Wer Anfang 2010 den Tank mit Heizöl befüllt hat, musste tief in die Tasche greifen. Zum Jahreswechsel erreichten die deutschen Heizölpreise mit über 62 Euro je 100 Liter ein 14-Monats-Hoch. Erst seit dem 15. Januar geben die Kurse wieder nach. Da der Verbrauch angesichts der eisigen Temperaturen derzeit hoch ist, stellt sich Frage: Wohin tendieren die Kurse in den nächsten Wochen?
Der Blick auf die heimischen Heizölpreise macht das Dilemma für Verbraucher deutlich: Zwar legten die Kurse 2009 im Schnitt zu. Deutliche Ausschläge zwischen 46 Cent pro Liter etwa im März und fast 60 Cent im Mai sorgten allerdings dafür, dass Käufer von einer kräftigen Unsicherheit verfolgt wurden. Selten war die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für die Heizöl-Bevorratung schwieriger zu beantworten als im vergangenen Jahr. Das Problem: Bislang setzt sich die Achterbahnfahrt 2010 fort – und macht den Einkauf weiterhin zu einem Vabanque-Spiel. Während noch am 8. Januar die Heizölpreise mit über 62 Cent pro Liter auf ein neues 14-Monats-Hoch kletterten, rutschten sie Ende Januar wieder deutlich ab. So kosteten 100 Liter am 25. Januar in Karlsruhe oder Düsseldorf nur noch rund 55 Euro.
Hohe Füllstände wirken preisdämpfend
Ein klarer Trend ist also nicht auszumachen. Das bestätigt auch Hans-Jürgen Funke: „Die Preisentwicklung ist momentan erneut besonders schwierig zu analysieren“, sagt der Geschäftsführer des Verbandes für Energiehandel Südwest-Mitte (VEH). Einerseits schiebt der strenge Winter, der neben Europa auch die USA seit Januar 2010 fest im Griff hat, die weltweiten Ölpreise und damit auch die Heizkosten zu Hause. Andererseits bremsen die relativ hohen US-Lagerbestände, die schwachen Aktienmärkte sowie die stockende Konjunkturerholung die Preisspirale.
Dämpfend wirke sich zudem aus, dass die Füllstände der Tanks bundesweit mit gut 60 Prozent derzeit recht hoch seien, erläutert Funke. Unter dem Strich rechnet der VEH-Geschäftsführer daher nicht damit, dass sich die Heizölpreise in den nächsten Wochen signifikant noch oben bewegen.
Konjunktur und Spekulanten könnten für Auftrieb sorgen
Gleichwohl bleibt eine hohe Unwägbarkeit im Markt: Denn noch ist nicht klar, wie sich die nationale und internationale Konjunktur 2010 entwickelt. Kaum ein Ökonom wagt sich aktuell mit eindeutigen Aussagen auf das glatte Parkett der Prognosen. Zwar sind sich die meisten Auguren einig, dass es in Nordamerika, Asien und Europa wieder bergauf geht. So hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im Januar für die heimische Wirtschaft die Vorhersage auf 2,1 Prozent Wachstum angehoben. Doch „an den Folgen der Krise werden wir lange zu tragen haben“, schränkte DIW-Präsident Klaus Zimmermann ein.
Allenfalls leicht steigende Preise zu erwarten?
Für die Rohöl- und Heizölpreise bedeutet das: Erholt sich die Konjunktur so moderat, wie die Prognosen orakeln, müssten Verbraucher in den nächsten Monaten allenfalls leicht anziehende Preise befürchten. Melden Leitökonomien wie die USA, der EU-Raum oder auch Japan aber überraschend gute Konjunkturdaten, werden Spekulanten wieder mit Macht in den Markt schwärmen und die Preise künstlich nach oben treiben.