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Energietarife mit Vorauskasse

Risiko schreckt Verbraucher

26.01.2012 09:17
Von Matthias Kutzscher
Energieverträge mit Vorauskasse sind meist recht günstig. Bei einer Pleite des Versorgers kann das gezahlte Geld aber weg sein. Verbraucherschützer warnen daher davor. Auch Kunden verlieren zunehmend Vertrauen in Vorauskasse-Tarife.
Energietarife Vorauskasse: Risiko schreckt Verbraucher Finanzportal Biallo.de
Von Energietarifen mit Vorauskasse sollte man besser die Finger lassen
Jahrelang sind Energiediscounter mit immer denselben Tricks auf Kundefang gegangen: Dank Vorauskasse, hohem Wechselbonus und festen Abnahmepaketen für Strom und Erdgas konnten besonders günstige Tarife offeriert und Kunden überzeugt werden. Doch das Vertrauen von Verbrauchern in Billigangebote ist spürbar gesunken. Das ergab eine Umfrage von Forsa aus dem November und Dezember 2011. Das Meinungsforschungsinstitut hatte im Auftrag des Versorgers Lekker Energie bundesweit 2.000 Menschen befragt und festgestellt: Nur noch sechs Prozent der Deutschen würden sich heute bei Strom und Gas für einen Tarif entscheiden, bei dem am Anfang die Energielieferung etwa für ein oder sogar zwei Jahr bezahlt werden muss. Durchaus bemerkenswert ist, dass laut Forsa vor allem im Osten der Republik Vorauskasse-Tarife abgelehnt werden. In Leipzig, Halle und Dresden sind es demnach nur drei Prozent der Bevölkerung, die sich für einen solchen Tarif entscheiden würden.

Geschäftsmodell kritisch prüfen

Für Energieversorger wie die Berliner Flexstrom AG, deren Geschäftsmodell primär auf Vorabüberweisungen beruht, dürfte diese Skepsis erhebliche Folgen haben. Bleiben die regelmäßigen Geldspritzen der vor Belieferung zahlenden Kunden nämlich aus, drohen Liquiditätsengpässe. Genau das ist der inzwischen insolventen Teldafax zum Verhängnis geworden. Mit Energietarifen, die nicht kostendeckend waren, köderte die Troisdorfer Firma Kunden und betrieb so einen ruinösen Preiswettbewerb. Als das rasche Wachstum ausblieb, brach das Modell zusammen. Außenstände bei Lieferanten konnten nicht mehr beglichen werden. Hunderttausende Kunden dürften ihre Vorabzahlungen nie wieder sehen.
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Dass es zu einer weiteren „Marktbereinigung“ im Discount-Bereich kommt, da sind sich die Experten von A.T. Kearney sicher. In einer Studie Ende 2011 haben die Unternehmensberater nachgerechnet, dass Discountanbieter bereits vor Abzug der internen Vertriebskosten eine negative Rohmarge (Endkundenpreis abzüglich Steuern/Abgaben, Netzentgelt und Energiebeschaffungskosten) aufweisen würden. „Das unprofitable Geschäftsmodell lässt sich nicht nachhaltig fortführen. Discountanbieter benötigen zum Überleben eine grundlegende Änderung ihres Geschäfts“, so Andreas Stender, Co-Autor der Studie.
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Auf Reputation achten

Tarife mit Vorauskasse sind allerdings nicht in jedem Fall schlecht – wenn der Anbieter seriös und solvent ist. Heißt: Auf keinen Fall pleitegehen kann. Tatsächlich können Lieferanten mit Voraustarifen ihren Verwaltungsaufwand verringern, Bonitätsprüfen von Kunden müssen nicht mehr sein, die Rechnungsstellung wird vereinfacht, zudem lässt sich mit dem Geld vorausschauend planen. Im Gegenzug erhält der Kunde günstigen Strom oder günstiges Erdgas. Verbraucher sollten daher beim Wechsel des Energielieferanten unbedingt das Geschäftsmodell und die Reputation des künftigen Partners penibel prüfen. Wichtig dabei: Der genaue Blick ins Kleingedruckte der Tarife. Denn der Teufel steckt im Detail. So schrauben in der Regel Billiganbieter nach Vertragsabschluss die Energiekosten hoch. Häufig werden bei Verträgen mit zwei Jahren Laufzeit etwa die anfänglichen Preise nur für die ersten sechs Monate garantiert. „Kunden sollten daher von Unternehmen Abstand nehmen, die Vorkasse oder eine Kaution verlangen“, rät Gerd Billen, Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband.

Den richtigen Tarifrechner nutzen

Dank häufiger Klagen von Verbrauchern im vergangenen Jahr – alleine dem Vergleichsportal Verivox liegen nach eigenen Angaben rund 2.200 Kundenbeschwerden zum Lieferanten Flexstrom vor – haben mittlerweile auch viele Web-Tarifrechner die irreführenden Einstellungen „Vorauskasse“ und „Bonuszahlungen“ geändert. Denn ungünstige Voreinstellungen in den Online-Rechnern lassen nicht den tatsächlichen Preis erkennen. Biallo.de hat daher frühzeitig seinen Stromvergleichsrechner umprogrammiert und diese verbraucherunfreundlichen Voreinstellungen unterbunden.
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Leserkommentare

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26.01.2012 17:55 Uhr
erasmsu: Energietarife
Nicht immer ist das Billigste auch das Beste. Teldafx ist pleite. Hat von Tausenden Kunden Vorausszahlungen verlangt, liefert hierfür jedoch keinen Strom. Der Insolvenzverwalter schreibt die Kunden an und verlangt Geld, obwohl Teldafax nicht mehr liefert. Da wurden noch zwei andere Firmen gegründet, bevor Teldafax pleite ging. Abschlagzahlungen wurden falsch verbucht, ob versehentlich oder bewusst, kann ich nicht beurteilen. Die geleisteten Abschlagzahlungen wurden nicht für Teldafax gutgeschrieben. Obwohl Kunden bezahlt haben, fehlt das Geld. Wahrscheinlich wurde es wissentlich falsch verbucht, als man sah, dass Teldafax pleite geht und so die Insolvenzmasse niedrig hielt. Normalerweise wäre das ein Fall für den Staatsanwalt. Bin selber davon nicht betroffen, aber jede Menge ehem. Teldafaxkunden.
Foto: Colourbox.com ID:6410
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