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13.08.2011 15:08

Fünf Fragen an Andreas Breuer, Leiter Neue Technologien/Projekte bei RWE Deutschland

„Energiestrukturen auf dem Land verändern sich nachhaltig“

von
In zehn Jahren dürften erneuerbare Energien ein Drittel des deutschen Strommixes ausmachen. Und einen erheblichen Teil werden kleine Solaranlagen, Windräder und Biogasproduzenten liefern. Wie können etliche tausend Privaterzeuger ans Netz gebracht werden? Energie-Experte Andreas Breuer gibt Auskunft.
Andreas Breuer, Leiter Neue Technologien/Projekte bei RWE Deutschland „Energiestrukturen auf dem Land verändern sich nachhaltig“ Finanzportal Biallo.de
Dr. Andreas Breuer, Leiter Neue Technologien/Projekte bei RWE Deutschland
Biallo.de: Immer mehr Menschen produzieren eigenen Strom. Was bedeutet das für die Stromnetze?

Andreas Breuer: Die Energieversorgung bei uns befindet sich im Wandel. Viele kleinere dezentrale Anlagen zur Stromerzeugung leisten einen wichtigen Beitrag zur zunehmenden Stromversorgung aus regenerativen Energien. Diese Anlagen werden von den Netzbetreibern an das Stromverteilnetz angeschlossen. Die eigentliche Herausforderung ist es, das Netz trotz der schwankenden Einspeisung aus regenerativen Quellen stabil zu halten: Der Wind weht nicht immer, die Sonne macht gerade in unseren Breitengraden öfter mal Pause. Zu manchen Zeiten übersteigt das regionale Angebot von Strom aus regenerativen Quellen aber auch den dortigen Bedarf. Dieses Ungleichgewicht muss das Stromnetz ausgleichen können. Bei einem Pilotprojekt in Bitburg-Prüm in der Eifel sammeln wir dazu wertvolle Erkenntnisse. Eine der Fragestellungen lautet hier, wie dezentrale Erzeugung angeschlossen werden kann, ohne Einbußen bei der Versorgungssicherheit hinnehmen zu müssen.

Biallo.de: Warum ist es so entscheidend, Stromverteilnetze fit für die Erneuerbaren Energien zu machen?

Breuer: Das bestehende Netz stößt bei der Aufnahme des steigenden Anteils von Strom aus Photovoltaik-, Wind- und Biomasseanlagen immer mehr an seine Grenzen. Denn die Netze waren bisher darauf ausgerichtet, dass der Strom im Wesentlichen in der Region verbraucht wird, wo er erzeugt wird, also beispielsweise ein großes Kraftwerk bedarfsgerecht ein Gebiet versorgt. Kleinteiligere Erzeugung macht ein neues Netz notwendig, auch weil Stromkonsumenten mit einer eigenen Anlage zu Stromproduzenten und Stromanbietern werden; dieses Phänomen nennen wir „prosumer“. Das Netz der Zukunft ist also weniger eine Einbahnstraße als vielmehr mehrspurig und in zwei Richtungen befahrbar. Es muss verstärkt, intelligenter gemacht und massiv ausgebaut werden. Auch Stromspeicher werden in Zukunft eine große Rolle spielen. Bei unserem Pilotprojekt in der Eifel setzen wir zum Beispiel einen Doppelmembran-Biogasspeicher ein, dessen gespeichertes Gas zum Ausgleich von Nachfragespitzen zur Stromerzeugung eingesetzt wird.

Biallo.de:
Was ist das Innovative an diesem „Smart Grid“?

Breuer: Wir testen mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft die intelligente Aufrüstung eines bestehenden Netzes mit neuen Bausteinen. Zu diesen zählen innovative Spannungsregler, die vor Schwankungen in der Versorgungsspannung schützen. Neueste Informations- und Kommunikationstechnik liefert aktuelle Daten zu Stromeinspeisung und -verbrauch von vielen Messpunkten in dem über 170 Quadratkilometer großen Netzgebiet. Darüber hinaus ist der neue Biogasspeicher ein innovativer Baustein. Das Projekt „Smart Country“ stellt damit die Weichen für eine zukunftssichere Energieversorgung in ländlichen Bereichen.
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Biallo.de: Ein Blick in die Zukunft – welche Bedingungen müssen erfüllt sein, damit private Erzeuger überall in Deutschland Strom in intelligente Netze speisen können?

Breuer: Jeder Betreiber einer dezentralen Anlage muss grundsätzlich an das lokale beziehungsweise regionale Stromnetz angeschlossen werden. Alleine die Verteilnetzbetreiber der RWE Deutschland-Gruppe haben im vergangenen Jahr rund 50.000 solcher Anlagen eingebunden. Intelligenz im Netz hat dabei viele Facetten und verlangt je nach regionalen Gegebenheiten andere Antworten. So wie es möglich ist, mit moderner Regeltechnik und einem virtuellen Stromspeicher den bloßen Zubau an Netzkilometern zu vermeiden. An anderer Stelle kann gerade der reine Zubau an Leitungen - ob ober- oder unterirdisch - die beste Lösung sein.

Biallo.de: Analysen zeigen, dass dezentrale Anlagen vor allem in dünner besiedelten Regionen entstehen. Was bedeutet der Zukunftsmarkt private Stromerzeugung für ländliche Bereiche?

Breuer: Der staatlich geförderte Ausbau von erneuerbaren Energien verändert die Energiestrukturen auf dem Land nachhaltig. Das lokale Handwerk erhält viele Aufträge, und Landwirte wandeln sich zu Energiewirten. Allerdings muss die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen stärker an die Marktwirtschaft herangeführt werden, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden.
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