
Die verschiedenen Gütesiegel beim Ökostrom unterscheiden sich durch ihre „ökologische Korrektheit“
Ökostrom ist längst kein Nischenprodukt mehr. Die Zahl der Kunden, die auf Elektrizität aus erneuerbaren Energiequellen wie Sonne, Wind oder Erdwärme setzen, steigt hierzulande stetig an. Doch Kunden dürfen nicht zu leichtgläubig sein: Denn Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom.
Mehr als 2,1 Millionen Haushalte haben sich einer Studie von „Energie & Management“ zufolge in Deutschland mittlerweile für Ökostrom entschieden. Das entspreche nahezu einer Verdoppelung gegenüber 2007, teilte die Fachzeitschrift im Juni 2009 mit. Bei 39 Millionen Haushalten hierzulande beziehen also bereits gut fünf Prozent aller Kunden Ökostrom. Neben einem Dutzend Unternehmen, die nur Naturstrom anbieten, stellen nach Angaben des Saarbrücker Energieexperten Uwe Leprich rund die Hälfte der etwa 1.000 klassischen Stromversorger spezielle Ökostrom-Produkte bereit. Das zunehmende Geschäft mit Umweltbewusstsein elektrisiert also den Markt. Doch was genau ist Ökostrom? Und: Wie können Kunden erkennen, dass sie wirklich das erhalten, was ihnen versprochen wurde?
Öko versus Egal
Zur Definition: Als Ökostrom wird Energie bezeichnet, die auf ökologisch vertretbare Weise aus erneuerbaren Quellen wie Sonne, Wind, Biomasse oder Erdwärme stammt. „Normale“ Elektrizität – auch Egalstrom genannt – wird dagegen per Kernkraft, Erdgas oder Erdöl hergestellt. Das Problem: Der Strom, der beim Kunden tatsächlich ankommt, ist in der Regel nicht derjenige, der auch bestellt wurde. Denn physikalische Stromflussregeln sorgen dafür, dass Häuser und Wohnungen immer aus dem Kraftwerk versorgt werden, das dem Abnehmer am nächsten ist. Um dennoch Verbrauchern gegenüber ökologische Produktion belegen zu können, wurden Erzeugungs-Zertifikate eingeführt.
Gütesiegel unterscheiden sich
Die verschiedenen Gütesiegel und Label unterscheiden sich jedoch durch ihre „ökologische Korrektheit“. Das heißt: Jeder deutsche Stromanbieter hat heute im Angebot anteilig rund 17 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien – und zwar vor allem aus alten Wasserkraftwerken in Deutschland, Österreich, Frankreich oder Schweden. Diese Portion verteilen konventionelle Anbieter gerne um und vertreiben sie als Ökostrom; und zwar ohne Zertifikat. Denn die anderen Kunden des Versorgers erhalten entsprechend mehr Strom aus normalen Quellen, es tritt also kein Umwelteffekt auf. Im Gegensatz dazu bieten reine Ökostrom-Versorger auch quasi reine Tarife. Dazu gehören die Unternehmen Greenpeace energy, Lichtblick, Naturenergie AG, Naturstrom AG, die Energiedienst AG oder auch die Elektrizitätswerke Schönau. Ihre Angebote sind auch durchweg zertifiziert.
Zusätzlicher Umweltnutzen wichtig
Bei der Bewertung von Ökostrom ist allerdings entscheidend, ob zusätzliche Strommengen umweltfreundlich hergestellt wurden und damit eine echte Entlastung erreicht wurde. Tarife, die das „Grüner Strom Label“, das „OK Power Label“ oder auch eine Zertifizierungen der großen TÜV-Gesellschaften erhalten, dokumentieren diesen ökologischen Zusatznutzen in der Regel. Denn die zertifizierten Anbieter verpflichten sich, neue erneuerbare Produktionskapazitäten aufzubauen. Da Ökostrom ein Vertrauensgut ist und der Markt aufgrund der vielen Angebote recht unübersichtlich ist, empfiehlt es sich also, die Zertifikate und Label der Anbieter genau zu hinterfragen.