
In Sonnenkraft zu investieren, ist auch ohne eigene Solaranlage möglich
Hauseigentümer können mit Sonnenkraft ohne eigene Photovoltaikanlage Geld verdienen. Der Trick: Das Dach wird an Investoren vermietet, die Solarzellen installieren. Der Betreiber profitiert aufgrund der gesetzlich garantierten Einspeisvergütung, Dachbesitzer kassieren Pacht. Mit der stufenweisen Rückführung der Solarförderung stellt sich die Frage: Lohnt das Geschäft noch?
Wie Pilze sind Dachbörsen in den vergangenen Jahren aus dem Boden geschossen. Das Konzept dahinter: Eigentümer von Liegenschaften und Anleger, die in Photovoltaik auf fremden Dächern investieren wollen, werden verkuppelt. Angelockt von mühelosen Pachteinnahmen und zweistelligen Bruttorenditen dank günstiger Finanzierungskonditionen, staatlicher Förderung sowie Steuervorteilen andererseits, entwickelte sich ein reger Tausch. Städte wie Berlin und Bremen, Nürnberg, Mannheim und Stuttgart betreiben virtuelle Solardachbörsen ebenso wie die Regionen Harz, Sachsen oder auch Rhein-Neckar. Zudem stürzten sich Dutzende Unternehmen auf das Geschäft und bauten Vermittlerportale im Internet auf.
Vermittlerportale für Solaranlagen
Ob solardachboerse-nordwest.de, sonnengaertner.de oder alpensolar.de: Das rentierliche Modell fand bei Hausbesitzern und Kapitalanlegern reißend Absatz. „Die Nachfrage ist 2009 und 2010 stetig gestiegen“, bestätigt David Gerlach von der Internetseite solaranlagen-portal. Offizielle Statistiken belegen: Ende 2009 gab es in Deutschland bereits mehr als zwei Millionen Solaranlagen mit einer Leistung von 10.000 Megawatt. Damit lassen sich rund zwei Prozent des hiesigen Stromverbrauchs decken.
Starkes Interesse bei Investoren
2010 dürfte sich der Trend fortsetzen. Alleine im ersten Quartal wurden der Bundesnetzagentur 30.000 neue Solaranlagen mit 714 Megawatt gemeldet. Zwar lässt sich kaum kalkulieren, wie viele private beziehungsweise institutionelle Projekte für Sonnenstrom sorgen. Doch beim Blick in die Dachbörsen der Republik wird klar: Tausende Investoren suchen auf Eigenheimen, Bauernhöfen, Scheunen, Supermärkten oder öffentlichen Gebäuden Flächen für Solaranlagen. „Wir haben seit letztem Jahr eine stark steigende Investorennachfrage gehabt“, bestätigt Hartmut Eichhorn von der Bremer Umweltbehörde, einem der Initiatoren der Solardachbörse-Nordwest.
Ob der Boom – nirgends in der Welt wurden bislang so viele Solarstromanlagen installiert wie in Deutschland – allerdings anhält, ist unsicher. Nach der Anfang Juli 2010 beschlossenen Kürzung der Solarförderung lautet die Frage: Lässt sich noch Geld mit Photovoltaik verdienen? Für Hausbesitzer gilt: Die Höhe der Pacht hängt vom Standort, der Flächengröße, der Ausrichtung gen Süden, dem Neigungswinkel sowie der Qualität des Daches ab. Bislang wurden Sätze von etwa 30 bis rund 80 Euro pro Quadratmeter auf 20 Jahre hochgerechnet überwiesen. Ein 300 Quadratmeter großes, schräges Scheunendach in Südrichtung bei München konnte durchaus 18.000 bis 20.000 Euro einbringen. Nach der Subventionskürzung - bis Januar 2012 sieht die EEG-Novelle eine Rückführung der Förderung in vier Schritten um bis zu 50 Prozentpunkte vor - werden Betreiber von Solaranlagen nun im Einzelfall sehr exakt kalkulieren müssen.