Laut dem unabhängigen Freiburger Öko-Institut können Haushalte derzeit aus 16 bundesweiten sowie aus über 120 regionalen Angeboten wählen, die alle einen Zusatznutzen haben. Das ist der Fall, wenn der Strom aus neuen Kraftwerken stammt oder ein Teil des Stompreises in den Bau neuer Anlagen auf Basis erneuerbarer Energien oder Kraft-Wärme-Kopplung fließt.
Doch das Wechselverhalten pro Öko stagniert. Ähnlich wie Greenpeace Energy, die 2010 ihre Kundenbasis um gerade 1.000 auf 96.000 Bezieher ausbauen konnten, dürfte es der gesamten Branche gegangen sein. "Der Zuwachs war gering", bestätigt Martin Schaefer, Sprecher der Genossenschaft. Die Komplexität des Produkts und die Vielzahl der Tarife sind ohne Zweifel Gründe dafür.
Vielfältige Ökostrom-Angebote
Die Unterscheidung der Freiburger Wissenschaftler macht es deutlich: Wo Öko drauf steht, ist nicht immer Öko drin. Heißt: Neben einem Dutzend Unternehmen, die "wertvollen" Naturstrom anbieten, stellen nach Angaben des Saarbrücker Energieexperten Uwe Leprich rund die Hälfte der etwa 1.000 klassischen Stromversorger spezielle Ökostrom-Produkte bereit. Und viele davon halten nicht, was sie versprechen.
Öko versus Egal
Zur Definition: Als Ökostrom wird Energie bezeichnet, die auf ökologisch vertretbare Weise aus erneuerbaren Quellen wie Sonne, Wind, Biomasse oder Erdwärme stammt. „Normale“ Elektrizität – auch Egalstrom genannt – wird dagegen per Kernkraft, Erdgas oder Erdöl hergestellt. Das Problem: Der Strom, der beim Kunden tatsächlich ankommt, ist in der Regel nicht derjenige, der auch bestellt wurde. Denn physikalische Stromflussregeln sorgen dafür, dass Häuser und Wohnungen immer aus dem Kraftwerk versorgt werden, das dem Abnehmer am nächsten ist. Um dennoch Verbrauchern gegenüber ökologische Produktion belegen zu können, wurden Erzeugungs-Zertifikate eingeführt.
Gütesiegel unterscheiden sich
Die verschiedenen Gütesiegel und Label unterscheiden sich jedoch durch ihre „ökologische Korrektheit“. Das heißt: Jeder deutsche Stromanbieter hat heute im Angebot anteilig rund 17 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien – und zwar vor allem aus alten Wasserkraftwerken in Deutschland, Österreich, Frankreich oder Schweden. Diese Portion verteilen konventionelle Anbieter gerne um und vertreiben sie als Ökostrom; und zwar ohne Zertifikat. Denn die anderen Kunden des Versorgers erhalten entsprechend mehr Strom aus normalen Quellen, es tritt also kein Umwelteffekt auf. Im Gegensatz dazu bieten reine Ökostrom-Versorger auch quasi reine Tarife. Dazu gehören die Unternehmen Greenpeace Energy, Lichtblick, Naturenergie AG, Naturstrom AG oder auch die Elektrizitätswerke Schönau. Ihre Angebote sind auch durchweg zertifiziert.
Zusätzlicher Umweltnutzen wichtig
Bei der Bewertung von Ökostrom ist allerdings entscheidend, ob zusätzliche Strommengen umweltfreundlich hergestellt wurden und damit eine echte Entlastung erreicht wurde. Tarife, die das „Grüner Strom Label“, das „OK Power Label“ oder auch eine Zertifizierungen der großen TÜV-Gesellschaften erhalten, dokumentieren diesen ökologischen Zusatznutzen in der Regel. Denn die zertifizierten Anbieter verpflichten sich, neue erneuerbare Produktionskapazitäten aufzubauen. Da Ökostrom ein Vertrauensgut ist und der Markt aufgrund der vielen Angebote recht unübersichtlich ist, empfiehlt es sich also, die Zertifikate und Label der Anbieter genau zu hinterfragen.