Ratingagenturen benoten vieles, auch die Qualität von Investmentfonds. Ein Persilschein für hohe Erträge sind Top-Noten aber nicht, denn die Ratings fußen auf Ergebnissen aus der Vergangenheit.
Wer sein Geld in
Investmentfonds anlegen will, der hat die Qual der Wahl zwischen vielen tausend Produkten. Die Anbieter von Fondsratings wollen Sparer bei der Suche nach dem richtigen Fonds unterstützen. Mit Hilfe ihrer Einschätzungen ordnen sie Fonds verschiedenen Qualitätsstufen zu. Die Idee scheint verlockend: Statt selbst mühevoll Schneisen in den Fondsdschungel zu schlagen, können sich Anleger bequem zurücklehnen. Sie brauchen nur die vorsortierte Liste der Fonds mit Top-Bewertung – zum Beispiel fünf Sterne oder die Note A – zu nutzen. Doch so einfach ist die Sache nicht. „Fondsratings haben ihre Tücken und Unwägbarkeiten“, sagt Thomas Bieler von der Direktbank ING-Diba. Erfolge aus der Vergangenheit ließen sich nicht ohne weiteres in die Zukunft projizieren. Zunächst einmal sollten Anleger wissen, wie die Bewertungen erstellt werden und welche Unterschiede es dabei gibt. Die Ratingagenturen arbeiten in der Regel mit zwei verschiedenen Grundmustern, dem quantitativen Fondsrating und dem qualitativem Rating.
- Quantitative Fondsratings: Bei diesen Analysen werten die Agenturen in erster Linie umfangreiches Zahlenmaterial aus. Untersucht wird zum Beispiel wie der einzelne Fonds bei der Wertentwicklung im Vergleich zu seinen Mitbewerbern über kurze und lange Zeiträume hinweg abgeschnitten hat. Ob er sich sowohl in steigenden als auch in fallenden Märkten bewährt hat und ob er im Verhältnis zu Fonds mit ähnlichem Anlageschwerpunkt eher höhere oder niedrigere Risiken eingeht. Auch die Fondskosten werden untersucht und dargestellt.
- Qualitatives Rating: Die Bewertung baut hierbei meist auf den Ergebnissen des quantitativen Ratings auf und ergänzt dieses durch die Prüfung von Fondsmerkmalen, die sich nicht in Zahlen fassen lassen. Die Analysten nehmen dabei zum Beispiel die Organisationsprozesse der Fondsgesellschaft sowie die Qualifikation und Erfahrung der Fondsmanager unter die Lupe. Oft erfolgt ein solches qualitatives Rating im Auftrag des Fondsanbieters, der das Ratinghaus dafür bezahlt.
Bewertungsschema nicht einheitlich
Das Gesamtergebnis des geprüften Fonds setzen die Ratingagenturen dann in Relation zu den Ergebnissen der Konkurrenten im gleichen Anlagesegment. Die Ratinganbieter Morningstar, Feri und Lipper unterteilen die Fonds dabei in fünf Kategorien. Die beiden obersten Qualitätsstufen stehen für „weit überdurchschnittlich“ und „überdurchschnittlich“. Allerdings unterscheidet sich die Berechnungsweise je nach Ratinganbieter. Auch die Bewertungskriterien fließen nicht immer mit dem gleichen Gewicht ein. Dies hat zur Folge, dass ein und derselbe Fonds von den Ratingagenturen unterschiedliche Bewertungen erhalten kann.
Grundsätzlich haben aber alle Fondsratings ein zentrales Problem: Sie basieren allein auf einer Betrachtung der Vergangenheit. „Eine daraus abgeleitete Zukunftsprognose ist deshalb mit Vorsicht zu genießen“, so Bieler.
So könne sich beispielsweise ein Wechsel des Fondsmanagers, eine Änderung der Strategie oder die Fusion mit einer anderen Fondsgesellschaft deutlich auf die künftige Wertentwicklung auswirken. Doch damit nicht genug. Der Finanzexperte kritisiert weiter: „Weil die Produkte immer mit den Wettbewerbern im gleichen Anlagesegment verglichen werden, sagt das Rating wenig über das Gesamtrisiko aus, das der Anleger beim Kauf eingeht. So bleibt ein Rohstoff-Aktienfonds stets riskantes Investment, auch wenn er die beste Bewertungsstufe aufweisen kann.“
Tipp: Anleger sollten Ratings bei der Fondsauswahl nutzen, aber nicht überbewerten. Sinnvoll ist es, zuerst zu überlegen, welche Fondskategorien für die Geldanlage überhaupt infrage kommen, und die Ratings erst danach als Entscheidungshilfe für die Wahl des konkreten Fonds hinzuziehen. Dabei sollte man die Bewertungen mehrerer Ratinghäuser anschauen. Weichen deren Urteile voneinander ab, ist das ein Grund, den Fonds noch genauer zu prüfen.
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