Bereits letzte Woche verlor der deutsche Leitindex in Frankfurt binnen Tagen rund 1.000 Zähler. Viele Marktbeobachter sprechen bereits von einem beginnenden Crash, der den von 2008 an Gewicht und Ausmaß weit übertreffen könnte. Auch am Montag eröffneten die Börsen weltweit mit – teils deutlichen – Verlusten. An der Frankfurter Börse hielten sich die Abschläge zunächst in Grenzen. Allerdings beträgt auch hier der Kursabschlag beim Dax mittlerweile fast drei Prozent – und mit der Eröffnung des Handels an der Wallstreet ab 15 Uhr könnte sich die Lage weiter verschärfen
Erstmals in ihrer Wirtschaftsgeschichte hat die USA nach der Herabstufung durch das gewichtige Analysehaus Standard & Poor`s (S&P) ihre Spitzenbonität AAA verloren. Insbesondere China – derzeit größter Gläubiger der USA – dürfte dies in Alarmbereitschaft versetzt haben. Um vor dem Börsenstart in die neue Woche für Beruhigung zu sorgen, signalisierten die Finanzminister und Notenbankchefs der G7-Länder am Wochenende „alle notwendigen Schritte zu unternehmen, um Wachstum und Finanzmärkte zu sichern“.
Aktienmärkte reagieren anfangs moderat
Die Reaktion an den Aktienmärkten heute Morgen war nach den starken Rückgängen der letzten Wochen zunächst moderat – allerdings verzeichnet Gold weiter starke Zuwächse und notiert aktuell auf einem historischen Höchststand von über 1.700 US-Dollar je Feinunze. Gleichzeitig fallen die Renditen auf US-Staatsanleihen. Hintergrund: Es gibt wenig Alternativen zum US-Staatsanleihenmarkt, und bei den aktuellen Turbulenzen flüchten die Anleger in Treasuries, die trotz Abstufung immer noch zu den sichersten Anlagen der Welt gehören.
Treasuries behaupten sich als sichere Anlageform
Zusätzlich schürt auch die zuletzt schwache US-Wirtschaft die Nachfrage nach Treasuries, also US-Staatsanleihen, als sichere Anlageform. Außerdem weist S&P in seinem Statement darauf hin, dass die Rolle des Dollars als Welt-Reservewährung den USA einen Vorteil bei der Refinanzierung verschaffe, und dass auch die Fed ihre expansive Geldpolitik sicher noch länger beibehalten werde. Vor diesem Hintergrund kommt der morgigen Fed-Sitzung besondere Bedeutung zu. Der Markt hofft auf einen Hinweis auf die weitere Vorgangsweise, eventuell mehr quantitative Lockerung, das heisst nach dem Auslaufen des US-Anleiheaufkaufprogramms QE 2 auf ein Anleiheaufkaufprogramm QE 3 oder zumindest QE 2,5.
Monika Rosen, Chefanalystin bei Unicredit Private Banking: „Unserer Meinung nach werden die US-Renditen in den nächsten Monaten mehr vom wirtschaftlichen Ausblick und genereller Risikoaversion beeinflusst werden, als von der Herabstufung durch S&P“. Das Timing von S&P wurde von vielen kritisiert, da die Märkte in den letzten Wochen ohnedies schon verunsichert waren. Die Märkte stellen sich derzeit vielmehr die Frage, wie entschlossen die Politik in allen westlichen Ländern reagiert, um eine neue Rezession zu verhindern. Die Abstufung durch S&P hat die Turbulenzen hier sicher verstärkt und die Risikoaversion geschürt.
„Wir bekräftigen unsere neutrale Haltung zu Aktien, verweisen aber auch auf die Tatsache, dass die Aktienmärkte zuletzt schon stark überverkauft waren, und eine zumindest technische Gegenbewegung jederzeit erfolgen kann“, so Rosen.
EZB kauft italienische und spanische Staatsanleihen
Nachdem am Wochenende Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy und Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel indirekt Grünes Licht für den Aufkauf von italienischen und spanischen Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) gegeben haben, trugen auch erste Aufkäufe weiterer Staatspapiere der hoch verschuldeten Länder Spanien und Italien zunächst zur Beruhigung an den Finanzmärkten bei. Ob dies allerdings von Dauer sein wird und kann, darf bezweifelt werden.