Biallo.de: Herr Dr. Bargel, Rezessionsängste schicken den Ölpreis auf Talfahrt und sorgen für deutliche Kursrückgänge an den globalen Aktienmärkten. Werden volkswirtschaftliche Risiken bei der Vermögensanlage unterschätzt?
Marco Bargel: Wirtschaftliche Risiken ebenso wie politische oder klimabedingte Gefahren zählen zu den sogenannten Makro-Risiken. Solche Gefahren sind schwer greifbar, die Wahrscheinlichkeiten für einen „Krisenfall“ sind oft nur indikativ zu ermitteln. Wie das Beispiel Fukushima gezeigt hat, kann die Tragweite dieser Makro-Risiken aber umso größer sein. Anlageprofis setzen beim Risikomanagement häufig andere Schwerpunkte. Die Bonität eines Schuldners, die Gewinnerwartung einer Aktiengesellschaft oder die Korrelation zwischen verschiedenen Anlageklassen finden mehr Beachtung, weil sie leichter quantifizierbar sind und sich meist sehr direkt im Wert und der Entwicklung eines Portfolios niederschlagen.
Biallo.de: Die Wahrscheinlichkeit, dass aus einem Risiko eine Krise wird, schätzen Experten oft unterschiedlich ein. So gehen die Prognosen über die weitere Inflationsentwicklung weit auseinander. Wie sollen Anleger reagieren?
Marco Bargel: Zunächst sollte man sich der wesentlichen Risiken bewusst sein und sich gegebenenfalls mit seinem Anlageberater darüber austauschen. Wichtig ist, die Sensibilität des eigenen Vermögens auf dieses Risiko hin zu prüfen. Ein aus festverzinslichen Papieren bestehendes Depot zum Beispiel ist deutlich inflationsgefährdeter als ein Aktiendepot. Letzten Endes muss aber jeder Anleger selbst entscheiden, wie viel Risiko er zu tragen bereit ist. Der eine empfindet 50/50 als faire Chance, dem anderen sind schon zehn Prozent Wahrscheinlichkeit für einen
Inflationsanstieg zu riskant.
Biallo.de: Wie schätzen Sie die Inflationsgefahr in Deutschland ein? Welche Risikovorsorge würden Sie betreiben?
Marco Bargel: Ein Anstieg der Inflationsrate in Deutschland ist derzeit nicht in Sicht. Die deutsche Konjunktur ist rückläufig, die Energie- und Nahrungsmittelpreise sinken. Ich würde Engagements in langfristigen Zinspapieren vermeiden, kurzlaufende Anleihen bevorzugen und den Anteil an Substanzwerten im Aktiendepot erhöhen.