
Klaus Riester: "Frauen haben häufiger als Männer kein Interesse oder keine Zeit, sich mit den Finanzmärkten zu beschäftigen".
Klaus Riester, Leiter Vertrieb bei Union Investment, im Gespräch mit Biallo.de über die unterschiedlichen Sicherheitsbedürfnisse von Geldanlegern.
Biallo.de: Herr Riester, bei der Geldanlage spielt das Thema Sicherheit eine große Rolle. Gibt es Anzeichen dafür, dass Privatinvestoren im Zuge der Finanzmarktkrise vorsichtiger geworden sind?
Klaus Riester: Ja - ohne Zweifel wünschen sich viele Anleger heute mehr Sicherheit als vor der Krise. Bei einer Erhebung unseres Hauses unter 1.000 deutschen Haushalten gaben 59 Prozent der Befragten an, ein gestiegenes Schutzbedürfnis für ihre Kapitalanlagen zu haben. Nur 41 Prozent hielten dagegen das Thema Absicherung für gleich wichtig wie vor der Krise.
Biallo.de: Welche Art von Sicherheitsbedürfnis steht im Vordergrund?
Riester: Privatanleger definieren Sicherheit durchaus unterschiedlich. Für die überwiegende Mehrheit von 92 Prozent bedeutet Sicherheit, dass das eingesetzte Kapital auf jeden Fall vollständig erhalten bleiben muss. Allerdings spielt der Anlagezeitraum eine wichtige Rolle. Bei längerer Laufzeit hält es ein gutes Drittel der Befragten nicht für bedenklich, wenn ihr Kapital zwischendurch schwankt. Am Sparende sollte das Vermögen aber möglichst vollständig erhalten und abrufbar sein. Gut die Hälfte der Anleger versteht unter Sicherheit, dass sich ein Experte um ihre Geldanlage kümmert.
Biallo.de: Gibt es eine Altersgrenze, ab der Wertschwankungen nicht mehr akzeptiert werden?
Riester: Wertschwankungen sind generell eine Herausforderung für Anleger. 72 Prozent der von uns Befragten halten ihre Geldanlage für sicher, wenn diese möglichst wenig Schwankungen unterworfen ist. Allerdings existiert eine altersabhängige Abstufung: Während jüngere Anleger von 18 bis 40 Jahren eher bereit sind, Wertschwankungen zu tolerieren, ist die Akzeptanz von Volatilität in der Altersklasse ab 56 Jahren am geringsten. Hier steht die Finanzbranche vor einer großen Herausforderung. Wir brauchen renditestarke Produkte, die Wertschwankungen im erträglichen Rahmen halten.
Biallo.de: Sind Anleger auch bereit, Verluste in Kauf zu nehmen?
Riester: Ja, solche Anleger gibt es. Immerhin 23 Prozent akzeptieren klar begrenzte Verluste, wenn sie im Gegenzug die Chance auf hohe Renditen besitzen.
Biallo.de: Haben Frauen ein anderes Sicherheitsbedürfnis als Männer?
Riester: Die Befragung zeigt, dass Frauen häufiger als Männer kein Interesse oder keine Zeit haben, sich mit den Finanzmärkten und ihren Geldanlagen zu beschäftigen. Weibliche Anleger vertrauen daher in der Verwaltung ihrer Vermögenswerte eher einem Experten als männliche Anleger. Zugleich bevorzugen Frauen eher schwankungsarme Investments mit geringem Verlustrisiko.