
Andreas von Zitzewitz, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Conergy AG
Die Conergy AG ist ein deutsches Solarunternehmen, das Solarmodule, Wechselrichter, Gestellsysteme und Überwachungssysteme entwickelt sowie produziert. Vorstand Andreas von Zitzewitz im Interview.
Biallo.de: Der Preis für Aufdachanlagen ist in den letzten Jahren beständig gefallen. Warum?
Andreas von Zitzewitz: Seit 2006 sind die Kosten für Solaranlagen um über 40 Prozent gesunken. Drastisch sind die Solarpreise 2009 runter gegangen. Ein durch massiven Zubau von Fertigungskapazitäten gestiegenes Angebot stand einer weltweit niedrigeren Nachfrage gegenüber. Seit dem 4. Quartal 2009 befindet sich der starke deutsche Markt, ausgelöst von immer wieder verschobenen Kürzungsplänen der Politik, aber in einer permanenten Jahres-End-Rally. Die Nachfrage hat hier inzwischen das Angebot wieder überholt. Seit Anfang 2010 sind wieder stabile Preise zu beobachten. Natürlich wird sich der Trend nicht ewig fortsetzen, zumal ja die Fördersätze weiter sinken.
Biallo.de: Mit welcher Preisentwicklung ist in den kommenden zwölf Monaten zu rechnen?
Andreas von Zitzewitz: Die festgelegte Kürzung bis Oktober 2010 wird ihre Spuren im deutschen Markt hinterlassen. Wie tief sich diese eingraben, hängt davon ab, wie stark alle, vom Hersteller bis zum Endkunden, bereit sind, die Kürzung mitzuschultern. Schon lange werden die großen Margen nicht mehr bei den Herstellern gemacht. Renditen von über zehn Prozent bei 20jähriger staatlich garantierter Sicherheit werden derzeit von Investoren eingefahren. Alle werden sich in Zukunft mit einem etwas kleineren Margen-Kuchen zufrieden geben müssen.
Biallo.de: Die Kostensenkung bei der Photovoltaik hängt nicht alleine an den Modulen, sondern auch am Wechselrichter. Von 1990 bis heute ist der Preis um mehr als 75 Prozent gesunken. Zugleich stieg der Wirkungsgrad. Was bringen die nächsten Jahre?
Andreas von Zitzewitz: Der Preisverfall wird sich fortsetzen. Noch wichtiger aber werden die Themen Qualität und Innovation sein. Denn an Wirkungsgrad, Langlebigkeit und Funktionalität der Elektronikkomponenten stellen Kunden inzwischen hohe Ansprüche. Die schönste Anlage auf dem Dach nützt wenig, wenn der Wechselrichter nicht mehr einspeist. Hinzu kommt, in Zukunft wird der Wechselrichter zur zentralen Schnittstelle. Im System überwachen die Geräte schon heute die komplette Anlage sowie optimieren den solaren Eigenverbrauch. Und auch bei künftigen Lösungen mit Speicherung von Solarstrom werden sie eine wesentliche Rolle spielen.
Biallo.de: Die Lebensdauer eines Photovoltaik-Systems ist entscheidend für die Wirtschaftlichkeit. Bei guter Wartung liefern aktuelle PV-Anlagen oft 20 Jahre und länger ohne Ausfälle Strom. Wie lange werden Systeme künftig laufen?
Andreas von Zitzewitz: Die Solarbranche ist noch immer eine junge Industrie. Auch ihre Kunden machen Lernstufen durch. Heute erleben wir, dass für Kunden Qualität und Preis eine gleich geordnete Rolle spielen. Kunden haben erkannt, was ich am Anfang bei Preis und Qualität spare, verliere ich im schlechten Fall nach Jahren durch Produktionsausfälle. Guter und sicherer Ertrag funktioniert nur mit hoher Lebensdauer. Deshalb haben wir Produktdesign und Herstellprozesse auf Zuverlässigkeit und Langlebigkeit ausgerichtet. Tests bescheinigen unseren Produkten beste Werte. Ob Module aber 30 Jahre und länger auch in der Praxis halten, kann die Branche wohl erst in 30 Jahren beantworten. Aber eines ist klar, bessere Qualität lässt sich in höhere Sicherheit, Zuverlässigkeit und längere Lebensdauer übersetzen.
Biallo.de: Wie wird sich der PV-Markt in Deutschland ab Herbst 2010 entwickeln - wenn die Einspeisevergütung schrittweise zurück gefahren wird?
Andreas von Zitzewitz: Deutschland ist das Pionierland der Solarbranche. Hier entstehen Innovationen, hier unterhält die Branche Zehntausende Jobs. Auch mit abgesenkter Förderung werden wir einer der ganz großen Märkte der Welt bleiben – wenngleich auch das Marktwachstum langfristig hinter einigen anderen Ländern zurücktreten wird.