
Private Energieversorger offerieren momentan 540 Förderprogramme für neue Gasheizungen - doch zumeist nicht ohne Eigennutzen
Seit dem Stopp des staatlichen Marktanreizprogramms für umweltschonende Wärmetechnologien Anfang Mai trommeln die Energieversorger vermehrt für die eigene Finanzunterstützung. Laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gibt es derzeit bundesweit fast 1.200 Zuschussprogramme. Doch Verbraucherschützer warnen, dass die Angebote meist nur den Vertrieb ankurbeln sollen.
Auf die süffisante Kritik folgte gleich die pragmatische Lösung: „Der Entschluss, das Anreizprogramm zu stoppen, ist bedauerlich. Die deutsche Energiewirtschaft unterstützt jedoch private Investitionen im Bereich der erneuerbaren Energien weiter engagiert“, ließ die BDEW-Vorsitzende Hildegard Müller nur wenige Wochen nach dem Aus der staatlichen Investitionsförderung verlauten und präsentierte flugs scheinbar beeindruckende Zahlen. So würden private Energieversorger momentan 540 Förderprogramme für neue Gasheizungen, 139 für den Einbau von Wärmepumpen, 129 für neue Solarthermie-Anlagen und 76 für Heizsysteme mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) offerieren, rechnete der BDEW vor.
Versorger unterstützen Sanierung
Typisch etwa sind Zuschüsse für neue Solarkollektoranlagen mit Heizungsunterstützung sowie die Umstellung der Heizung von Öl oder Nachtstrom auf Erdgas; dafür spendieren Versorger schon mal zwischen 250 und 1.500 Euro. Gutscheine oder günstige Darlehen können Verbraucher zudem einstreichen, wenn sie ihre Erdgasheizung per Brennwertkessel umrüsten oder ein kleines Erdgas-Blockheizkraftwerk installieren.
Tatsächlich ist die Förderpraxis vor allem regionaler und kommunaler Versorger hierzulande recht ausgeprägt: Die Energieagentur NRW etwa listet alleine für das bevölkerungsreichste Bundesland über 80 Finanzhilfen von Energieunternehmen auf – darunter sind Marktgrößen wie die Eon Westfalen Weser AG, die Kölner Rheinenergie und die RWE Vertrieb AG, aber auch kleine Versorger wie die Stadtwerke Ahlen, Lemgo und Wülfrath. Ähnlich sieht es in anderen Bundesländern aus. Für die BDEW-Vorsitzende Müller Grund genug zu jubeln: „Die beeindruckenden Zahlen machen deutlich, dass sich die Verbraucher auf die deutsche Energiewirtschaft verlassen können.“
Wechselmöglichkeiten bedenken
Doch für Verbraucherschützer hat die Charmeoffensive pro Öko-Heizungen der Energiewirtschaft vor allem wirtschaftliche Gründe: „Wer ein Programm in Anspruch nimmt, bindet sich für längere Zeit und kann dann nicht mehr zu einem anderen, günstigeren Strom- oder Erdgasversorger wechseln“, gibt Günter Neunert von der Energieagentur NRW zu bedenken und warnt: „Hinter den Angeboten steckt Eigennutz.“ Das bedeutet: Mit Strom-Sondertarifen etwa für neue Wärmepumpen-Anlagen werden Verbraucher geködert. Immerhin hat mittlerweile laut BDEW schon jeder fünfte Stromkunde seinen Versorger getauscht. Zudem denkt fast jeder zweite Kunde (43 Prozent) nach einer Studie des Marktforschungsinstituts Psychonomics darüber nach, demnächst zu wechseln.
Versorger werden wegen Wechselbereitschaft nervös
Die sinkende Loyalität macht die Versorger ohne Zweifel nervös: Kein Wunder also, dass immer wieder Anreize über Förderprogramme gesetzt werden und der Bundesverband das Engagement auch feiert. „Verbraucher sollten sich unbedingt von einem neutralen Energieberater darüber informieren lassen, was Bund, Länder und Kommunen sowie private Unternehmen bieten und dann exakt kalkulieren, welche Unterstützung sich wirklich lohnt“, rät Peter Blenkers. So weist der Experte von der Verbraucherzentrale Düsseldorf darauf hin, dass der Einbau einer Wärmepumpe nur Sinn mache, wenn der Wohnraum gut gedämmt und luftdicht sei sowie die Heizung mit niedriger Vorlaufzeit arbeiten würde. Unter dem Strich müssen also private Förderprogramme kritisch begutachtet werden.