
Sitz der Banken- und Versicherungsaufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) in Bonn
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat ein Moratorium über die alternative Noa Bank verhängt und das Institut damit de facto dicht gemacht.
Die Bankenaufsicht verhängte am Abend des 18. August ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot. Außerdem ordnete sie an, die Onlinebank für den Kundenverkehr zu schließen. Das Institut darf keine Zahlungen entgegenehmen, die nicht zur Tilgung von Schulden ihm gegenüber bestimmt sind („Moratorium“).
Moratorium soll Vermögenswerte sichern
Man habe das Moratorium anordnen müssen, um die verbliebenen Vermögenswerte zu sichern, teilte die Bafin zur Begründung mit. Dem Institut drohten nach dem Insolvenzantrag der zum Konzern gehörigen Noa Factoring AG die Zahlungsunfähigkeit und die Überschuldung. Die Maßnahmen der Bafin sind sofort vollziehbar, aber noch nicht bestandskräftig. Bankgründer Francois Jozic, der als Anti-Banker an den Start gegangen war, kommentierte das Aus in seinem Internetblog gewohnt theatralisch, als sei die Schließung gar auf seine Initiative hin erfolgt: „Mit diesen Voraussetzungen habe ich mich entschlossen, die BaFin die Bank schließen zu lassen. Ich höre auf zu kämpfen.“ Und weiter: „ Das gesamte Finanzsystem ist selbstorganisiert, um unbeweglich zu sein. Ich habe versucht es zu ändern, aber ich bin gescheitert.“
Die Bilanzsumme der Nachhaltigkeitsbank beläuft sich laut Bafin Mitte August auf rund 179,2 Millionen Euro. Auf Verbindlichkeiten gegenüber Kunden, also auf Kundeneinlagen, entfallen rund 172,1 Millionen Euro.
Das erst im November 2009 als Alternative zu den herkömmlichen Banken gestartete Institut (Claim: „Geben Sie Ihrem Geld den Sinn, den Sie wünschen“) hatte sich zuletzt alle Mühe gegeben, für ihre Bestandskunden weniger attraktiv zu sein. Zum 15. August hatte sie die
Tagesgeldzinsen auf ihren vier Themenkonten (aus den Bereichen Region, Planet, Kultur und Leben) auf Gelder bis 50.000 Euro von ohnehin nicht mehr üppigen 1,5 Prozent auf nur noch 0,75 Prozent gesenkt. Bereits Ende Juni hatte die Finanzaufsicht dem Institut das Einlagen- und Kreditgeschäft wegen Mangels an Eigenkapital verboten. Zuvor hatte das Institut angesichts der hohen Tagesgeldzinsen von anfänglich bis zu 2,2 Prozent eine Flut von Kundengeldern eingesammelt. Doch auf der Kreditseite hatte es sein Geschäft nicht so schnell zum Laufen gebracht. Die eigene Tochter Noa Factoring war der bei weitem größte Kreditnehmer der Bank, was Beobachter stark kritisiert hatten. Seit Mai hatte die Bank schon keine neuen Tagesgeldkonten mehr eröffnet.