Anleger fliehen zusehends ins Gold,
weil sie dem Euro misstrauen. Der Run auf das Edelmetall treibt die Preise. Kürzlich erreichte der Goldpreis einen neuen Höchststand mit 1.900 Dollar je Feinunze. Auf Monatssicht verteuerte sich Gold um rund 15 Prozent, der Jahreszuwachs beträgt über 50 Prozent. Auch Anleger aus der Eurozone profitieren. Trotz Euro-Schwäche legte der Goldkurs binnen Jahresfrist um rund 30 Prozent zu. Anleger, die vor fünf Jahren Gold in Euro gekauft haben und heute verkaufen würden, erzielen einen Wertgewinn von rund 160 Prozent.
Die Angst vor einer Ausweitung der Schuldenkrise in Europa und Amerika belastet die Euro-Währung. Viele Goldkäufer befürchten, die Europäische Zentralbank (EZB) könnte zur Stütze der überschuldeten Euro-Staaten die Druckerpresse anwerfen und damit den Euro weiter entwerten. Die
inflationäre Geldpolitik der EU-Länder hat auch Auswirkungen auf die Verbraucherpreise, die aktuelle Inflationsrate verharrt trotz Leitzinsanhebungen der EZB mit 2,3 Prozent über der als kritisch gesehenen Zwei-Prozent-Grenze. Investoren stoßen massenweise Bonds der Krisenstaaten ab, weil sie befürchten, dass die Papiere alsbald vollständig wertlos sind. Im Gegenzug flüchten Investoren und Anleger in vermeintlich sichere deutsche Bundesanleihen, was deren Renditen drückt. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren nur noch knapp über der Zwei-Prozent-Marke – ein Ende des Abwärtstrends ist nicht in Sicht.
Gold ein sicherer Hafen?
Anleger, die auf Gold als Vermögensstabilisator setzen wollen, sollten trotzdem vorsichtig sein. Der Goldpreis ist in erster Linie von Spekulation getrieben. Sollte es Europa und den USA gelingen, eine überzeugende Antwort auf ihre Schuldenproblematik zu geben, dürften die Preise für das Edelmetall wieder gen Süden laufen. Finanzexperten wie der Vermögensverwalter Thomas Grüner, warnen bereits vor einer Goldblase. Wer zu aktuellen Höchstpreisen einsteigt, sollte keine Wertsprünge erwarten, denn ob und in welchem Umfang die Kurse weiter steigen, ist ungewiss. Viel eher empfiehlt es sich, eine Konsolidierung der Märkte abzuwarten, und dann einen Einstieg erneut zu prüfen.
Wer wegen des hohen Sicherheitsrisikos und hoher Kosten kein physisches Gold erwerben möchte, der kann Gold-ETCs erwerben, zum Beispiel Xetra-Gold (ISIN DE000A0S9GB0). ETCs sind Schuldverschreibungen von Banken. Im Unterschied zu herkömmlichen Zertifikaten haben ETC-Anleger jedoch Anspruch auf finanziellen Ausgleich, falls der Emittent Pleite geht. Bankhäuser, die ETCs emittieren, müssen nämlich als Sicherheitsleistung eine adäquate Menge Gold erwerben und in einem neutralen Banktresor hinterlegen. Je nach Ausstattung des ETC kann der Anleger bei einer Emittentenpleite die Herausgabe des Goldes verlangen oder einen entsprechenden Finanzausgleich in bar. ETCs bilden die Preisentwicklung des Basisprodukts, also des Rohstoffs Gold, möglichst genau nach. Oft laufen die Papiere parallel zum Rohstoffpreis. Wie bei Aktien können auch beim Handel mit ETCs Limit- und Stopp-Loss-Orders aufgegeben werden. Die Laufzeit der Papiere ist unbegrenzt, die Erwerbs- und Managementgebühren vergleichsweise gering.