Sparkassen, Genossenschaftsbanken und öffentliche Banken werden künftig einheitliche Produktinformationen veröffentlichen. Damit steht der von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner propagierte „Beipackzettel“ vor dem Durchbruch. Wie eine Umfrage von biallo.de unter rund einem Dutzend Banken Ende Februar ergeben hat, gehen immer mehr Institute dazu über, die „Beipackzettel“ einzusetzen.
Nach dem Bundesverband deutscher Banken folgen nun die Spitzenverbände der anderen Bankengruppen in Deutschland: Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) und der Bundesverband öffentlicher Banken (VÖB) haben sich sogar auf einen einheitlichen Standard für Produktinformationen geeinigt. Er soll künftig von den angeschlossenen rund 1.700 Kreditinstituten und Verbundunternehmen auf alle Anlageprodukte übertragen und schrittweise in den Markt eingeführt werden. Vorteil für Privatkunden: Die Informationsblätter verschiedener Banken zu ein und demselben Produkt lassen sich dann vergleichen.
Es wird damit wahrscheinlicher, dass es künftig einen für die Gesamtbranche einheitlichen Standard bei Produktinfoblättern geben wird. Erst kurzem hatte der Bundesverband deutscher Banken (BdB), der Spitzenverband der Privatbanken, gemeinsam mit dem Deutschen Derivate Verband (DDV) sein Muster vorgestellt. Allerdings unterlief den Verbänden dabei in der ersten Fassung des Infoblattes ein peinlicher Lapsus: Die Risiken des Zertifikats waren nicht vollständig korrekt dargestellt worden.
Erst ING-Diba, dann Deutsche Bank
Die Verbände geben mit ihren Infoblättern dem Druck von Ministerin Ilse Aigner nach. Aigners Haus hatte bereits Mitte 2009 ein einheitliches Produktinfoblatt von den Banken verlangt, war jedoch zunächst auf taube Ohren gestoßen. Einzig die Direktbank ING-Diba hatte im Herbst als erstes Institut für gut 20 Produkte Beipackzettel ins Netz gestellt – streng nach dem Aignerschen Muster. Der gefiel’s, doch die Konkurrenz witterte einen geschickten PR-Gag. Der Druck im Kessel stieg erst an, als die Deutsche Bank am 11. Februar ihrerseits dem BdB voranpreschte und ihre „Beipackzettel“-Initiative publik machte. Dort wird es die Papiere sukzessive für alle neuen Anlageprodukte der Bank in den Bereiche Fonds, Zertifikate und Mandatsprodukte geben, aber auch für Einlagenprodukte wie Festgeld.
Konkrete Pläne - von Targobank bis Hypovereinsbank
Wie eine Umfrage von biallo.de unter mehr als einem Dutzend Kreditinstituten Ende Februar ergeben hat, hat als Dritte im Bunde bereits auch die Commerzbank „Beipackzettel“ im Einsatz. Und weitere Institute haben konkrete Pläne: So wird die Targobank, also die ehemalige Citibank, im April 2010 Produktinfoblätter für von ihre empfohlene Produkte einführen – und will noch über die Vorgaben des Aigner-Ministeriums hinausgehen: Sie möchte nicht nur Basisinformationen geben, die die Produkteigenschaften erläutern und die Konditionen transparent darstellen, sondern auch eine Idee der Verbraucherzentrale Hamburg aufnehmen und zwei Risiko-Ampel-Systeme anbieten. Anhand derer soll der Zusammenhang zwischen Anlagerisiko, -dauer und –zielen veranschaulicht werden. Auch die Postbank plant noch im zweiten Quartal die Einführung von Produktinfoblättern. Ähnliches gilt für die Hypovereinsbank.
Konkrete Pläne gibt es auch bei der Norisbank, die zum Deutsche Bank-Konzern gehört. Bei der Direktbank Cortal Consors läuft ein Projekt zum Beipackzettel, auch Comdirect kann sich vorstellen, sich der brancheneinheitlichen Lösung anzuschließen. Beipackzettel-Pionier ING-Diba plant derweil, eine technische Lösung aufzubauen, mit der in Zukunft für die allermeisten von ihr auch im Bereich Wertpapiergeschäft angebotenen Papiere automatisch ein Produktinfoblatt erstellt werden kann.
Lob von Verbraucherschützern - Anleger müssen aktiv handeln
Auch Verbraucherschützer wie Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg bewerten es grundsätzlich als positiv, dass sich die Bankenverbände um einheitliche Vorgaben für die Informationsblätter bemühen. „Denn der Beipackzettel hat nur dann eine Chance, Verbrauchern in ihren Entscheidungen zu helfen, wenn er klar und verständlich sowie einheitlich für alle Anbieter ist“, sagte Nauhauser.
Anleger sind gut beraten, beim nächsten Anlagegespräch nach dem Produktinformationsblatt zu fragen. Denn je mehr Kunden sich dafür interessieren, desto wahrscheinlicher wird es, dass mehr Banken diese Art von Informationen bereit stellen. Verbraucher sollten sich allerdings nicht zögern und sich die Informationen genau erklären lassen, wenn sie in allzu abgehobenem Banker-Deutsch dargeboten werden. Hier sollten sie Banker-Kauderwelsch oder unklare Formulierungen deutlich kritisieren.