 11 stets sechs Wochen im Voraus an, dann haben Anleger ein Sonderkündigungsrecht. Das Sparbriefkonto ist kostenlos, Voraussetzung ist ein Tagesgeldkonto bei der Bank 11.

Positiv:
Die Kündigung schmälert nicht die Guthabenverzinsung.

Fazit: Befassen Sie sich vor der Geldanlage in Festgeld oder Sparbriefe stets mit den Bedingungen bei vorzeitiger Kündigung. Fordert die Bank einen vollständigen Zinsverzicht, sollten Sie die Geldanlage überdenken und nach alternativen Angeboten suchen. Infrage kommt zum Beispiel flexibles Festgeld.

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Zinsertrag
Zinssatz
 
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Betrag 10.000 €, Laufzeit 12 Monate
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Max Geißler
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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

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