Grund 5: Staatsanleihen überwiegend Inlands-finanziert
Ein wichtiges Kriterium für die Finanzierbarkeit hoher Staatsverschuldung ist, inwieweit sich ein Staat im eigenen Land finanzieren kann, bzw. ob er im Umkehrschluss stark von ausländischen Investoren zur Finanzierung seines Staatshaushalts abhängig ist. Nach diesem Kriterium ist Griechenland sehr verwundbar, wird doch ein großer Teil seiner Staatsanleihen von Ausländern gehalten (im Ausmaß von 99 Prozent des BIP, versus rund 17 Prozent im Inland).
Das erklärt auch zu einem guten Teil, warum die USA (nur 24,7 Prozent der Staatsschuld in Prozent des BIP im Ausland gehalten) bzw. Japan (13,7 Prozent) bisher noch keine größeren Probleme mit der Finanzierung ihrer Staatsschuld hatten. Auch hier zählt Spanien zu den eher solide aufgestellten Ländern, werden doch nur Staatsanleihen im Gegenwert von 26,9 Prozent des BIP im Ausland gehalten (Italien: 56 Prozent).
Aber - egal ob die Fundamentaldaten eines Landes relativ gut oder schlecht sind:
Wenn ein Land wegen - begründeter oder unbegründeter - Sorgen am Markt über längere Zeit keinen Zugang zu neuer Finanzierung hat, um seine alten Schulden zu refinanzieren und zusätzlich dazu auch keine Überbrückungshilfe von EU oder vom Internationalen Währungsfonds (IWF) zu bekommen ist, dann ist eine Restrukturierung, ein Zahlungsausfall seiner Schulden unvermeidbar, egal wie niedrig sein Verschuldungsniveau ist.
Außerdem können noch so gute Fundamentaldaten eines Landes nicht verhindern, dass es zu einem (weiteren) Abverkauf kommt, und die Risikoaufschläge kurzfristig weiter steigen, wenn die Angst der Investoren weiter steigt. Das gilt leider auch für Spanien.
Derartig gefährliche Marktpaniken können schlimmsten falls nur mehr durch substanzielle Maßnahmen der wirtschaftspolitischen Institutionen gestoppt werden. Im konkreten Fall könnte dies ein Eingreifen der Europäischen Zentralbank (EZB) sein, bevor es zu einem Zahlungsausfall anderer Länder der Eurozone (inklusive Spaniens) kommt.
Grund 6: Hohe Glaubwürdigkeit Spaniens bei Budgetkonsolidierung
Von dieser Seite dürfte in den kommenden Jahren zwar noch einiges an Belastung auf die öffentlichen Haushalte zukommen, so die Finanzmarkt-Profis der Raiffeisen Zentralbank, aber auch hier präsentiert sich Spanien nicht schlechter als andere Länder, die derzeit nicht in der Schusslinie stehen. Außerdem kann Spanien auf erfolgreiche Budgetkonsolidierungen in der jüngsten Vergangenheit zurückblicken, so dass die Glaubwürdigkeit in Bezug auf die kommende Budgetkonsolidierung recht hoch ist.