Privatanleger in Deutschland sind zwar viel im Internet unterwegs, um sich über Anlageprodukte und die Finanzmärkte zu informieren. Allerdings nutzen sie dafür überwiegend die klassischen Informationsangebote und seltener Web 2.0-Angebote wie soziale Netzwerke.
Lediglich 15 Prozent der Privatanleger vertrauen derzeit einem Rat zum Thema Geldanlage, den sie über soziale Netzwerke erhalten. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage von TNS Infratest im Auftrag der genossenschaftlichen DZ Bank.
Zwar werden Internet und Onlinebanking zunehmend genutzt, dennoch sind laut Umfrage Tageszeitungen und Anlageberater der Banken die mit Abstand am häufigsten genutzte Informationsquelle der privaten Investoren. 72 Prozent der Privatanleger nutzen Zeitungen, um sich über Anlagethemen zu informieren – etwas weniger als 2010 (75 Prozent). Anlageberater haben in der Kundengunst wieder gewonnen: 71 Prozent der Befragten greifen auf sie zurück, 2010 in Folge der Finanzkrise waren es nur 64 Prozent.
Das Internet wird für die Privatanleger immer wichtiger: 53 Prozent informieren sich über Onlineangebote von Finanzdienstleistern und Banken. 43 Prozent greifen auf die Websites von Verlagen oder auf andere Nachrichtenseiten zurück. Web 2.0-Dienste wie etwa Facebook oder Twitter sind derzeit erst für zehn Prozent der Anleger relevant, um sich über Anlagethemen zu informieren. Aber drei von vier Anlegern schätzen den Meinungsaustausch unter Anlegern als großen Vorteil von Social-Media-Kanälen. Etwa die Hälfte findet, dass die Informationen durch die Plattformen transparenter werden.
Jeder zweite Anleger hält Informationen in Social Media für unzuverlässig
Allerdings bedeutet das nicht, dass die Anleger diesen Information auch vertrauen: So ist jeder Zweite der Meinung: „Solche Plattformen liefern keine zuverlässigen Informationenen für Anleger.“ Bei den besonders web-2.0-affinen 18- bis 29-jährigen finden das sogar 77 Prozent. Insgesamt schätzt die Hälfte der Anleger die klassischen Finanzportale sowie die Internetseiten der Finanzdienstleister als hilfreicher ein. Und nur 15 Prozent der Befragten verlassen sich auf eine Finanzempfehlung aus den sozialen Netzwerken – das sind sogar noch weniger als noch 2010 (19 Prozent). Dagegen vertrauen mehr als 70 Prozent der Befragten einer Web 2.0-Empfehlung, wenn es um ein Buch geht.
Zwiespältig bewerten die Anleger die weitere Entwicklung. Zwar sind drei Viertel davon überzeugt, dass die Nutzung von sozialen Netzwerken beim Thema Geldanlage zunehmen wird. Bislang sind allerdings nur vier Prozent der Anleger selbst aktiv und stellen eigene Beiträge oder Bewertungen ins Internet. Nur drei Prozent der Befragten können sich vorstellen, Mitglied einer Community zu werden. Bei den 18– bis 29-jährigen liegt der Anteil kaum höher.
Dass klassische Bankdienste via Internet Steigerungspotenzial haben, davon sind 72 Prozent überzeugt. Die Bankfilialen werden deshalb aber nach Meinung der Befragten nicht überflüssig. Derzeit erledigt gut jeder zweite Anleger seine Bankgeschäfte auch am Computer. Die wichtigste Anforderung der Befragten an die Internetpräsenz einer Bank ist der schnelle Zugang zu Informationen. Gleich dahinter rangiert die Kontaktmöglichkeit zu einem persönlichen Bankberater. Detaillierte Produktinformationen wünschen sich zwei Drittel der Befragten, 42 Prozent erwarten Tools zur Finanzplanung, jeder Dritte Transaktionsmöglichkeiten und Mobile Banking. Mit seinem Bankberater über Web 2.0 kommunizieren zu können, ist jedoch nur für zwölf Prozent von Interesse.