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20.01.2012 09:55

Fünf Fragen an: Michael Dutz (Adlatus Vermögensverwaltung)

„Zinssparer müssen mit Vermögensminderung rechnen“

von
Michael Dutz, Vorstand der Adlatus Vermögensverwaltung in Chemnitz und erfolgsreichster Vermögensverwalter Deutschlands im Depot-Contest von n-tv und Focus Money, erläutert im Gespräch mit biallo.de, auf welche Anlageklassen Sparer 2012 setzen sollten, und warum höhere Inflationsraten wahrscheinlich sind.
Michael Dutz ( Adlatus Vermögensverwaltung
Michael Dutz, Vorstand der Adlatus Vermögensverwaltung in Chemnitz
Biallo.de: Herr Dutz, Sie prophezeien für dieses Jahr einen Anstieg der Inflation - warum?

Michael Dutz:
Ich bin davon überzeugt, dass die Europäische Zentralbank (EZB) zum Gelddrucken animiert wird. Es wird einen Kuhhandel zwischen Notenbankern und Politikern geben: Die EZB kauft massiv Anleihen von Problemländern. Im Gegenzug akzeptiert Deutschland die damit verbundene Inflation, damit Banken nicht Pleite gehen und Kundengelder sicher sind.

Biallo.de: Welche Auswirkungen hat dieses Szenario auf verzinste Sparanlagen? Gibt es Alternativen für konservative Anleger?


Dutz:
Festzinsanlagen in Euro halte ich weiterhin für unattraktiv, Zinssteigerungen sind nicht in Sicht. Im Gegenteil: Tages- und Termingeldzinsen könnten sogar weiter fallen, etwa wenn die EZB den Leitzins auf 0,5 Prozent senkt. Die Entwicklung der offiziellen Inflationsrate von 1,1 Prozent in 2010 auf 2,3 Prozent in 2011 und 3,xx Prozent in 2012 zeigt, dass Zinssparer mit einer stetigen Vermögensminderung rechnen müssen. Alternativen bieten inflationsgeschützte Anleihen, bei denen die Verzinsung mit der Inflationsrate steigt oder Festzinsanlagen solider Hochzinswährungen. Infrage kommen beispielsweise der australische Dollar oder die norwegische Krone. Renditen zwischen vier und fünf Prozent sind hier realistisch. Auch konservative Mischfonds haben 2011 ihre Stabilität unter Beweis gestellt.
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Biallo.de: Wie werden sich die Aktienmärkte entwickeln?

Dutz:
Da bin ich positiv gestimmt. Die aktuelle Lage ähnelt der im Jahr 2009: Es herrscht Sorge vor einer konjunkturellen Abkühlung und Rezessionsangst. Die Anlegerstimmung ist getrübt. Die Rezession kam 2009 auf und die Börsen legten trotzdem um 25 Prozent zu, weil die Märkte das Leben nach der Rezession bereits eingepreist hatten. Da wir für das Jahr 2012 zwar von einer Konjunkturabkühlung, aber nicht von einer Rezession ausgehen, rechne ich mit einem ähnlichen Börseneffekt. Unterm Strich würde dies einem Dax-Wert von 7.375 Punkten entsprechen. Untermauert wird diese Prognose von extrem niedrigen Aktienkursbewertungen und sehr attraktiven Dividendenrenditen. Viele Dax-Werte erreichen derzeit mehr als vier Prozent. Neben breit gestreuten, weltweiten Aktienfonds liegt unser Investitionsschwerpunkt auf Deutschland und China – also den Krisengewinnern. Die gute Entwicklung des Dow Jones ist für uns nicht erstaunlich, da die Wirtschaft sehr gut dasteht und die Regierung im Wahlkampf Steuergeschenke verteilen wird. Dies sollte dem Dow Jones auch 2012 Rückenwind geben und auf neue Höchstkurse treiben.

Biallo.de: Sollten Anleger auch auf Edelmetalle setzen?

Dutz: Da Rohstoffe in jedes gut strukturierte Depot gehören, ist eine breite Streuung der beste Weg, um extremen Schwankungen vorzubeugen. Für 2012 gehe ich von einer Normalisierung der stark gefallenen Preise bei Kupfer und Silber aus und würde diese priorisieren. Die Entwicklung im Jahr 2011 machte allerdings deutlich, wie stark die Kurse schwanken können und künftig auch weiter schwanken werden…

Biallo.de: Welchen Trend sehen Sie bei Immobilien?

Dutz: Die Lage am Immobilienmarkt ist, bis auf ein paar positive Ausreißer in Toplagen von München, Hamburg, Dresden oder Jena, ruhig. Immobilienfonds erwirtschaften derzeit Renditen von etwa 3,5 Prozent, was über den aktuellen Festgeldzinsen liegt und wieder Investoren in Immobilienfonds oder Einzelimmobilien zieht. Nachdem die Bewertung von Immobilien stabil ist und die Immobilienblasen der letzten Jahre korrigiert sind, erwarte ich neben den regelmäßigen Mieterträgen wieder leichte Zuwächse bei den Immobilienpreisen.
Leserkommentare
24.01.2012 12:35 Uhr - von Dirk Maier
Schleichwerbung für Fonds?
Diese Bewertung halte ich für Unsinn-Alle Vorhersagen sprechen für ein Absinken der Inflation aufgrund einer leichten Konjunkturabkühlung. Somit bleiben Tagesgelder interessant. Von wo anders her rieche ich den Braten: aus Richtung Schleichwerbung für Fonds, die den Banken schön Gebühren bringen, ohne-bei entsprechender Sicherheit- besser als "konventionelle" aber für die Banken weniger interessante Geldanlagen zu sein...
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Foto: Michael Dutz ID:6385
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