Während selbst die Bundesregierung erkannt hat, dass es um die Finanzberatung schlecht steht und sich für Besserung einsetzen möchte, sieht die Realität offenbar noch immer düster aus, wie der Test zeigt: Nur in einem Anlagegespräch wurde überhaupt der finanzielle Hintergrund des Testkunden ausgeleuchtet und anschließend vernünftig beraten. Die Studie bestätigt damit auch zahlreiche Untersuchungen aus der Vergangenheit, so zum Beispiel eine deutlich größer angelegte Studie der Universität Bamberg aus dem Jahr 2008.
„Ich bekomme täglich einiges an Falschberatung auf den Tisch. Trotzdem ist es bestürzend, dass von 25 Beratern tatsächlich 24 schon im Ansatz scheitern“, kommentiert Arno Gottschalk, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen, das Ergebnis. Bankmitarbeiter hätten berichtet, dass die Finanzmarktkrise intern nicht thematisiert werde. Sie sollen nach Analyse des VZBV weiterhin verkaufen, was die Unternehmensleitung für gut befindet.
Offene Immobilienfonds als sichere Geldanlage gepriesen
Ganz oben auf der Verkaufsliste der Banken stehen zwei Produkte: In 14 der 25 Gespräche wurden offene Immobilienfonds als sichere Geldanlage angeboten, geworben wurde unter anderem mit Sätzen wie: „Dieser Fonds macht niemals Minus“. Abgestellt wurde auf die Renditen der Vergangenheit oder vermeintliche Steuervorteile. Selten sei von den Problemen der Fonds in der jüngsten Zeit und den Risiken für die Wertentwicklung die Rede gewesen, berichtet Gottschalk: „Wir haben natürlich Probleme an den Immobilienmärkten. Die Frage ist: was heißt das für die offenen Immobilienfonds? Sind da nur Chancen oder sind da auch Risiken?“
Zwölf Berater empfahlen Rentenversicherungen
Weiteres Top-Produkt auf der Empfehlungsliste der Bankmitarbeiter waren Rentenversicherungen. Gleich zwölf der Berater hatten sie im Angebot. Meist wurde erst auf Nachfrage erklärt, wie hoch die garantierte Rendite im Gegensatz zu den in Aussicht gestellten Überschüssen sei. „Eine Rentenversicherung ist das klassische Produkt, bei dem man hohe Provision verdienen kann. Es ist nach wie vor eher undurchsichtig und für denjenigen, der Geld anlegen soll, schwer verständlich“, sagt Arno Gottschalk.
Die seit der Lehman-Pleite umstrittenen Zertifikate wurden den Testern zwar nicht angeboten, dafür mit geschlossenen Immobilienfonds und Firmenbeteiligungen aber weitere riskante und durch den Einlagensicherungsfonds nicht geschützte Produkte. Für den Verbraucherzentrale Bundesverband ist das Ergebnis ein Alarmsignal: „Von einem Umdenken in der Bankenbranche ist nichts zu sehen. Es wird weiter am Bedarf vorbei verkauft. Die Risiken der empfohlenen Produkte werden verschwiegen“, lautet das Fazit von Manfred Westphal, Leiter des Fachbereiches Finanzdienstleistungen. Den politischen Absichtserklärungen, die Finanzmärkte und die Finanzvermittlung stärker zu regulieren, müssen bald Taten folgen, fordert daher der VZBV. „Die Zeit zum Handeln ist längst überfällig.“