Eigentlich ist es ja schon ärgerlich genug, dass einige offene Immobilienfonds schon seit längerem geschlossen sind. Doch noch ärgerlicher ist, was Halter dieser Fonds immer mal wieder in ihrem Briefkasten finden: dubiose Kauf- oder Umtauschangebote für ihre Anteile.
Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (NRW) warnt Anleger ausdrücklich vor dubiosen Kauf- und Umtauschangeboten für Anteile von derzeit geschlossenen
Offenen Immobilienfonds. Etliche Fonds nehmen zum Teil seit Jahren keine Anteile mehr zurück. Der Verkauf der Papiere ist derzeit nur über die Börsen möglich, meist allerdings zu satten Abschlägen auf den offiziellen von den Fondsgesellschaften bekannt gegebenen Anteilswert.
Kein Wunder, dass es Geschäftemacher gibt, die aus der Sorge der Anleger Profit schlagen möchten: Einige Firmen nutzen die Angst der Anleger, um ihnen zweifelhafte Angebote zum Kauf oder Umtausch von Anteilen an
vorübergehend oder dauerhaft geschlossenen Offenen Immobilienfonds zu unterbreiten.
Depotbanken verschicken dubiose Angebote
Das Problem daran: Anleger bekommen diese zweifelhaften Angebote von ihrer Depotbank zugeschickt. Das könnte daher den Eindruck erwecken, es handele sich um seriöse Angebote. Dabei leiten die Banken derartige Angebote Offerten, sofern sie im elektronischen Bundesanzeiger veröffentlicht werden, quasi automatisch informationshalber an ihre Kunden weiter. Denn laut Allgemeiner Geschäftsbedingungen vieler Banken ist das Weiterleiten öffentlicher Angebote durch die depotführende Stelle ein ganz und gar üblicher Vorgang, die Bank prüft das Angebot in aller Regel inhaltlich überhaupt nicht.
Ein Beispiel, auf das die Verbraucherzentrale NRW aufmerksam gemacht hat: Eine Mini-GmbH bot im Zuge eines über den elektronischen Bundesanzeiger veröffentlichten Angebotes "39 Euro je Fondsanteil" für den Fonds Degi Europa. Das lag zwar deutlich über dem derzeit erzielbaren Preis für die Anteile an der Börse. Doch der Haken an der Offerte lag woanders: Die 39 Euro sollen keineswegs in bar an die Fondsanleger fließen. Jeweils ein Anteil des Degi Europa sollte vielmehr in 10 Aktien einer kleinen, nicht-börsennotierten AG eingetauscht werden – die folglich nur schwer verkäuflich sind. Auch ob der versprochene Wert der Aktien realistisch ist, können Anleger nicht überprüfen.
Es gibt immer wieder auch eine weitere Spielart solcher dubioser Übernahmeofferten: Manchmal wird den Besitzern offener Immofonds auch eine Bar-Abfindung angeboten, die dann aber in aller Regel deutlich unter dem Kurs liegt, der zumindest an der Börse für die Anteile erzielt werden könnte – „wohl in der Hoffnung, dass wenig Informierte zugreifen und den aufkaufenden Unternehmen einen schnellen Gewinn ermöglichen“, vermutet man bei der VZ NRW. Deshalb rät Annabel Oelmann, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale NRW: „Wer derzeit mit Offenen Immobilienfonds schlechte Erfahrungen macht, sollte solchen Angeboten mit großer Vorsicht begegnen. Es droht, dass man vom Regen in die Traufe kommt.“