Wegen der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise notieren manche Bonds erheblich unter ihrem Nominalwert. Manche Anleger halten solche Kurse für eine gute Einstiegsgelegenheit, schließlich winken hohe Gewinne, außerdem stützen die Regierungen Banken und Autoindustrie nach Kräften. Doch gilt dies für jedes Szenario? Finanzexperte Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen ist skeptisch: „Die Krise ist noch nicht ausgestanden, Anleihekurse von 60 Prozent und weniger sind kein Einstiegsgrund.“ Privatanleger seien mit 3,5 Prozent Festzinsen von der Hausbank auf der sicheren Seite.
Wer sich dennoch für Unternehmensanleihen entscheidet, kann seine Anleihen jederzeit über die Bank an der Börse verkaufen. Dabei hängt der Preis vom Kursstand ab, der sich wie oben beschrieben nach Angebot und Nachfrage richtet. Trennt man sich von einem Papier mit vergleichsweise hohem Kupon, wird man in aller Regel einen guten Preis erzielen. Denn weisen die Kupons neu emittierter Anleihen eine niedrigere Verzinsung auf, so wird die Nachfrage nach dieser Anleihe hoch sein und der Kurs sehr wahrscheinlich über 100 Prozent notieren (über Pari) – das verspricht Kursgewinne. Entsprechendes gilt aber auch umgekehrt.
Wichtig für Anleger ist, dass der Emittent einer Anleihe berechtigt ist, diese vorzeitig zu kündigen. Die Anleihe läuft dann nicht bis zum vereinbarten Laufzeitende, sondern sie wird vorher zurückgezahlt. Dies ist für den Schuldner vor allem dann sinnvoll, wenn die Zinsen gesunken sind. Er tilgt die alten, vergleichsweise teuren Anleihen, und legt zugleich neue, niedrig verzinste Schuldverschreibungen auf.
Der Anleger ist in diesem Fall benachteiligt, weil er einen Zinsausfall erleidet. Um das Minus abzufedern und den Gläubiger nicht vollständig zu verprellen, versüßt der Schuldner die Kündigung meist mit einem Aufschlag auf den aktuellen Rückzahlungskurs oder mit einem extra Zinsbonus. Dem Anleger bleibt in diesem Fall nichts anderes übrig, als sich eine neue Anleihe zu suchen. Tipp: Manche Emittenten verzichten bei der Ausstattung ihrer Anleihe auf das Kündigungsrecht, das erhöht die Anlagesicherheit.
Weniger riskant sind dagegen Fonds für Unternehmensanleihen. Ein Bündel von Einzelanleihen streut das Ausfallrisiko, zudem investieren die Fonds vorrangig in Papiere mit hoher Bonität.