
Den Stromanbieter zu wechseln ist erheblich einfacher, als viele Verbraucher denken
Politiker und Verbraucherschützer rufen dazu auf – aber noch viel zu wenige Verbraucher wagen ihn: den Wechsel des Stromanbieters. Gerade in Zeiten zahlreicher Preiserhöhungen zum Jahreswechsel – und zum Teil irreführender Begründungen – sollten Verbraucher ihre Macht nutzen und dem zu teuren Anbieter den Rücken kehren.
40 Anbieter haben laut Biallo-Kooperationspartner Verivox bereits eine Strompreiserhöhung für den Jahreswechsel angekündigt. Experten rechnen damit, dass noch weitere Versorger nachziehen werden. Durchschnittlich steigen die Preise um fünf Prozent. Für eine Familie, die im Jahr 4.000 Kilowattstunden (kWh) verbraucht, ist das eine Mehrbelastung von immerhin knapp 50 Euro pro Jahr.
Börsenpreise halbiert
Der Strompreis ist seit dem Jahr 2000 jährlich gestiegen – mittlerweile um 40 Prozent. Begründet wird der Anstieg gewöhnlich mit hohen Beschaffungskosten. Zwar haben sich die Börsenpreise für Strom im Vergleich zum Rekordhoch im Sommer 2008 mehr als halbiert, jedoch haben viele Energieversorger Strom für mehrere Jahre im voraus eingekauft. Verbraucher müssen hier die verfehlte Einkaufsstrategie der Stromkonzerne ausbaden.
“Das Ärgerliche sind nicht einmal nur die Strompreiserhöhungen an sich, sondern auch die Begründungen dafür“, sagt Matthias Kurth, Chef der Bundesnetzagentur, gegenüber der Süddeutschen Zeitung. „Erneuerbare Energien lassen Strompreis steigen“ betitelte der Stromkonzern Vattenfall kürzlich eine Pressemitteilung und rechtfertigt so seine angekündigte Preiserhöhung in Hamburg im Grundversorgungstarif für Privatkunden um 4,4 Prozent.
Hintergrund: Das Unternehmen verweist auf das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das die Weiterentwicklung von Technologien zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Quellen fördern soll. Es sichert den Betreibern beispielsweise von Solar- oder Windkraftanlagen feste Einnahmen und ist als Umlage Teil des Strompreises.
Zwei Cent für erneuerbare Energien
Die Bundesnetzagentur hat jedoch ermittelt, dass die zunehmende Einspeisung erneuerbarer Energien gerade einmal eine Erhöhung von 0,2 Prozent je Kilowattstunde ausmache. Bei einem Strompreis von rund 20 Cent lassen sich so kaum Teuerungen von im Schnitt fünf Prozent begründen. „Nicht die Erhöhung beträgt zwei Cent, sondern die gesamte Umlage für erneuerbare Energien“, so Matthias Kurth. „Außerdem blenden die Unternehmen aus, dass es auch Kostensenkungen gab.“
Verbraucher sollten nun die Gunst der Stunde nutzen, ungerechtfertigte Preiserhöhungen mit einem Anbieterwechsel kontern und so den Wettbewerb weiter in Schwung bringen. „Jetzt ist die Stunde des Kunden“, sagt Kurth. Habe eine Fluggesellschaft überteuertes Kerosin eingekauft und würde die Mehrkosten an die Passagiere weitergeben, würden diese schließlich auch ihre Tickets bei einem anderen Anbieter kaufen.
Wechselwille wächst
Und tatsächlich steigt der Wechselwille der Verbraucher. Laut einer aktuellen Umfrage der Kölner Marktforscher „YouGovPsychonomics“ möchten mehr als die Hälfte aller Befragten im Alter von 21 bis 50 Jahren den Stromanbieter wechseln.