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Angriff der Spekulanten

Warum Spanien nicht Griechenland ist

16.06.2010 10:38
Von Erwin J. Frasl
Eurokrise Finanzkrise Angriff der Spekulanten Warum Spanien nicht Griechenland ist
Unruhe kennzeichnet den Finanzmarkt, was Portugal und Spanien anlangt. Aber Spanien ist nicht Griechenland. In sechs wichtigen Punkten unterscheidet sich Spanien erheblich von den Hellenen.
Die Staaten der Eurozone haben mit ihrer Milliarden-Nothilfe für Griechenland einen Damm gebaut, der verhindern soll, dass weitere Länder der Eurozone in den Sog der Spekulanten geraten, die Griechenland und damit den Euro massiv attackiert haben.

Für die Finanzmarkt-Profis der österreichischen Raiffeisen Zentralbank (RZB) gibt es aber gewichtige Gründe, warum sich die wirtschaftliche Lage in Spanien fundamental von der wirtschaftlichen Situation Griechenlands unterscheidet.

Grund 1: Die Staatsverschuldung Spaniens ist geringer als die Deutschlands

Laut der jüngster Hochrechnung der EU-Kommission wird die öffentliche Verschuldung in Spanien 2010 mit 64,9 Prozent des Bruttoinlandprodukte (BIP) deutlich niedriger liegen als in Deutschland (78,8 Prozent) oder im EU-Schnitt (84,7 Prozent). Auch gegenüber anderen Währungsräumen wie Großbritannien (79,Prozent) oder den USA (93,6 Prozent) hat Spanien das deutlich tragfähigere Verschuldungsniveau, so die Profis der RZB.

Unbestritten ist das laufende Budgetdefizit Spaniens (auch) heuer mit 9,8 Prozent des BIP sehr hoch. Es liegt damit aber auch nur in einer Liga mit Großbritannien (- 12 Prozent) und den USA (- 10,0 Prozt). Dank des niedrigeren Ausgangsniveaus bei den Staatsschulden dürfte Spanien damit auch noch in einigen Jahren zu den relativ weniger stark verschuldeten Industrieländern zählen - trotz geringen Wirtschaftswachstums und hohen Budgetdefizits 2010 und 2011.

Grund 2: Wachstumsschwäche reicht nicht für Staatsbankrott

Unbestritten ist auch, dass die immer noch nicht überstandene Immobilienkrise in Spanien regionale Banken stark belastet und auf Jahre hinaus viel Wirtschaftswachstum kosten wird. Anders als in vielen anderen Ländern (Großbritannien, Irland, USA) war Spaniens Bankensektor in der Krise aber stark genug, um ohne großflächige Banken-Verstaatlichungen (samt Risikoübernahme durch den Staat) auszukommen.

Von dieser Seite dürfte in den kommenden Jahren zwar noch einiges an Belastung auf die öffentlichen Haushalte zukommen, aber auch hier präsentiert sich Spanien nicht schlechter als andere Länder, die derzeit nicht in der Schusslinie stehen. Außerdem kann Spanien auf erfolgreiche Budgetkonsolidierungen in der jüngsten Vergangenheit zurückblicken, so dass die Glaubwürdigkeit in Bezug auf die kommende Budgetkonsolidierung recht hoch ist.
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