Etwa sechs Millionen Ölheizungen laufen derzeit bei uns. Die Zahl ist nach Angaben des Hamburger Instituts für Wärme und Oeltechnik (IWO) nahezu konstant. Weil die Preise für Heizöl jedoch seit Jahren steigen - 100 Liter kosteten Anfang 2010 60 Euro, im Mai 2012 schon 90 Euro – suchen immer mehr Immobilienbesitzer nach Alternativen.
Wer ein älteres Haus kauft oder modernisiert, baut freiwillig oder weil es der Gesetzgeber vorschreibt, energiesparende Anlagentechnik ein. Soll der vorhandene Ölkessel weiter für Wärme im Haus sorgen, kann auch eine Umrüstung auf Biobrennstoffe wie Sonnenblumen- oder Rapsöl sinnvoll sein. Das kann günstiger als die Montage einer gänzlich neuen Anlage sein und beruhigt gleichsam das ökologische Gewissen. Hinzu kommt, dass Bio-Heizöl B10 nicht nur umweltschonender als fossiles Öl verbrennt, sondern nach Expertenangaben auch effizienter.
Shell ist bundesweit bislang der einzige Anbieter, der B10 liefert. Vor allem in Baden-Württemberg ist die Nachfrage vorhanden. Von einer Raffinerie in Karlsruhe aus beliefert das Unternehmen den Mineralölhandel. (Quelle: Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie/Berlin). Der Preis von Bio-Heizöl B10 liegt nach Angaben des Instituts für Wärme und Oeltechnik je nach Lieferant vier bis sieben Cent je Liter über dem von schwefelarmen Heizöl (HEL). Reines Pflanzenöl zu Heizzwecken - als 100 Prozent - wird großflächig nach Angaben der Biokraftstoffindustrie bislang nicht vertrieben. Regional gibt es wohl zunehmend Landwirte, die das Produkt für eigene Heizanlagen herstellen und nutzen.
Wenig Bioanteil ist immer möglich
Für etwas neuere Ölheizungen und Tanks gilt nach Angaben der Geräteindustrie: Der Betrieb mit Heizöl, das einen Anteil von fünf Prozent Biokraftstoff hat, ist problemlos möglich. Einzelne Hersteller haben darüber hinaus Öl-Brennwertgeräte für den Einsatz mit bis zu zehn Prozent Anteil an nachwachsenden Rohstoffen freigeben. Allerdings erst nach jahrelangen Tests, denn der Einsatz von Biobrennstoffen erfordert nach Angaben des Branchenriesen Buderus geeignete Brenner. Grund: Biobrennstoffe haben eine andere Fließfähigkeit (Viskosität) als Heizöl und harzen Experten zufolge bei der Verbrennung. Zudem haben flüssige Biobrennstoffe aus Pflanzen oder tierischen Fetten im Vergleich zu ihrem fossilem Pendent einen höheren Säuregehalt, wirken daher als Lösungsmittel und greifen die Kunststoffe in der Heizungsanlage an. Die Leitungen sollten daher beispielsweise aus Fluor-Kautschuk bestehen, weil das Material eine hohe chemische Stabilität aufweist.
„Einen Boom stellen wir nicht fest“
Um den Aufwand einer Umrüstung bewerten zu können, müssen alle Komponenten einer Ölanlage wie Tank, Leitungen, Düsen, Dichtungen, Armaturen, Pumpe sowie Brenner auf ihre Eignung für den jeweils gewünschten Biobrennstoff untersucht und ein eventueller Austausch kalkuliert werden. „Ob sich das lohnt, kann nur im Einzelfall von einem Fachmann geprüft werden“, meint Wolfgang Rogatty vom Heizungshersteller Viessmann und bestätigt: „Kunden fragen immer wieder nach der Eignung ihrer Systeme und informieren sich über Umrüstmöglichkeiten. Aber einen Bioheizöl-Boom stellen wir nicht fest.“
Dennoch haben bereits Gerätehersteller auf das steigende Interesse der Verbraucher reagiert. So bietet das Liechtensteiner Unternehmen Hoval nicht nur Brennwert-Heizkessel für Bioheizöl pur, sondern auch für einige Geräte einen Bausatz an, mit dem bestehende Anlagen auf Bioölbetrieb umgerüstet werden können. Das Kalkül ist klar. Eine Marktnische soll besetzt und das schlechte Image von Ölheizungen aufpoliert werden. Kein Wunder also, dass Hoval die für Bioheizöl geeigneten Produkte als „zukunftsweisende Alternative“ in doppelter Hinsicht feiert.
Deutsche Hersteller hinken hinterher
So weit sind deutsche Branchengrößen noch nicht, wie Jörg Bonkowski von Buderus zugeben muss. Zwar betreibe die Bosch-Tochter Versuchsanlagen für die Nutzung biogener Brennstoffe, sagt Bonkowski. Doch aktuell sei kein Heizkessel von Buderus auf dem Markt, „der für den Einsatz reiner Biobrennstoffe geeignet ist“. Allerdings ist man am Firmenstandort Wetzlar zuversichtlich, dass „ein Serieneinsatz in der Zukunft möglich sein wird“. Wie hoch der Bioanteil eines Heizöls im Übrigen ist, zeigt die Produktbezeichnung. Eine Zumischung von fünf bis zehn Prozent Biokomponenten heißt Heizöl EL A Bio 5; B15 wiederum hat einen Bioanteil von zehn bis maximalen 14,9 Prozent.
Wichtig zu wissen: Der Mineralölhandel bietet nicht immer Bioheizöl an. Der Zugang zum Rohstoff kann also auch ein Aspekt beim Planspiel „Umrüstung“ sein. Für die Umrüstung lassen sich leider keine fixen Preise ermitteln, da jede Anlage geprüft werden muss. Ob sich Biobrennstoffe als teilweiser oder 100prozentiger Ersatz für fossiles Öl durchsetzen werden, ist längst nicht sicher. Neben technischen Herausforderungen und der Preisentwicklung der Rohstoffe bleibt auch abzuwarten, wie stark die Nutzung von Bioenergien zu einer unerwünschten Konkurrenz für die Nahrungsmittelerzeugung wird.