Tausende sogenannte Zuhause-Kraftwerk sollen in den Kellern von Privathäusern installiert werden
Deutschlands größter Autobauer VW und der Hamburger Energieanbieter Lichtblick haben vor kurzem mit einem Konzept überrascht. Gemeinsam wollen sie bis zu 100.000 kleine Blockheiz-Kraftwerke in Wohnhäuser einbauen, mit der produzierten Energie zwei Atommeiler ersetzen und die Marktmarkt der großen Versorger E.On, RWE, EnBW und Vattenfall aushebeln. Was ist davon zu halten?
Ökostrom vor allem aus Windkraft nimmt in Deutschland stetig zu. Derzeit tragen erneuerbare Energien etwa 15 Prozent zur Stromversorgung bei. Bis 2020 steigt der Anteil regenerativer Energie nach Prognosen des Bundesumweltministeriums auf 30 Prozent. Weil jedoch Energie aus Wind nur ungleichmäßig fließt, wird die Koordination von Produktion und Stromverbrauch immer schwieriger. Hier setzt das Konzept von VW und Lichtblick an.
Das Kalkül: Der Autobauer soll Blockheiz-Kraftwerke (BHKW) herstellen, die von Gasmotoren angetrieben werden und einen Wirkungsgrad von über 90 Prozent haben. Lichtblick will die Anlagen als „ZuhauseKraftwerke“ vertreiben und sie für ein neues Versorgungsprinzip nutzen. Dank intelligenter Steuerung und Vernetzung sollen viele kleine Anlagen genau dann zu einem virtuellen Großkraftwerk gekoppelt werden, wenn am Markt eine hohe Stromnachfrage besteht. Die installierte Leistung von 100.000 Mini-BHKW würde etwa der Kapazität von zwei Atomkraftwerken entsprechen und die Meiler damit obsolet machen.
Das ist ein klarer Angriff auf die Marktmacht der etablierten Versorger E.On, RWE, Vattenfall und EnBW. Denn das Konzept strebt einen Paradigmenwechsel in der Stromversorgung an. Statt schwerfälliger und ökologisch bedenklicher Kohle- oder Gaskraftwerke entsteht ein flexibles System, in dem sich schwankende regenerative Energien einerseits, steuerbare Öko-Kraftwerke sowie zusätzliche Speichermöglichkeiten andererseits ergänzen.
Kellerkraftwerk für Privathäuser
Doch wie funktioniert das praktisch? Geplant ist, die Mini-BHKW in den Kellern normaler Häuser zu installieren. Für den wirtschaftlichen Betrieb muss der Gasverbrauch allerdings bei mindestens 45.000 Kilowattstunden (kWh) liegen. Die „ZuhauseKraftwerke“ eignen sich also erst für größere und ältere Einfamilienhäuser mit hohem Wärmebedarf, für Zwei- und Mehrfamilienhäuser, für öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten sowie für kleine Gewerbetriebe. Dort sollen die Mini-BHKW dann Wärme für Heizungen und Warmwasserbedarf erzeugen – und bei Bedarf riesige Mengen Strom ins öffentliche Netz einspeisen. Der sogenannte „SchwarmStrom“ mache so den Weg frei für mehr erneuerbare Energien und den Ausstieg aus Kohle- und Atomstrom, heißt es bei Lichtblick.
Nach Angaben des Hamburger Energieversorgers muss eine Anlage dank einer thermischen Leistung von 34 kWh nur wenige Stunden am Tag laufen, um den Wärmebedarf eines Gebäudes zu decken. Die Wärme wird gespeichert und kann jederzeit für Dusche oder Heizung abgerufen werden. Die Stromproduktion wird dank zentraler Steuerung dann angeworfen und sofort ins Netz eingespeist, wenn die Nachfrage besonders hoch ist.