Erst eine Briefmarke kaufen, dann einen Banksparplan abschließen – beides soll demnächst bei zahlreichen Volksbanken und Raiffeisenbanken möglich werden. Bundesweit haben etwa 240 Institute grundsätzliches Interesse daran signalisiert, ins Postgeschäft einzusteigen. Das kündigte Michael Bockelmann, der Chef des größten Genossenschaftsverbands an.
Die Zielsetzung ist klar: Die Kreditgenossen erhoffen sich davon mehr Kundenverkehr in den Filialen und ein Plus bei den Bankgeschäften – insbesondere im ländlichen Raum. „Unsere Ortsbanken müssen Kunden-Kümmerbanken sein“, sagte Bockelmann.
Grundlage für den neuen Geschäftszweig ist die Ende 2009 gegründete Gesellschaft GenoPost eG. Gründer und Aufsichtsratsmitglieder der GenoPost eG sind die Vertreter der Hannoverschen Volksbank, der Volksbank Mosbach, des DG Verlags, der GenoConsult und der Volksbank Raiffeisenbank Meißen Großenhain. Neben den Instituten aus Meißen und Hannover haben bereits zehn Banken den Einstieg ins Postgeschäft fest eingeplant, so Bockelmann.
PSD-Banken halten sich zurück
Die 15 ebenfalls genosschaftlichen PSD-Banken mit bundesweit 55 Bankstellen halten sich allerdings zurück, auch wenn sie die Initative mit Interesse verfolgen: „Aktuelle Untersuchungen des Fraunhofer Instituts belegen, dass diese Angebotserweiterung die Attraktivität einer Bankfiliale steigern kann. Inwieweit hieraus eine postalische Lösung für den gesamten genossenschaftlichen Finanzverbund erwachsen kann, bleibt abzuwarten“, sagt Rudolf Conrads, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der PSD Banken e.V., gegenüber biallo.de.
Der Bundesverband der Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) stellt zur Post-Initiative klar, dass es natürlich der Entscheidung jeder einzelnen Volksbank oder Raiffeisenbank obliege, ob sie Postdienstleistungen in ihren Zweigstellen anbieten möchte. Den Banken, die sich dafür interessieren, empfiehlt der BVR; die Erfahrungen und Kenntnisse der GenoPost zu nutzen.
Hintergrund der Initiative ist, dass die Deutsche Post AG angekündigt hat, sich bis Ende 2011 von ihren mit eigenem Personal betriebenen Filialen zu trennen. Trotzdem wird es nicht weniger Postannahmestellen geben, da schon heute viele Einzelhandelsgeschäfte oder Tankstellen Postdienstleistungen erledigen.
Die Genossenschaftsbanken wollen mit ihrem Pfund wuchern, auch im ländlichen Raum in vielen kleinen Orten vertreten zu sein. Kein Wunder, dass zum Beispiel der Deutsche Landfrauenverband die Pläne der Genossenschaftsbanken begrüßt: „Wenn der Weg zur Bank mit dem zur Post identisch ist, lässt sich dieses Stück Alltag vielerorts wieder einfacher organisieren“, sagt Verbandspräsidentin Brigitte Scherb. Post austragen werden die Geno-Banken allerdings nicht, sondern lediglich als Annahmestellen fungieren. Das Austragen sollen externe Dienstleister übernehmen – vielleicht auch die gelbe Post selbst.
Tipp: Kunden einer Genossenschaftsbanken sollten ihr Institut auf die Initative ansprechen, vielleicht gibt es den Service dann schon bald auch bei ihrer Bank.