Geldanlagen mit Kapitalschutz sind bei den Deutschen gefragt wie nie. Doch weil die Garantie bei Aktienfonds und Zertifikaten so auf die Rendite drückt, sind Anleger mit Fest- oder Tagesgeld oft besser bedient.
„Börse mit Vollkasko“ – was nach einem Widerspruch in sich klingt, wird von Banken und Fondsgesellschaften offensiv vermarktet. Mit Erfolg: Zwei von drei Zertifikaten sind mittlerweile Produkte mit Kapitalschutz. Und das Fondsvermögen von Garantiefonds mit wohlklingenden Namen wie „Protect“, „Safe“ oder „Garant“ hat sich innerhalb von drei Jahren mehr als verdoppelt.
Zumindest das eingesetzte Kapital ist sicher
Die Chancen der weltweiten Finanzmärkte nutzen, aber gleichzeitig vor dem nächsten Börsencrash geschützt sein: die Idee hat zweifellos Charme. In der Regel sind die Papiere so konzipiert, dass der Anleger mindestens sein eingesetztes Kapital – oder wenigstens einen Großteil – am Ende der Laufzeit zurückbekommt. Wer vorzeitig aussteigt, riskiert allerdings oft Kursverluste.
Doch auch Anleger, die bis zum Ende durchhalten, sollten keine Traumrenditen erwarten: Um die Sicherheit zu gewährleisten, geht ein Großteil des Geldes in sichere Anlagen wie Pfandbriefe oder Staatsanleihen. Nur ein kleinerer fließt in riskantere Papiere – meist in Optionen. Läuft es an den Börsen gut, sind damit höhere Renditen zu erwirtschaften, läuft es schlecht, können die Papiere wertlos werden.
Garantierte Kosten
Nachteil für die Kunden: Bei stark schwankenden Kursen sind die Prämien für die Optionen hoch – Anleger können dann nur zu einem geringeren Teil an Gewinnen beteiligt werden. Und die Kaufgebühren der Fonds sind von der Kapitalgarantie nicht abgedeckt. Im Klartext: Damit der Anleger wirklich Null auf Null rauskommt, muss das Papier den Ausgabeaufschlag erst mal verdienen.
Experten sehen die Garantiepapiere daher kritisch: „Die Absicherungsstrategie ist für Privatkunden teurer, als das Risiko gleich zu vermeiden und ein sicheres Papier zu kaufen“, sagt Andreas Oehler, Professor für Finanzwirtschaft an der Universität Bamberg. Diese Aussage bestätigt auch eine Analyse von Uwe Wystup, Professor an der Frankfurt School of Finance und Management. Ergebnis: Bei einer Anlagedauer von 25 Jahren frisst das Garantieversprechen die Hälfte der Rendite. Attraktiv sind die Papiere allenfalls für kürzere Anlagezeiträume.
Clevere Alternative
Anleger können Sicherheit und Rendite auch selbst kombinieren: Sie legen den Großteil ihres Vermögens in sichere Papiere an. So lassen sich mit Festgeld über vier Jahre bei der DHB Bank aktuell 3,75 Prozent erzielen, mit deutscher Einlagensicherung sind es z.B. bei der Volkswagen-Bank direct 3,5 Prozent – eine sichere Rendite ohne Extrakosten. Für den Renditekick kann ein Teil des Geldes (z.B. 20 Prozent) in Aktienfonds fließen. Der weltweit anlegende Aktienfonds Carmignac Investissiment etwa hat in den letzten fünf Jahren eine Durchschnittsrendite von 14,6 Prozent erzielt. Bei der
ING-Diba ist er ohne Ausgabeaufschlag und Depotgebühren zu bekommen.
Einlagensicherung plus Fondssondervermögen: Da sind Kunden auch im Pleitefall besser aufgehoben als bei manchem Garantieprodukt. Denn nicht zu vergessen: Die Papiere, mit denen zehntausende Anleger infolge der Finanzkrise auf die Nase fielen, enthielten ebenfalls eine Kapitalgarantie – von Lehman Brothers.