Anleihen, die vor steigender Inflation schützen, stehen derzeit hoch im Kurs. Viele Banken locken Anleger mit hohen Zinsen. Doch halten die Papiere, was sie versprechen?
Inflationsgeschützte Anleihen lehnen ihre Zinszahlungen an die Inflationsrate an. Steigt die Teuerung, so die Theorie, steigen auch die jährlichen Zinsen und umgekehrt. Die Tücke steckt jedoch im Detail. Was passiert mit dem angelegten Nennbetrag? Wir verhält sich der Zinskupon bei variablen Zinsformeln? Kann die Verzinsung bei negativer Inflationsrate ebenfalls negativ werden?
Nennbetrag
Anleihen können sich unter anderem dadurch unterscheiden, dass sie den investierten Nennbetrag verzinsen oder nicht. Private Bankhäuser emittierten in der Regel Anleihen, bei denen am Ende nur der eingezahlte Nennbetrag zur Auszahlung bereitsteht. Anleger profitieren also lediglich von den Erträgen des Zinskupons. Anders bei Bundesanleihen: Hier gibt es einige Papiere, die einen Inflationsausgleich auch auf den investierten Nennwert vorsehen. Verzinst sich beispielsweise der Nennbetrag von 100 Euro mit der jährlichen Inflationsrate von durchschnittlich 3 Prozent, erhalten Anleger nach 5 Jahren 115,93 Euro Nennwert zurückgezahlt. Anleihen von Privatbanken zahlen hier in der Regel nur den unverzinsten Nennbetrag von 100 Euro zurück.
Zinskupon
Bei inflationsindexierten Anleihen richtet sich der Zinskupon nach der Inflationsrate. Privatbanken versüßen häufig die Anfangsjahre mit hohen Festzinsen, und zahlen in den Folgejahren einen Inflationsausgleich plus gegebenenfalls einen Grundzins. Beispiel: Inflationsanleihe II von Morgan Stanley. Die Bank zahlt 4,25 Prozent Festzins im ersten Anlagejahr und in den nächsten zwei Jahren 1,25 Prozent Grundzins plus die Inflationsrate. Liegt die durchschnittliche Inflationsrate bei zwei Prozent, erzielen Anleger im 2. und 3. Laufjahr je 3,25 Prozent Zinsen. Klettert die Inflationsrate auf vier Prozent, steigt die Verzinsung auf 5,25 Prozent.
Im Gegensatz zu den Privatbanken verzinst der Bund inflationsindexierte Anleihen ohne Grundzins. Vielmehr wird ein Multiplikator festgelegt mit dem die Inflationsrate gehebelt wird. Beispiel: 1,5 Prozent inflationsindexierte Anleihe des Bundes von 2006 (DE 0001030500, Laufzeit bis 2016). Der Bund verzinst den Kupon mit 1,5 mal Inflationsrate. Liegt die Inflationsrate bei zwei Prozent, erzielen Anleger bei einem aktuellen Anleihekurs von 101 Prozent nach Berechnungen von Stiftung Warentest eine Durchschnittsrendite von 1,66 Prozent pro Jahr. Klettert die Inflation auf vier Prozent, wächst die Rendite auf 1,83 Prozent.